Journalismus ade?

Gepostet am Aktualisiert am

Eigentlich hatte ich diesen vorgeschriebenen Beitrag auf einen deutlich späteren Zeitpunkt datiert. Durch die aktuelle Initiative des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist er gerade sehr aktuell geworden. Unter dem Titel „Versicherer drängen in die Zeitungsbranche“ hatte die Süddeutsche Zeitung am 29.8.2014 ausführlich über das Projekt „Freiräume“ berichtet.

In einigen meiner Beitrage habe auch ich mich (selbst)kritisch mit der Rolle der Medien auseinander gesetzt.

Um meinen Lesern zu verdeutlichen, was da gerade passiert, zitiere ich hier einmal eine Pressemeldung, die ich kürzlich erhielt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

die Lage des klassischen Journalismus ist besorgniserregend: Viele Journalisten fürchten um ihren Arbeitsplatz.

Nachdenken und sich umschauen ist angebracht, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Eine akzeptable Lösung bietet die ——– Akademie für Marketing-Kommunikation e.V. mit dem Kurs PR-Fachwirt. Bringen Sie in diesem Wochenendstudium Ihre Kenntnisse in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf den aktuellen Stand und schaffen Sie sich ein zweites Standbein.“

Im weiteren Verlauf wird noch mit einer speziellen Veranstaltung „Social Media für Journalisten“ geworben.

Dann werden also aus Jounalisten Public-Relation(PR)-Leute und diese „Journalisten“ „professionalisieren“ dann die sozialen Medien.

Der Reiz der Sozialen Medien bestand für mich eigentlich immer in der authentischen und ungefilterten persönlichen Meinungsäußerung.

Das wird dann wohl verloren gehen, genauso wie zuvor schon die Neutralität und der Charme mancher klassischer Medien in den vergangenen Jahren verloren ging. Wer trägt dafür die Verantwortung für den Verlust der differenzierten Berichterstattung – die Journalisten oder diejenigen die Journalisten in eine andere Richtung drängten und immer noch drängen, oder am Ende vielleicht die Kunden, die das „ja so wollten“?

Ein noch junges Beispiel zum Verlust der Neutralität, ist wohl auch der Bericht von Bild (Bild-Zeitung und Online) zur Allianz-Studie mit dem Titel „Was die Mini-Zinsen deutsche Sparer kosten“. Ein seriöser Journalist würde sich schwer tun, soetwas undifferenziertes unter seinem Namen zu veröffentlichen. Das muss er auch nicht, das bekommen Verlage inzwischen auch ohne klassische Journalisten hin.

Am Ende entscheiden natürlich die Leser/Nutzer. Nur sollten die sich dazu klar machen, was für die Gesellschaft auf dem Spiel steht, wenn die Informationskanäle unübersichtlicher werden. Wer blickt dann noch durch, welchen Quellen er vertrauen kann?

Von der Finanzbranche wurde nach der Finanzkrise mehr Transparenz gefordert. Und wenn das die Finanzbranche nicht schafft, sollte es zumindest der Journalismus tun. Was allerdings gerade passiert spricht eher dagegen.

Statt in die Qualitätssicherung zu investieren und Skandale künftig zu vermeiden, investiert nun also auch die Versicherungswirtschaft in journalistisch aufgemachte Produkte und hat gute Chanchen einen schwächelnden Finanzjournalismus damit zu überrollen.

So gerne ich es sehe, wenn aus der Mischung unterschiedlicher Strömungen etwas neues entsteht, so sehr wünsche ich mir an der Stelle dann doch lieber eine klare Trennung von Journalismus und Marketing.

Die „Informationsgesellschaft“ opfert den unabhängigen Journalsimus also auf dem Altar der Kostenloskultur.
Das ist genauso Paradox, wie die Tatsache, dass ich weiterhin Schulden habe, obwohl ich meinem Finanzdienstleister ausreichend Geld zur Tilgung der Schulden anvertraut hatte. Trotz eigener Recherchen im Vorfeld habe ich das erst Jahre später erkannt, was eine Klage nun erschwert.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s