Versicherungskonzerne kommen vom Strukturvertrieb kaum los

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Vom Ex-AWD-Chef Maschmeyer wird inzwischen fast nur noch privates berichtet. Mit Spenden erarbeitet er sich seit Jahren wieder soziale Akzeptanz. Das ist wohl moderner Ablasshandel.

Nach Berichten aus Anlass des Todes von DVAG-Gründer Reinfried Pohl ist es inzwischen auch um die Deutsche Vermögensberatung medial wieder leiser geworden.

Nur Mehmet Göcker, Gründer der Versicherungsvermittlung MEG, macht derzeit wieder von sich reden. Laut Handelsblatt befindet er sich inzwischen in der Türkei, wo ihn die deutschen Behörden nicht fassen können. Siehe: http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/ex-versicherungsmakler-mehmet-goeker-ist-wieder-da/10364182.html

Dem Handelsblatt sowie Spiegel-TV soll er Unterlagen vorgelegt haben, dass sein Unternehmen sogar nach der Insolvenz über andere Großmakler noch fleißig Versicherungen für Versicherungskonzerne vermittelt habe. Die Versicherungen hätten das laut Göker geduldet. Siehe auch den Filmbeitrag:
http://www.spiegel.tv/filme/alleskino-versicherungsvertreter-die-erstaunliche-karriere-des-mehmet-goeker/

Das Handelsblatt berichtet, dass die Versicherungen das dementieren und die Continentale antwortete, dass eine komplette Überwachung der Makler nicht möglich sei. Dagegen hätten die Versicherungen gegenüber Spiegel-TV geschwiegen, so die Filmemacher.
Das Schweigen kenne ich, denn auch ich habe die Partner der DVAG (Santander Bank, Aachen Münchener und Deutsche Bank) mit den Folgen meines Falles konfrontiert. Niemand wollte sich zu den Vertriebsmethoden des Geschäftspartners DVAG äußern.

Im Nachhinein ist mir das klar. Während der Fußball-WM (Sommer 2014) wurde ein Gesetz zur Reform der Lebensversicherungen verabschiedet, mit dem die Lebensversicherungskonzerne vor einer Pleite bewahrt werden sollen. Zudem wurde der Garantiezins für neue Verträge gesenkt. Das macht die Produkte nicht gerade attraktiver.
Um nicht komplett abzustürzen, brauchen die Versicherungskonzerne deshalb mehr denn je einen starken Vertrieb.
Ähnlich sieht es übrigens mit dem Privatkundengeschäft von Banken aus, was Kapitalanalagen angeht.

Der Strukturvertrieb ist da eine ideale Möglichkeit neue Kunden (Versicherungsnehmer) zu gewinnen und das eigene Risiko zu reduzieren. Denn während Banken und Fondsgesellschaften seit der Finanzkrise unter verstärkter Beobachtung stehen, ist für Strukturvertriebe nicht einmal die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungsaufsicht zuständig. Dabei hat die DVAG laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Andreas Pohl im Jahr 2013 „zum dritten Mal in Folge über eine Milliarde Euro Umsatz erzielt.“
Zum Vergleich: Mehmet Gökers MEG erzielte 2008 auf dem Höhepunkt ihrer Aktivitäten 53,7 Millionen Euro Umsatz. Ein Jahr später musste er Insolvenz anmelden weil er Provisionen für wieder gekündigte Versicherungen zurückzahlen musste, das Geld aber bereits ausgegeben hatte.

Versicherungen versuchen es darüber hinaus zunehmend mit Marketingkonzepten, die aus der Konsumgüterbrache stammen. So bietet zum Beispiel „Die Bayerische“ ein Cashback-System, mit dem Kunden beim Shoppen etwas für ihre Rente tun können.
http://www.wmd-brokerchannel.de/bc/bcref.php4?id=93438&pd=63497&rf=48270357

Von der ursprünglichen Idee, nach der Finanzkrise die Honorarberatung zu stärken und somit für mehr Transparenz bei der Finanzeratung zu sorgen, entfernt sich Deutschland damit immer weiter. Freie Berater, die inzwischen durch diesen Blog zu mir Kontakt aufgenommen haben, beklagen sich zudem darüber, dass die Informationen zu den Finanzprodukten von den Versicherungen und Banken eine fachgerechte Beratung zunehmend erschweren.Es werde mehr in Marketing und weniger in die Produktentwicklung gesteckt. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Somit unterstützt das aktuelle System eher Finanzvertriebe als eine kundenorientierte Honorarberatung. Zumal der Kunde bei der Honorarberatung auch noch 19% Mehrwertsteuer für die Dienstleistung zahlt.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Nachtrag vom 2.September 2014:
Laut dem Beitrag „Versicherer drängen in die Zeitungsbranche“ der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom 29.8.2014 arbeitet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) daran, sein Image wieder aufzupolieren. Der Verband lasse sich das einiges Kosten und investiere in eine Kommunikationsabteilung mit 26 Mitarbeitern. Laut SZ kommen vergleichbare Wirtschaftsredaktionen deutscher Regionalzeitungen aktuell selten auf mehr als zehn Redakteure. Die GDV-Abteilung besteht künftig aus einem Bereich „Newsdesk“ und einer Abteilung „Content“, also Nachrichtenzentrale und Inhalte. Eingestellt wurden für das Projekt als Newsdesk-Chef Jörn Paterak, ehemals Financial Times Deutschland (FTD). Leiter des Teams „Team Reporter“ ist Ex-FTD-Mann Karsten Röbisch. Der Geschäftsführer Hardt komme von Siemens und war zuvor beim Handelsblatt.

Für Verbraucher wird es künftig also noch schwerer marketinggetriebene und ausgewogene journalistische Information voneinander zu trennen.

Nachtrag vom 17. Oktober 2014: Ein Leser gab mir den Hinweis, dass weitere Einschnitte für Versicherte zu erwarten sind. Mehr dazu steht in folgendem Beitrag: http://www.portfolio-international.de/no_cache/newsdetails/article/lebensversicherung-reloaded-ii.html?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1

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