Monat: Juni 2014

Die Angst der Opfer

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Durch einen Beitrag über die Arbeit des „Weißen Ring“, einer gemeinnützigen Organisation von Kriminalitätsopfern, wurde ich auf folgendes aufmerksam: Opfer die beraubt wurden laufen Gefahr sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen.

Konkret heißt es dazu auf der Homepage der Organisation: „Opfer müssen aus ihrer Isolation befreit werden, müssen wieder das Lächeln zurück gewinnen – wenn überhaupt möglich – das ihnen Täter genommen haben.“ (Link zur Quelle: https://www.weisser-ring.de/internet/landesverbaende/schleswig-holstein/landesverband-schleswig-holstein/news/details/article/21040/index.html)

In einem Zeitungsartikel in der Westdeutschen Zeitung vom 2.6.2014 berichtet Karla Mertins vom Weißen Ring, dass dies auch für viele Bertrugsopfer gilt, z.B. ältere Menschen die auf den kriminellen „Enkeltrick“ reingefallen sind.

Zum Glück ist niemand in mein Haus eingedrungen und mich hat auch niemand mit einer Waffe bedroht. Ich habe auch keinen fremden Menschen Geld ohne Beleg anvertraut, sondern einem Menschen der für ein Unternhemen arbeitet, dass gute Kontakte zu bekannten Banken/Versicherungen und Politikern pflegt.

Doch auch ich fühlte mich beraubt und ohnmächtig als ich erfuhr, dass ich an meine Ersparnisse lange Zeit nicht mehr dran komme.

Nun ist meine Finanzdienstleister auch kein Dieb und mir wurde mehrfach mitgeteilt, dass das alles legal sei. Mir wurde erklärt, dass ich ja Verträge unterschrieben habe und meine Dienstleister die Probleme auch nicht vorhersehen konnten. Das machte es für mich allerdings nicht besser. Persönlich fühle ich mich betrogen von einem System dem ich vertraute.

Inzwischen habe ich erfahren, dass es auch Vermögensberatern so geht. Mit einigen von ihnen hatte ich Kontakt. Dadurch habe ich erfahren, dass es an der Basis (nach dem die anfängliche Euphorie verflogen ist) auch ein System der Angst gibt.

Ich frage mich warum ein System, dass formal als legal definiert wird, die gleichen Folgen für Betroffene mit sich bringt, wie ein kriminelles System?

Aus Gesprächen mit Kunden weiß ich, dass manche von ihren Dienstleistern erst über die Probleme des SEB Immoinvest informiert wurden, als sie Geld aus ihrer „sicheren“ Anlage abheben wollten.
Von Vermögensberatern weiß ich, dass es denjenigen, die die Probleme inzwischen erkannt haben, schwer fällt, darüber zu sprechen.

Solange dies so bleibt, wird sich an dem System nichts ändern. Solange werden die wenigen bloggenden Kunden (wie ich) und Vermögsberater von der Öffentlichkeit eher als nörgelnde Minderheit betrachtet, als ernst genommen.

Aus eigener Erfahrung, weiss ich jetzt was finanzieller Verlust und Verzicht bedeutet. Dennoch habe ich den Schritt nicht bereut meine Geschichte öffentlich zu machen. Denn nur so kann ich andere Menschen davor bewahren ähnliches zu erleben wie ich. Nur so lässt sich an dem System etwas ändern.

Daher hoffe ich, dass auch andere Betroffene ihre Ängste überwinden und den Mut finden ihre belegbaren Fakten öffentlich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen,
V. F. Alle

P.S.: Jetzt sind also andere auch einmal dran, ihre Erfahrungen zu schildern. Ich möchte mich etwas zurückhalten. Die Beiträge, die in den kommenden Wochen noch erscheinen, habe ich bereits vorgeschrieben.

P.P.S. Bei meiner Recherche habe ich oft zu hören bekommen, dass man da doch nichts tun kann. Meine Meinung dazu: Ja, es ist schwerer geworden demokratische Mittel einzusetzen. Doch, man kann etwas tun und muss etwas tun. Denn Bürger haben nicht nur bei den Wahlen eine Stimme, sondern auch im Alltag. Dazu gefällt mir ein aktueller Beitrag von Sascha Lobo: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/lobo-kolumne-debatte-als-waffe-vermaechtnis-von-frank-schirrmacher-a-975860.html

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Ich habe meinem Vermögensberater verziehen

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Im Nachhinein bin ich froh, vorsichtig mit meinem Urteil über meinen Vermögensberater gewesen zu sein. Inzwischen weiß ich, dass auch andere Vermögensberater die Konsequenzen ihrer Verträge und der von ihnen ihren Kunden vermittelten Verträge falsch eingeschätzt hatten.

Im Bezug auf den SEB Immoinvest hatten die Vermögensberater für die Vermittlung Provisionen bekommen. Das ist an sich nicht schlimm. Schlimm ist, dass sie diese Provision nachträglich zurückgeben müssen, wenn der Kunde Verträge wieder kündigt.

Darin liegt das Problem: Selbst wenn der „Berater“erkennt, dass das von ihm vermittelte Produkt doch nicht für den Kunden geeignet war, wird er abwägen, ob er das dem Kunden/der Kundin wirklich mitteilen will.

Dazu kommt, dass DVAG-Gründer Pohl Probleme von Beratern und Kunden gerne als Einzelfälle betrachtet.
Weil die Mitarbeiter in der Regel als Selbstständige für das Unternehmen tätig sind, haften sie auch persönlich. Im Buch „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“ sagt Dr. Reinfried Pohl: „Bei uns wirkt sich Fehlverhalten sofort aus, nach dem Motto: Du musst den Schaden selbst bezahlen.

Nachdem ich nun einige Fälle von Beratern und von Kunden kenne, frage ich mich:
Wie viele Einzelfälle sind nötig, bis diese zum Systemproblem werden?

Sei es drum: Ich hätte meinem Berater gerne persönlich gesagt, dass ich im verziehen habe.
Doch seit Sommer 2012 hatte ich keinen Kontakt mehr zu ihm. Im Internet, steht unter seinem Kontakt inzwischen eine für mich neue Adresse. Unter seiner Telefonnummer bin ich zueltzt nur noch beim zentralen „Büroservice“ der DVAG gelandet. Auch auf meine Genesungswünsche nach seinem krankheitsbedingten Ausfall (mir wurde von seiner Assistentin erzählt, dass er einen Nervenzusammenbruch hatte) und meine Bitte um Rückmeldung hat er nicht reagiert. Vielleicht braucht er ja noch etwas Abstand. Hoffentlich denkt er nicht an Selbstmord, wie es mir ein anderer Vermögensberater von ähnlichen Fällen am Telefon berichtete.

Vielleicht kommt ihm einiges bekannt vor, wenn er auf diesen Blog stößt. Für diesen Fall hier noch einmal meine ganz persönliche Botschaft an meinen Vermögensberater.

H. ich habe Dir verziehen und wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute.

Viele Grüße
V. F. Alle

Nachtrag vom 19.6.:
Ein Freund wies mich darauf hin, dass auch freie Makler persönlich haften. Das ist richtig. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass selbständige Finanzmarkler sich aus eigenem Interesse besser informieren, als Vermögensberater, die sich als Teil einer großen Familie betrachten und sich gut versorgt fühlen. Das habe ich in einem füheren Beirag auch damit gemeint als ich schrieb, dass ein kostenloses iPad mit Verkaufsunterlagen noch längst kein Indikator für eine gute Ausbildung ist.

DVAG-Gründer Reinfried Pohl verstorben

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Laut Spiegel-Online (Manager Magazin) ist Reinfried Pohl der Gründer der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) verstorben. In einem Nachrauf wird er als „Deutschlands bester Verkäufer“ betitelt. N-TV würdigt die „Einzigartige Lebensleistung“.

Interessanterweise habe ich heute einen deutlichen Peek (viele Aufrufe in kurzer Zeit) auf meiner Homepage.

Ich möchte an dieser Stelle nicht Nachtreten. Reinfried Pohl möge in Frieden ruhen.

Im Namen der DVAG-Kunden die mit dem SEB Immoinvest und dem DWS Immoflex gerade herbe finanzielle Verluste erleiden und im Namen der Vermögensberater, die dadurch in persönliche Schwierigkeiten gekommen sind, möchte ich hiermit nur die Journalisten bitten, Herrn Pohl jetzt nicht als Finanzhelden zu verklären.

Ich hoffe, dass nun endlich hinterfragt wird, was in den vergangenen Jahren bei der DVAG passiert ist.
Auf dem Papier mag das Unternehmen erfolgreich gewesen sein. Aber zu welchem Preis?

Mit freundlichen Grüßen,
V. F. Alle

Verbraucherschutz ärgert Marketing

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In der Ausgabe 23/2014 von Werben & Verkaufen (W&V) habe ich den Beitrag „Zittern vor Verbraucherschützern“ gelesen. Unter den Schlagworten „Marketing“ und „Werbepolitik“ geht es darum, inwieweit der Verbraucherschutz „mündigen Verbrauchern“ Inhalte vorenthalten darf. Es geht um Einschränkungen von Werbeversprechen.
Im Bezug auf „schützenswerte Verbraucher“ wird darin Joachim Schütz zitiert, Geschäftsführer der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM): „Ein solches Verbraucherleitbild ist erschreckend und steckt voller ideologischer Verblendung.“ Er betrachtet es als „nicht akzeptable Bevormundung“, wenn die Politik dem Verbraucher die Fähigkeit absprechen will, sich „eigenverantwortlich zu Informieren und dann als mündiger Bürger entscheiden zu können“.

Dem ist grundsätzlich nicht zu widersprechen. Wenn allerdings das Marketing die Meinungsfindung der Bürger stärker prägt als neutraler Journalismus, dann nutzt auch folgende Aussage von OWM-Mann Schütz nichts: „Ein Missbrauch von Produkten kann nur durch eine entsprechende Aufklärung der Verbraucher verhindert werden.“

Wer soll diese Aufklärung Übernehmen?
– Die Journalisten, deren Recherche kaum noch zu finanzieren ist, weil Marketingausgaben inzwischen an Verlagen und Sendern vorbei gehen, während die Medien kaum Alternativen zur Finanzierung haben?
– Verbraucherschützer, die garnicht mehr wissen worum sie sich als erstes kümmern sollen, weil ständig neue Produkte entwickelt werden die angeblich mit den vorherigen nicht mehr vergleichbar sind?
– Oder doch die Unternehmer/Unternehmerinnen selbst, im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung?

Auch ich glaubte aufgeklärt zu sein und über zuverlässige Informationsquellen zu verfügen. Erst viel später erkannte ich, dass ich mich von einem geschickten Marketing (Multi-Level-Marketing -MLM) meines Dienstleisters Deutsche Vermögensberatung (DVAG) hatte einfangen lassen.

Inzwischen halte ich die Einschränkung von Werbeversprechen in der Finanzbranche für unerlässlich.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Nachtrag vom 8.6.2014: So geht die Aufklärung verloren.
Ich habe in den vergangenen 2 Jahren mehrere Wirtschaftsredaktionen mit meinen Rechercheergebnissen konfrontiert. Ernsthaft interessiert zeigte sich lediglich der Journalist vom WDR sowie eine Kollegin der Financial Times Deutschland (FTD). Die FTD-Kollegin hatte allerdings keine Gelegenheit mehr, dazu einen Beitrag umzusetzen. Ihre Zeitung wurde keine zwei Wochen nach unserem Kontakt eingestellt.
Das Blatt hatte guten Journalismus geboten, aber stets finanzielle Verluste gemacht. Der Verlust an neutraler (nicht von eigenen Interessen geleiteter) Berichterstattung ist also leider Realität und keine Fiktion.
Für die Informationsgesellschaft hat das dramatische Folgen. Statt kostenloser Information für jede/n, können sich bald nur noch wenige Menschen qualifizierte Informationen leisten. Gewinner sind diejenigen, die wichtige von unwichtigen Informationen trennen können, z.B. durch entsprechenden personellen Aufwand oder Analysesoftware (data-mining / automatisierte Datenanalyse per Software).