Mit Abstand klarer

Gepostet am Aktualisiert am

Mit Abstand wird alles klarer.

Der „Professor“ – Dr. Reinfried Pohl – hat vieles richtig erkannt und damit sein Unternehmen zum Erfolg geführt. Böse Absichten sind in seinem Buch und seienn Interviews nicht zu erkennen.

Erkennbar ist das Folgende: Vergleichbar ist sein Geschäftsmodell (Vertriebsstrukturen ausgenommen) mit der Gleichteilestrategie von Automobilherstellern wie Toyota und VW. Durch die Konzentration auf wenige zentrale Bauteile (Bremsen, Motoren, bzw. Versicherungen, Anlageformen, …) reduziert sich die Komplexität. Das ist zunächst ein Vorteil für die Unternehmen, den sie auch an die Kunden weitergeben können.

Die Strategie hat allerdings einen gravierenden Nachteil. Bei Bauteilmängeln, müssen Automobilhersteller nicht nur Lose (Teile einer Produktion) eines Modelles zurückgerufen. Es können dann schnell mehrere Chargen und sogar Modelle betroffen sein.

Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) reagiert darauf allerdings anders als die Automobilindustrie, wo fehlerhafte Produkte frühzeitig zurückgerufen werden und sich z.B. ein hochrangiger Toyota-Manager öffentlich für Qualitätsmängel entschuldigt. Zudem legt die Automobilbranche erhöhten Wert auf Qualitätssicherung.

Das aktuelle Konzept des Juristen Dr. Pohl baut darauf auf, dass große Nahmen von Unternehmen (Deutsche Bank, Aachen Münchener) sowie Persönlichkeiten (Helmut Kohl, Angela Merkel, Jogi Löw, Michael Schumacher,…) den Kunden wie auch den Vertriebsmitarbeitern eine Sicherheit vermitteln. Das Problem ist, dass es diese so – zumindest in meinem Fall – nicht gibt.

Im Konstrukt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) trägt nach Vorstellung von Dr. Pohl allein der „Vermögensberater“ das Risiko. O-Ton Prof. Pohl: „Ein Vorteil des strukturierten Systems ist, dass derjenige, der einen Fehler macht, sich selbst bestraft. … … Wer Fehler macht, muss dafür den Kopf hinhalten, das ist doch logisch.“ (Quelle: Reinfried Pohl „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“, 5. erweiterte Ausgabe, Seite 39, ISBN978-3-455-50198-8) und „Es ist ein Vorteil, dass alle unsere Mitarbeiter Selbständige sind, … … Bei uns wirkt sich Fehlverhalten sofort aus, nach dem Motto: Du musst den Schaden selbst bezahlen.“ (Seite 37, im gleichen Buch)

Das Management der DVAG verweist dann lediglich darauf, dass alle Risiken für die Kunden in den Verträgen stehen und die Partnerunternehmen können darauf verweisen, dass sie die Produkte nicht selbst vertrieben haben und deshalb auch nicht dafür haften müssen. Das habe ich ja erlebt.

Das ist juristisch korrekt, aber moralisch zweifelhaft. Die beteiligten Banken entledigen sich damit ihrer Risiken, ähnlich wie in Fällen anderer Finanzvermittler, wo namenhafte Banken den Kunden mit Krediten zur Seite stehen (http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/mdr/2013/geldanlage-150.html).

Was das für einfache Bürger bedeutet, haben ich und andere Beratungskunden bereits erlebt. Obwohl ich eigentlich fondsgebundenen Produkten aus dem Weg gehen wollte, wurden mir ausschließlich fondsgebundene Produkte vermittelt. Das spricht zunächst für die Vertriebskompetenz meines Dienstleisters. – Wie konnte ich mich nur so einlullen lassen? Den Vertriebspraktiken war ich wohl nicht gewachsen.

Dass selbst Topmanager der Branche keinen Fehler darin erkennen wollen, wenn einem Kunden der Darlehen abzuzahlen hat ausschließlich zwei „offene Immobilienfonds“ als passende Lösung vermittelt werden, wundert mich. Die Tatsache, dass mir von der DVAG offziell nur ein neues günstiges Darlehen angeboten wurde und, dass ich hinsichtlich der mir vermittelten Produkte nun ohne Unterstützung der DVAG dastehe, läßt mich eine Beratungskompetenz vermissen.

Zudem habe ich ein Problem mit dem „Familienbild“ von Prof. Pohl: „Motivation entsteht … … durch die Verpflichtung gegenüber meinen Mitarbeitern: Ich bezeichne mein Unternehmen als eine berufliche Familiengemeinschaft.“ (Seite 45)
Als Christ wurde mir regelmäßig gepredigt, dass der Vater seinen „verlorenen Sohn“ mit offenen Armen empfängt (Bibel, Lukas 15,11–32). Obwohl ich das selbst für ein Idealbild halte, mag die „Selbstbestrafung“ in der „DVAG-Familie“ da nicht in mein Familienbild passen.

Ich trage seit Monaten die Konsequenzen dieser unglücklichen Geschäftsbeziehung. Darin, denjenigen mein Geld anzubieten, bei denen ich meine Schulden tilgen möchte, kann ich weiterhin keinen Fehler erkennen. Sind auch die DVAG-Manager bereit die Konsequenzen ihres Handelns zu erkennen und zu tragen?

Noch immer warte ich daher darauf, dass das DVAG-Management und das Finanzministerium hinterfragen, was in meinem extremen Fall falsch gelaufen ist. Doch je länger der Kulturwandel in der Finanzbranche warten lässt, umso mehr verliere ich das Vertrauen in dieses System. Dabei habe ich mit viel Einsatz mehr als einem Jahr versucht, einen Beitrag dazu zu leisten, dass diese Wandel wirklich gelingt. Und: mein Angebot gilt weiterhin.

Vielleicht ist nach der Wahl endlich einmal die richtige Zeit, den Versprechen auch Taten folgen zu lassen.

Viele Grüße,
V. F. Alle

P.S. Es könnte auch noch schlimmer kommen.
Für die DVAG arbeiten neben Vermögensberatern auch „Vertrauensmitarbeiter“ die für kleines Geld „helfen wollen“. Das habe ich gerade in einem anderen Blog gelesen: http://geprellte-vermoegensberater.org/viewtopic.php?f=11&t=109&sid=e0dcf43995a6768bee6a28378c1567ee

Advertisements

Ein Gedanke zu „Mit Abstand klarer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s