Procon: Gier der Anleger?

Gepostet am Aktualisiert am

Die Anleger von Procon erleben nun ähnliches wie die Anleger des SEB ImmoInvest 2012.

Weil das Unternehmen wie der Fonds Liquiditätsprobleme hat, werden die Anleger darauf hingewiesen, dass sie durch den Abzug von Kapital die Situation weiter verschlimmern.

Das schafft nicht unbedingt vertrauen und wird von den Anlegern und einigen Medien zu recht kritisch hinterfragt. Das Unternehmen, wie damals der Fonds, machen Medien für die Verunsicherung der Anleger verantwortlich. Bezüglich des SEB Immoinvest habe ich das von meinem Dienstleister schriftlich vorliegen. Spiegel-Online berichtet aktuell, dass Procon den Medien „Hetze“ vorwirft.

Statt sich zu Hinterfragen, warum die Anleger misstrauisch wurden, werden jetzt also wieder andere für die Probleme verantwortlich gemacht – die Medien und die Anleger, die ihr Geld zurück haben wollen.

Reflexartig melden sich geschäftstüchtige Anwälte, die da den Anlegern helfen wollen. Für den Suchbegriff „Procon“, erhielt ich von Google zunächst eine Werbung einer Anwaltskanzlei. Die Anwälte müssen ja auch von irgendetwas leben.

Ebenfalls reflexartig gibt es Kommentare im Internet, die den Anlegern „Gier“ vorwerfen. Tatsächlich habe auch ich mich hinterfragt, ob ich vielleicht zu gierig war. Ich komme zu dem Ergebnis, dass mich nicht die Kapitalerträge angesprochen haben, sondern die scheinbare Sicherheit (Gerichte hatten dem Fonds „mündelsicherheit“ bescheinigt). Darüber hinaus hatte mich mein Berater in meinem Misstrauen gegenüber Bankberatern geschickt bestärkt, was mir zusätzlich ein gutes Gefühl gab.

Bei Procon dürfte es ähnlich gewesen sein. Für viele Anleger standen nicht die Renditen im Vordergrund, sondern die Tatsache, dass sie damit auch etwas Gutes für die Umwelt und die nächste Generation tun wollten.

Nach dem Gesetz des Multi-Level-Marketing (MLM) werden immer neue Produkte entwickelt, die die Bedürfnisse der Menschen geschickt ansprechen. Da wird zum Teil die Gier der Menschen angesprochen, aber auch andere Bedürfnisse. Am Ende geht es aber um Vertriebsgeschick und nicht darum, ob die Bedürfnisse der Zielgruppe wirklich erfüllt werden.

Im Übrigen gehe ich davon aus, dass die Zocker auch bei Procon ihr Geld rechtzeitig rausgezogen haben. Diejenigen die das noch nicht gemacht haben, waren vermutlich nicht gierig genug, oder hatten ihre Gedanken gerade wo anders.

Auch gut fünf Jahre nach der letzten Finanzkrise, läuft also alles wie bisher. Es wird nur geschickter verpackt. Dabei sind die Sozialen Medien ein Geschenk für den Vertrieb. Denn was uns hilft Gleichgesinnte zu finden, das hilft geschickten Vertriebsmitarbeitern auch unsere Bedürfnisse zu identifizieren und gezielt anzusprechen.

Allerdings befinden sich unsere Medien aktuell in einem Umbruch, wie es ihn 2009 noch nicht gegeben hat. Viele dort Beschäftigte sind daher gerade mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Wie ich vor 10 Jahren mehr mit meiner Frau und meinen Kleinkindern beschäftigte (das war ein großer persönlicher Umbruch), möchten auch dort Menschen, manche komplizierte Sachverhalte lieber anderen überlassen.

Da sind Unterhaltungsthemen unverfänglicher und die guten Quoten bei Berichten über Michael Schumacher und Thomas Hitzlsberger scheinen die Medienmacher zusätzlich darin zu bestätigen.

Bei allen Vorteilen die das Internet (auch mir als Blogger) bietet, an der Stelle schadet es unserer Gesellschaft. Denn wir überlassen es denjenigen, die immer kompliziertere Produkte entwickeln, uns diese dann auch exklusiv zu erklären. Eigentlich wollten wir sie nach der Finanzkrise ja dazu bringen ihre Produkte transparenter und vielleicht auch einfacher zu machen.

Mir ist bewusst, dass ich meinen Lesern mit meinen langen Texten viel abverlange. Allerdings bin ich auch zur Erkenntnis gekommen, dass sich komplizierte Zusammenhänge nicht immer in einem knackigen Satz verpacken lassen.

Vielen Dank für Deine/Ihre Aufmerksamkeit
V. F. Alle

P.S. Auch ich habe übrigens großen Respekt vor Thomas Hitzlsberger. Nicht weil er sich nun offen zu seiner sexuellen Ausrichtung geäußert hat, sondern weil er sich weigert, die Rolle einer „Symbolfigur“ anzunehmen. Damit gibt er der Homosexualität die Normalität, die er und andere Homosexuelle fordern. Die Medien und diejenigen, die nun große Diskussionen daraus machen, bewirken das Gegenteil: Sie erzeugen einen Hype und heben das Thema besonders hervor.

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