Kollektives Versagen

Gepostet am Aktualisiert am

Wäre meine Finanzgeschichte ein Kernkraftwerk wie Fukushima, dann würde man wohl von einer Verkettung unglücklicher Umstände sprechen.

Wäre meine Finanzgeschichte ein Mannschaftsport, so würde es eher kollektives Versagen heißen.

Egal wie es ausgedrückt wird, für mich und meine Familie ist ein Schaden entstanden, bei dem die anderen Beteiligten anscheinend die Zusammenhänge bisher nicht erkennen und deshalb auch keine Verantwortung übernehmen wollen.

Ich wollte vertrauen und glaubte meinem Finanzdienstleister, seinen Partnern, den in dem System vernetzten Politikern sowie überwiegend positiven Medien-Berichten trauen zu können.

Ich stellte fest, dass mein persönlicher Berater (wie andere Berater übrigens auch) von seinem Arbeitgeber ebenfalls einseitig Informiert wurde.

Ich stellte fest, dass seine Vorgesetzten (Chefvolkswirt und Aufsichtsrat des Unternehmens) sich schwer taten meine klar formulierten Bedürfnisse zu erkennen.

Ich stellte fest, dass die Politiker, die meinen Finanzdienstleister unterstützen, gerne die negativen Seiten des Geschäftes verdrängen. Dabei sind die spätestens seit dem Fall Maschmeyer eigentlich bekannt (siehe z.B.: http://le-bohemien.net/2011/01/14/der-maschmeyer-komplex/). Ein Parteimitglied der CDU, welches ich im Wahlkampf damit konfrontierte, sagte mir dazu: „Das ist doch bekannt. Ist doch normal, dass Politiker Personen aus der Finanzbranche unterstützen.“
Ich habe dazu irgendwie eine andere Meinung.

Ich stelle fest, dass Richter (Gerichte) den SEB ImmoInvest als „mündelsicher“ bewerteten, ohne zu ahnen, dass Menschen aus Finanzvertrieb daraus „so sicher wie Festgeld“ machen würden.

Ich stelle fest, dass Fachjournalisten die Methoden des Finanzvertriebs bereits kennen und es deshalb nicht für nötig halten, darüber intensiver zu berichten.

Ich stelle fest, dass Medien kaum noch in der Lage sind, hier für Aufklärung zu sorgen. Denn diese komplizierten Zusammenhänge zu entschlüsseln, kostet Zeit und Geld. Gleichzeitig sind die Medien im Umbruch und mit sich selbst beschäftigt.

Ich habe gelernt, dass Unternehmen unerwünschte Inhalte wieder aus dem Netz löschen lassen können. Gleichzeitig brauchen sie die klassischen Journalisten eigentlich nicht mehr, weil sie ihre Botschaften ungefiltert über andere Medien verbreiten können. Weil viele Unternehmen Pressearbeit und Marketing zusammengefasst haben und sich stärker auf neue Medien konzentrieren, haben es Journalisten umso schwerer, wenn sie kritische Rückfragen haben.

Es erscheint mir daher falsch zu sein, auf die Vermögensberater an der Basis oder die Journalisten im Allgemeinen zu schimpfen, wie ich es in einigen kritischen Foren gelesen habe. Das hatte vor einigen Jahren bei mir dazu geführt, dass ich die wenigen kritischen Foren auf die ich stieß, nicht als seriös einstufte.

Wichtig ist es dagegen, den gesamten Kontext zu betrachten. Deshalb habe ich den Kontext stark vereinfacht in diesem Beitrag zusammengestellt.

Was ich und vermutlich auch andere Kunden dieser Finanzdienstleister erlebt haben, konnte demnach nur passieren, weil viele Beteiligte die Zusammenhänge und ihre Rolle in dem „Puzzle“ nicht erkannten.

Wem will man da einen Vorwurf machen? Ich habe die Risiken der Geschäftsbeziehung ja lange Zeit selbst nicht erkannt und wollte mich auf einen Fachmann verlassen.

Bleibt nur festzustellen, dass die Absichtserklärungen von Finanzbranche und Politik nach der Finanzkrise bisher wenig bewirkt haben. Die geforderte/versprochene Transparenz ist für mich nicht zu erkennen.

Ich bin nun in dieser Finanzgeschichte an einem Punkt angelangt, an dem ich und meine Familie nicht mehr alleine weiterkommen, solange sich niemand von den anderen Beteiligten bewegen will. Die Erkenntnis gefällt mir nicht, aber ich habe gelernt damit zu leben.

Herzliche Grüße,

V. F. Alle

P.S.: Wen Ihnen mein Blog gefallen hat, dann empfehlen Sie ihn bitte Ihren Freunden weiter. Wenn der Blog Ihnen bisher nicht gefallen hat, dann empfehlen Sie ihn wenigstens denjenigen, die Sie nicht leiden können und lenken Sie sie damit von anderen Themen ab – zumindest für eine Weile.

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