Informationsquellen – die Zweite

Gepostet am Aktualisiert am

Ich komme immer noch nicht damit klar, dass der Chefvolkswirt der DVAG mir gegenüber die Homepage einer Fondsgesellschaft als Quelle zitiert hat. Dabei hatte ich in meinem Schreiben an DVAG Vorstand Dr. Pohl ausdrücklich erwähnt, dass ich Journalist bin.

Als Journalist bekomme ich auch mühelos Pressemeldungen und im Internet zu recherchieren habe ich ebenfalls gelernt. Von einem Dienstleister, der so hohe Summen an Kundengeldern verwaltet, erwarte ich allerdings, dass er noch andere Informationsquellen hat.

Natürlich hätte ich das auch selbst machen können. Aber ich hatte mich einem Dienstleister anvertraut, der sich mir gegenüber als professionelles und seriöses Unternehmen dargestellt hat. Schließlich wollte ich meine Freizeit mit meiner Familie verbringen und nicht mit weiteren Recherchen im Finanz- und Versicherungswesen.

Nun bin ich ziemlich ernüchtert.
V. F. Alle

P.S. Ein Hintergrund zu Journalismus und PR (Public Relations):
Ein aktuelles Beispiel für die selektive Leseart von Unternehmen und Pressestellen ist übrigens die Diskussion um das neue Autokältemittel R1234yf. Daimler hat sich gegen Vorgaben der Europäischen Kommission dazu entschlossen dieses nicht einzusetzen, weil nach Erkenntnissen des Automobilherstellers eine erhöhte Gefahr für die Insassen besteht. Das Kraftfahrbundesamt (KBA) hat dazu inzwischen einen ausführlichen und sehr differenzierten Untersuchungsbericht erarbeitet. Siehe : http://www.kba.de/cln_031/nn_124384/DE/Home/kaeltemittel__projektbericht__pdf,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/kaeltemittel_projektbericht_pdf.pdf

Die Meldungen der Kältemittelhersteller Honeywell und DuPont zeigen dagegen, wie einseitig das Untersuchungsergebnis da interpretiert wurde. Vergleiche: http://www.racplus.com/news/kba-1234yf-final-report-honeywell-reaction/8655178.article (Leider haben weder Honeywell noch DuPont die Originalmeldungen ins Netz gestellt, die an Redaktionen verschickt wurden.)

Zwar ist die Aussage nicht falsch, dass durch R1234yf in aktuellen Fahrzeugmodellen kein erhöhtes Risiko zu erkennen ist. Der Hinweis, dass in künftigen Fahrzeug- und Antriebskonzepten durchaus erhöhte Risiken entstehen könnten, fehlt jedoch. Der KBA-Bericht endet mit den Worten: „Dies ist ein deutlicher Hinweis auf eine weitergehende Problematik des Kältemitteleinsatzes von R1234yf in Klimaanlagen von Kraftfahrzeugen. Es wird daher aus übergeordneten Sicherheitserwägungen heraus mit Nachdruck empfohlen diese weiter zu untersuchen, um potenzielle Risiken besser bewerten zu können.“

Jouralisten, die Dinge noch hinterfragen werden daher immer wichtiger. Das ist ein Aufwand der Zeit und Geld kostet. Leider nehmen davon im Moment die wenigsten Menschen notitz. Hoffentlich wird die Gesellschaft den hinterfragenden Journalismus nicht erst dann vermissen, wenn er ganz verschwunden ist.

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