Monat: August 2014

Versicherungskonzerne kommen vom Strukturvertrieb kaum los

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Vom Ex-AWD-Chef Maschmeyer wird inzwischen fast nur noch privates berichtet. Mit Spenden erarbeitet er sich seit Jahren wieder soziale Akzeptanz. Das ist wohl moderner Ablasshandel.

Nach Berichten aus Anlass des Todes von DVAG-Gründer Reinfried Pohl ist es inzwischen auch um die Deutsche Vermögensberatung medial wieder leiser geworden.

Nur Mehmet Göcker, Gründer der Versicherungsvermittlung MEG, macht derzeit wieder von sich reden. Laut Handelsblatt befindet er sich inzwischen in der Türkei, wo ihn die deutschen Behörden nicht fassen können. Siehe: http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/ex-versicherungsmakler-mehmet-goeker-ist-wieder-da/10364182.html

Dem Handelsblatt sowie Spiegel-TV soll er Unterlagen vorgelegt haben, dass sein Unternehmen sogar nach der Insolvenz über andere Großmakler noch fleißig Versicherungen für Versicherungskonzerne vermittelt habe. Die Versicherungen hätten das laut Göker geduldet. Siehe auch den Filmbeitrag:
http://www.spiegel.tv/filme/alleskino-versicherungsvertreter-die-erstaunliche-karriere-des-mehmet-goeker/

Das Handelsblatt berichtet, dass die Versicherungen das dementieren und die Continentale antwortete, dass eine komplette Überwachung der Makler nicht möglich sei. Dagegen hätten die Versicherungen gegenüber Spiegel-TV geschwiegen, so die Filmemacher.
Das Schweigen kenne ich, denn auch ich habe die Partner der DVAG (Santander Bank, Aachen Münchener und Deutsche Bank) mit den Folgen meines Falles konfrontiert. Niemand wollte sich zu den Vertriebsmethoden des Geschäftspartners DVAG äußern.

Im Nachhinein ist mir das klar. Während der Fußball-WM (Sommer 2014) wurde ein Gesetz zur Reform der Lebensversicherungen verabschiedet, mit dem die Lebensversicherungskonzerne vor einer Pleite bewahrt werden sollen. Zudem wurde der Garantiezins für neue Verträge gesenkt. Das macht die Produkte nicht gerade attraktiver.
Um nicht komplett abzustürzen, brauchen die Versicherungskonzerne deshalb mehr denn je einen starken Vertrieb.
Ähnlich sieht es übrigens mit dem Privatkundengeschäft von Banken aus, was Kapitalanalagen angeht.

Der Strukturvertrieb ist da eine ideale Möglichkeit neue Kunden (Versicherungsnehmer) zu gewinnen und das eigene Risiko zu reduzieren. Denn während Banken und Fondsgesellschaften seit der Finanzkrise unter verstärkter Beobachtung stehen, ist für Strukturvertriebe nicht einmal die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht zuständig. Dabei hat die DVAG laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Andreas Pohl im Jahr 2013 „zum dritten Mal in Folge über eine Milliarde Euro Umsatz erzielt.“
Zum Vergleich: Mehmet Gökers MEG erzielte 2008 auf dem Höhepunkt ihrer Aktivitäten 53,7 Millionen Euro Umsatz. Ein Jahr später musste er Insolvenz anmelden weil er Provisionen für wieder gekündigte Versicherungen zurückzahlen musste, das Geld aber bereits ausgegeben hatte.

Versicherungen versuchen es darüber hinaus zunehmend mit Marketingkonzepten, die aus der Konsumgüterbrache stammen. So bietet zum Beispiel „Die Bayerische“ ein Cashback-System, mit dem Kunden beim Shoppen etwas für ihre Rente tun können.
http://www.wmd-brokerchannel.de/bc/bcref.php4?id=93438&pd=63497&rf=48270357

Von der ursprünglichen Idee, nach der Finanzkrise die Honorarberatung zu stärken und somit für mehr Transparenz bei der Finanzeratung zu sorgen, entfernt sich Deutschland damit immer weiter. Freie Berater, die inzwischen durch diesen Blog zu mir Kontakt aufgenommen haben, beklagen sich zudem darüber, dass die Informationen zu den Finanzprodukten von den Versicherungen und Banken eine fachgerechte Beratung zunehmend erschweren.Es werde mehr in Marketing und weniger in die Produktentwicklung gesteckt. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Somit unterstützt das aktuelle System eher Finanzvertriebe als eine kundenorientierte Honorarberatung. Zumal der Kunde bei der Honorarberatung auch noch 19% Mehrwertsteuer für die Dienstleistung zahlt.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Nachtrag vom 2.September 2014:
Laut dem Beitrag „Versicherer drängen in die Zeitungsbranche“ der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom 29.8.2014 arbeitet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) daran, sein Image wieder aufzupolieren. Der Verband lasse sich das einiges Kosten und investiere in eine Kommunikationsabteilung mit 26 Mitarbeitern. Laut SZ kommen vergleichbare Wirtschaftsredaktionen deutscher Regionalzeitungen aktuell selten auf mehr als zehn Redakteure. Die GDV-Abteilung besteht künftig aus einem Bereich „Newsdesk“ und einer Abteilung „Content“, also Nachrichtenzentrale und Inhalte. Eingestellt wurden für das Projekt als Newsdesk-Chef Jörn Paterak, ehemals Financial Times Deutschland (FTD). Leiter des Teams „Team Reporter“ ist Ex-FTD-Mann Karsten Röbisch. Der Geschäftsführer Hardt komme von Siemens und war zuvor beim Handelsblatt.

Für Verbraucher wird es künftig also noch schwerer marketinggetriebene und ausgewogene journalistische Information voneinander zu trennen.

Nachtrag vom 17. Oktober 2014: Ein Leser gab mir den Hinweis, dass weitere Einschnitte für Versicherte zu erwarten sind. Mehr dazu steht in folgendem Beitrag: http://www.portfolio-international.de/no_cache/newsdetails/article/lebensversicherung-reloaded-ii.html?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1

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Santander Bank informiert über Anlageberatung

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Kunden der Santander Bank haben in diesen Tagen Post bekommen in der die Bank Informationen zur Anlageberatung gibt.

Dort heißt es:
„Wir erbringen unsere Anlageberatung nicht als Honorar-Anlageberatung.
Dies bedeutet für Sie, dass die qualifizierte Beratung bei Ihrer Santander Bank wie bisher mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden ist.“

Das klingt erst einmal gut.

Das wichtigere steht aber darunter.
Dort weist die Santander Bank darauf hin, dass sie Provisionen für ihre Leistungen erhält bzw. Ausgabeaufschläge einbehält.

Juristisch betrachtet wird die Bank damit ihrer Pflicht gerecht, auf ihre Einkünfte hinzuweisen. Das heißt, die Beratung ist zwar kostenlos. Bei Vertragsabschuss entstehen dem Kunden dagegen sehr wohl Kosten.

Bankkunden hatten sich in der Vergangenheit immer wieder aus ihren Verträgen heruasklagen können, wenn sie von der Bank nicht über solche verdeckten Kosten informiert wurden.

Im Juni 2014 hatte eine Studie des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz Mängel in der Beratungsdokumentation festgestellt. http://www.bmjv.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2014/20140625_Beratungsprotokolle.html?nn=3433226

Die Santander Bank versucht diese Mängel nun mit dem Schreiben zu „heilen“ und als KUNDENNUTZEN zu verkaufen.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Hintergrund für Neueinsteiger:
Ich wollte mit einer Erbschaft zwei über die SEB Bank (heute Santander) laufende Darlehen ablösen. Zur Überbrückung der Vertragslaufzeit der Darlehen wurde mir der SEB Immoinvest von meinem DVAG-Berater als „so sicher wie Festgeld“ vermittelt. Kurz bevor ich die Darlehen ablösen konnte ging der Immobilienfonds in die Abwicklung. Dadurch konnte ich meine Schulden nicht zurückzahlen und brauchte ein neues Darlehen. Laut meinen „Dienstleistern“ hatten sie mich durch die Aushändigung des Verkaufsprospektes 2007 ausreichend über die Risiken der Geldanlage informiert.
Inzwischen habe ich den Eindruck, dass eher ich den Finanzprofis einen Dienst erweisen habe als umgekehrt. So kann man sich irren.

Die Nicht-Information

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Im Nachhinnein muss ich feststellen, dass ich viele Informationen hatte und dafür an andere Informationen nur schwer dran kam.

Genau das ist das Problem in unserer „Informationsgesellschaft“. Wir haben mehr Informationen als je zu vor. Viele davon stehen uns mehrfach (redundant) aus mehren Quellen zur Verfügung. Die ständige Wiederholung schafft Vertrauen. Sie funktioniert wie ein Mantra.

Nach wie vor gibt es aber auch Informationen, die nicht so klar und deutlich kommuniziert werden.
Haben Sie schon einmal versucht herauszufinden, was z.B. Google mit den übernommenen Roboterherstellern plant? Dazu schweigt sich das Unternehmen aus.

Genau in dieser Nicht-Information liegt das große Problem der Informationsgesellschaft. Wir haben scheinbar Informationen im Überfluss. Da fällt es kaum auf, wenn uns wichtige Informationen vorenthalten oder als Beiwerk mitgeliefert werden.

Und genau das war auch mein Problem. Die umfangreichen Fachformulierungen aus den Verträgen und Verkaufsprospekten hatte ich nicht richtig verstanden. Weil es mein Ziel war meine Schulden bei meinen Dienstleistern sicher tilgen zu können, glaubte ich in der Hinsicht meinem Berater Vertrauen zu können/müssen. Die Informationen die ich erhielt waren nachprüfbar richtig.

Doch im nachhinein muss ich feststellen, dass mir wichtige Informationen fehlten und mein Dienstleister mich nur soviel mit den Risiken „belastete“ wie gerade nötig. Auch aus anderen Quellen (Medien) bekam ich damals keine wahrnehmbaren Warnsignale.

Das hat einen einfachen Grund, den ich als Journalist selbst immer häufiger erlebe. Journalisten werden mit noch viel mehr mit Informationen zugeschüttet als der Normalbürger. Die größere Herausforderung des Journalismus ist dabei nicht die Konkurrenz mit Bloggern. Die größte Herausforderung ist es, nützliche von unwichtigen Informationen zu trennen. Das beansprucht inzwischen mehr Zeit als das Zusammenfassen neuer Erkenntnisse.

Blogger haben da den Vorteil, dass sie noch weitgehend in Ruhe gelassen werden von kommerziellen Informanten. In manchen Blogs gibt es aber bereits Hinweise auf die Anfragen durch professionelle Kommunikatoren.

Mein Fazit: Wichtiger als die Informationen, die ich massenhaft bekomme, sind die Informationen an die ich nur schwer dran komme.

Nach den Gesetzen der Marktwirtschaft kann für etwas selteneres ein höherer Preis verlangt werden als für etwas massenhaft verfügbareres. Das Problem: Die Arbeit von Journalisten wird dadurch zunächst wieder aufwändiger und damit insgesamt teurer.

V. F. Alle

Wer kontrolliert denn nun die DVAG?

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Weil ich es nicht lassen konnte habe ich vorgestern auch noch Post vom Ordnungsamt der Stadt Frankfurt am Main bekommen.

Zur Erinnerung: Der Hessische Ministerpräsident Bouffier hatte mir empfohlen mich in Sachen Deutsche Vermögensberatung (DVAG) an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu wenden. Die BaFin hatte mir geschrieben, dass die DVAG nicht von ihr, sondern vom Ordnungsamt der Stadt Frankfurt überwacht wird.

Nun ließ mich das Ordnungsamt wissen, dass es auch nicht für die DVAG zuständig ist, sondern die jeweilige Handelskammer – also die IHK Frankfurt für die DVAG und die IHK Mittlerer Niederrhein für meinen Berater.

Konkret schrieb das Ordnungsamt:
„Zum 01. Januar 2013 trat das Gesetz zu Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagerechts in Kraft.
Die Finanzvermittlung unterliegt seit dem als erlaubnispflichtiges Gewerbe den Bestimmungen des § 34f Gewerbeordnung.
Die Zuständige Erlaubnis- und Aufsichtsbehörde sind seitdem die jeweiligen Industrie und Handelskammern …
… Bitte wenden Sie sich bezüglich Ihres Anliegens an die o.g. zuständigen Behörden.“

Damit schließt sich der Kreis meiner Recherche. Details dazu werde ich frühestens im September in meinem Blog zusammenstellen.

Gleichzeitig möchte ich damit professionellen Finanzjournalisten die Möglichkeit geben, schneller als der „böse“ private Blogger zu sein.

Für die Journalisten-Kollegen habe ich zwei Recherchetipps:
1. Im DVAG Unternehmensblog vom 11. März 2011 schreibt DVAG-Vorstandsmitglied Helge Lach über die „Diffuse Zuständigkeit“ bei der Beaufsichtigung von Beratern in der Finanzbranche. Dabei macht er sich für eine Bündelung der Zuständigkeit bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) stark. „Natürlich auch verbunden mit eigenen Interessen …“, gibt er darin offen zu.
2. Vergleichen Sie welchen Einfluss die DVAG in den Gremien des Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) ausübt und wie viele der Personen aus dem BDV-Hauptausschuss (erweiterter Vorstand) sich bei IHKs engagieren. (Diesen Tipp habe ich von einem meiner Leser. dem ich dafür danke.)

Der Aufwand für die Recherche ist nicht groß. Das Ergebnis gibt zu denken.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Nachtrag vom 30.9.2014:
Heute hatte ich die Gelegenheit mit hochrangigen Vertretern mehrere IHKs zu sprechen. Einen von ihnen sprach ich auf die Kontrollmöglichkeiten und die DVAG an. Er sagte mir, dass IHKs lediglich die Sachkunde prüfen können, jedoch nicht die Integrität der Finanzvermittler. Auf meinen Hinweis, dass mein Berater möglicherweise selbst zu sehr auf sein Unternehmen vertraut hatte und die Tatsache, dass die DVAG nicht mehr von der BaFin überwacht wird, hatte er auch eine Antwort: Die Politik mache es sich bei Druck von Lobbyisten manchmal zu leicht.
Damit mich niemand falsch versteht, ich kennen auch Fälle in denen Selbstkontrolle funktioniert. Diesen würde ein generelles Misstrauen nicht gerecht.

Allerdings: Geht etwas schief, dann kommt es zu Aussagen wie jetzt gerade bei den Prügelskandalen in Asylantenwohnheimen. Dann heißt es seitens verantwortlicher Politiker: „Das ist unvorstellbar.“ und „Hätten wir das vorher gewusst, dann hätten wir darauf auch schon längst reagiert.“ Aber das ist wieder eine andere Sache.
Die Abläufe zeigen: Aufgaben lassen sich zwar weiterdelegieren, nicht aber die Verantwortung.

Umgeben von schillernden Blasen

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Seifenblasen sind etwas faszinierendes. Trotz der minimalen Menge an Seifenlauge umgeben sie rein äußerlich ein erhebliches Volumen. Dabei schillern sie in bunten Farben und schweben erhaben durch die Luft.
Das einzige Problem ist, dass sie sich nicht beliebig vergrößern lassen – selbst wenn die Menge der Seifenlauge erhöht wird.

Mit anderen Blasen ist das ähnlich. Zwei aktuelle Beiträge zu unterschiedlichen Blasen im Finanzwesen und der Medienlandschaft bestärken mich in dieser Einschätzung.

ZDF-Sendung Frontal beschäftigte sich diese Woche im Beitrag „Gefahr durch Niedrigzinsen“ damit, wie Blasen in der europäischen Finanzbranche entstehen und wodurch sie platzen können.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2212106/Gefahr-durch-Niedrigzinsen#/beitrag/video/2212106/Gefahr-durch-Niedrigzinsen

Der „Wirtschaftsjournalist“ übt Kritik an Wirtschaftsjournalisten und sagt „Die Medien-Elite ist ein Club von Weicheiern“. Die Elite der Branche lebe „in einer Blase, in der man sich gegenseitig nicht weh tut, sondern auf die Schultern klopft.“

Petra Schwegler hat das für den Titel „W&V“ zusammengefasst: http://www.wuv.de/medien/weicheier_in_einer_blase_wirtschaftsjournalist_ueber_wirtschaftsjournalisten

Das möchte ich diesmal nicht weiter kommentieren.

Viel Erkenntnisgewinn (von Spaß kann ja keine Rede sein) beim Lesen wünscht

V. F. Alle

Die DVAG begleitet mich im Urlaub

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Die Überschrift stimmt diesmal nur indirekt. Von meinem Dienstleister, der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), hat sich schon lange niemand mehr bei mir gemeldet.

Allerdings hatte ich in meinem diesjährigen Urlaub viel mit den Auswirkungen des für mich gescheiterten DVAG-Vermögensplans zu tun. Weil ich Kapitalertragssteuer für Geld zahle, dass ich nicht zum Abbezahlen meines Hauses verwenden kann, hatte ich freundlich bei der Deutschen Bank nachgefragt, bei der ein Teil meines „Vermögens“ im DWS Immoflex steckt. Alle darin befindlichen Immobilienfonds befinden sich inzwischen in der Abwicklung, niemand kann genau sagen, wie viel Geld wann ausgeschüttet wird. Ähnlich verhält es sich ja auch mit dem SEB Immoinvest, der mir ebenfalls von meinem DVAG-Berater vermittelt wurde. Fazit: Die Bank antwortete mir, dass ich mich dazu an einen Steuerberater wenden müsse.

Ebenso hatte ich beim Finanzamt nachgefragt, wie ich meine Verluste aus den Verkäufen der Rentenversicherungen (aus dem DVAG-Vermögensplan) mit den für mich fiktiven Kapitalerträgen verrechnen kann. Auch hier bekam ich die Antwort, dass ich das über einen Steuerberater machen müsse.

Also habe ich die ersten eineinhalb Wochen meines Urlaubs mit den Finanzunterlagen und dem Finanzberater verbracht. Letzterer wies mich darauf hin, dass das zeitaufwändig wird und mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Er könne zudem nicht sagen, was dabei für mich raus kommt.

Zwischenzeitlich gab es da noch die Fußball-Weltmeisterschaft. Begleitet wurde das von meinem Dienstleister mit Beiträgen im DVAG Team Blog. Deutschland wurde Weltmeister. Manche sagen „Wir“ wurden Weltmeister. Da ist jeder gerne Teil des Teams. Ich bin für meinen Dienstleister allerdings scheinbar nicht mehr Teil des Teams. So kann man sich irren. Ob mein Berater noch dazu gehört, entzieht sich meiner Kenntnis.

In der Zeit der Fußball-WM hat die Bundesregierung mal eben ein Gesetzt verabschiedet, welches die Position der Lebensversicherer stärkt und die ihrer Kunden schwächt. Es gab keine nennenswerte Aufregung in der Bevölkerung. Ohnehin sind die Auswirkungen dieser Entscheidung für die meisten Kunden noch weit weg. Zum Glück habe ich die Verträge beim DVAG-Partner Aachen Münchener bereits gekündigt. Denn die Verluste die ich gegenüber den optimistischen Prognosen meiner Dienstleister in fünf Jahren unserer Geschäftsbeziehung bereits gemacht hatte, reichen mir aus.

So ein Zufall, dass der Pfarrer in der Kirche die ich vorigen Sonntag besuchte, in seiner Predigt über „Panem et circenses“ (Brot und Spiele) sprach. Mit dem Ausspruch kritisiert der römische Dichter, dass das Volk seine Macht an Feldherren abgegeben habe und nun ängstlich und entpolitisiert sei. Geschichte wiederholt sich scheinbar im Laufe der Jahrhunderte.

Immerhin waren meine Frau und ich dann in meiner Urlaubszeit auch noch vier Tage unterwegs und haben in einem Zelt übernachtet. Unsere Kinder waren bei Oma und Opa.

Nach vielen Jahren, in denen wir im Sommerlaub als Familie mindestens zwei Wochen zusammen unterwegs waren, war das für mich eine merkwürdige Erfahrung. Ich musste erkennen: Urlaubsreisen sind ein Privileg!

Welches Privileg meine Familie bisher genoss wurde mir zufällig durch das Wort zum Sonntag bewusst, dass vorigen Samstag bei meiner Mutter im ARD-Fernsehen lief. Der Pfarrer machte sich in dem Beitrag Gedanken darüber, was die Frage „Und, wohin fährst Du in den Ferien?“ in seinem Umfeld ausgelöst hat. Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein Umdenken nötig ist und Verreisen für viele Bürger längst nicht mehr zur Realität gehört.

Nachdem ich also mit der mir von der DVAG vermittelten Geldanlage laut dem DVAG-Chefvolkswirt „voll im Trend der Anlegerpräferenzen“* gelegen hatte, liege ich inzwischen scheinbar auch beim Sommerurlaubsverhalten inzwischen „im Trend“. Für mich ist das eine neue Perspektive. Wenn man sich sagt, dass es vielen Menschen so geht, dann ist das auch gut zu ertragen.

Damit niemand auf die Idee kommt, dass ich nicht mehr Teil des DVAG-Teams bin, weil ich ich nicht fleißig genug bin, möchte ich gerne auch weiter fleißig meine Perspektive unserer Geschäftsbeziehung dokumentieren.

Entspannte Grüße,
V. F. Alle