Verbraucherschutz ärgert Marketing

Gepostet am Aktualisiert am

In der Ausgabe 23/2014 von Werben & Verkaufen (W&V) habe ich den Beitrag „Zittern vor Verbraucherschützern“ gelesen. Unter den Schlagworten „Marketing“ und „Werbepolitik“ geht es darum, inwieweit der Verbraucherschutz „mündigen Verbrauchern“ Inhalte vorenthalten darf. Es geht um Einschränkungen von Werbeversprechen.
Im Bezug auf „schützenswerte Verbraucher“ wird darin Joachim Schütz zitiert, Geschäftsführer der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM): „Ein solches Verbraucherleitbild ist erschreckend und steckt voller ideologischer Verblendung.“ Er betrachtet es als „nicht akzeptable Bevormundung“, wenn die Politik dem Verbraucher die Fähigkeit absprechen will, sich „eigenverantwortlich zu Informieren und dann als mündiger Bürger entscheiden zu können“.

Dem ist grundsätzlich nicht zu widersprechen. Wenn allerdings das Marketing die Meinungsfindung der Bürger stärker prägt als neutraler Journalismus, dann nutzt auch folgende Aussage von OWM-Mann Schütz nichts: „Ein Missbrauch von Produkten kann nur durch eine entsprechende Aufklärung der Verbraucher verhindert werden.“

Wer soll diese Aufklärung Übernehmen?
– Die Journalisten, deren Recherche kaum noch zu finanzieren ist, weil Marketingausgaben inzwischen an Verlagen und Sendern vorbei gehen, während die Medien kaum Alternativen zur Finanzierung haben?
– Verbraucherschützer, die garnicht mehr wissen worum sie sich als erstes kümmern sollen, weil ständig neue Produkte entwickelt werden die angeblich mit den vorherigen nicht mehr vergleichbar sind?
– Oder doch die Unternehmer/Unternehmerinnen selbst, im Rahmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung?

Auch ich glaubte aufgeklärt zu sein und über zuverlässige Informationsquellen zu verfügen. Erst viel später erkannte ich, dass ich mich von einem geschickten Marketing (Multi-Level-Marketing -MLM) meines Dienstleisters Deutsche Vermögensberatung (DVAG) hatte einfangen lassen.

Inzwischen halte ich die Einschränkung von Werbeversprechen in der Finanzbranche für unerlässlich.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Nachtrag vom 8.6.2014: So geht die Aufklärung verloren.
Ich habe in den vergangenen 2 Jahren mehrere Wirtschaftsredaktionen mit meinen Rechercheergebnissen konfrontiert. Ernsthaft interessiert zeigte sich lediglich der Journalist vom WDR sowie eine Kollegin der Financial Times Deutschland (FTD). Die FTD-Kollegin hatte allerdings keine Gelegenheit mehr, dazu einen Beitrag umzusetzen. Ihre Zeitung wurde keine zwei Wochen nach unserem Kontakt eingestellt.
Das Blatt hatte guten Journalismus geboten, aber stets finanzielle Verluste gemacht. Der Verlust an neutraler (nicht von eigenen Interessen geleiteter) Berichterstattung ist also leider Realität und keine Fiktion.
Für die Informationsgesellschaft hat das dramatische Folgen. Statt kostenloser Information für jede/n, können sich bald nur noch wenige Menschen qualifizierte Informationen leisten. Gewinner sind diejenigen, die wichtige von unwichtigen Informationen trennen können, z.B. durch entsprechenden personellen Aufwand oder Analysesoftware (data-mining / automatisierte Datenanalyse per Software).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s