Recherchebilanz – Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen

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Nach zwei Jahren Recherche ist mir inzwischen klar, dass mein Berater meine Bedürfnisse schon verstanden hat. Nur hatte er das System in dem er arbeitet(e) scheinbar genauso wenig verstanden wie ich. Das gleiche lässt sich allerdings auch Politikern und Journalisten bescheinigen.

Auch ich habe eine ganze Weile gebraucht, um das System zu verstehen.

Im Kern geht es um die einfache Frage:
Wie verkauft man ein Produkt, welches mit vielen anderen Produkten vergleichbar ist?

Die Antwort ist einfach: Empfehlungsmarketing

Andere Begriffe dafür sind Netzwerk-Marketing oder Multi-Level-Marketing (MLM). Diese Form von Marketing wird auch für den Strukturvertrieb genutzt. Im Folgenden will ich verdeutlichen, wie mein Dienstleister sich das auf mehreren Ebenen geschickt zu Nutze gemacht hat.

1. Stufe des Netzwerk-Marketings: Kunden werben
Wie viele Menschen erschien auch mir nach schlechten Erfahrungen mit Bankenberatern der Berater von der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) mindestens genauso seriös und sogar kundenorientierter als Bankmitarbeiter. Er besuchte mich schließlich zu Hause und nach den Öffnungszeiten meiner Bank. Bei genauer Betrachtung kann man die Arbeit der Vermögensberater aber durchaus anders sehen.
Junge Vermögensberater und Vertrauensmitarbeiter fangen z.B. damit an, Namen und Daten von Freunden und Bekannten aufzuschreiben und mit ihren Ausbildern zu schauen, was diese noch an Finanz- und Versicherungsprodukten brauchen können.
Auch der Finanzplan (Einnahmen/Ausgaben) den mein Berater mit mir erstellte, half meinem Berater mehr über meine finanziellen Verhältnisse zu erfahren. Weil ich beim Abschluss meiner Darlehen den Eindruck hatte, dass sich da jemand mehr um meine finanziellen Reserven Gedanken macht, als die Bankmitarbeiter, wurde ich DVAG-Kunde. Im Nachhinein war das eine Fehleinschätzung, die zu mehreren weiteren Fehlentscheidungen führte.
Genau genommen hat Reinfried Pohl mit seiner DVAG das Geschäftsmodell von Internetkonzernen wie Google und Amazon vorweggenommen. Das mag manchen als Verdienst erscheinen.

Gesellschaftliche Verantwortung: So gewinnt die Deutsche Vermögensberatung Vertrauen. Wie einige Mitarbeiter, glaubte auch ich lange, dass das wirklich ernst gemeint ist. Die Dinge bei denen ich "Hilfe" bekam, hätte ich im Nachhinein auch selbst hinbekommen. Auf die Hilfe, die ich vom DVAG-Management gebraucht hätte, warte ich heute noch.   Dennoch wirbt die DVAG damit sogar heute noch auf ihrer Homepage. Foto: privat
Gesellschaftliche Verantwortung: So gewinnt die Deutsche Vermögensberatung Vertrauen. Wie einige Mitarbeiter, glaubte auch ich lange, dass das wirklich ernst gemeint ist. Die Dinge bei denen ich „Hilfe“ bekam, hätte ich im Nachhinein auch selbst hinbekommen. Auf die Hilfe, die ich vom DVAG-Management gebraucht hätte, warte ich heute noch. Dennoch wirbt die DVAG damit sogar heute noch auf ihrer Homepage. Foto: privat

Mit einer kostenlosen und seriös erscheinenden Beratung gewinnt die DVAG Kunden. Wie bei Google lässt sich allein mit „kostenloser Beratung“ ebenso wenig Geld verdienen wie mit der kostenlosen Suchmaschine. Beide Unternehmensbereiche sind sogar eher kostenintensiv. Kunden von kostenlosen Internetdiensten können daher davon ausgehen, dass sie die Dienste mit ihren personenbezogenen Daten bezahlen. Aber das ist ein anderes Thema.
Die DVAG geht ähnlich vor, sie gewinnt damit erfolgreich Informationen über Kunden und potenzielle Kunden, die Berater in Bankfilialen kaum bekommen. Da die DVAG-Berater ihre Kunden zu Hause besuchen und diese zunächst im Freundeskreis akquirieren oder im weiteren Umfeld schnell eine persönliche Beziehung aufbauen, fällt es ihnen leichter Kundenbedürfnisse zu identifizieren als Bankmitarbeitern.

Empfehlungen im Freundes- und Bekanntenkreis schaffen weiteres Vertrauen. Denn Empfehlungen von Freunden oder Freundesfreunden werden in der Regel nicht so kritisch beäugt wie Empfehlungen von völlig Fremden. Deshalb setzen viele Marketingexperten auch zunehmend auf Soziale Medien wie Facebook und Co. als auf klassische Werbeformate. Empfehlungsmarketing funktioniert da einfach und effizient. Unser Berater war meiner Frau von einer Reitbekanntschaft empfohlen worden. Bei einer Arbeitskollegin wurde ein anderer DVAG-Berater im Freundeskreis weiterempfohlen.

Nachdem der Berater sich also ein Bild von der finanziellen Situation des Kunden gemacht hat beginnt dann der Verkaufsteil. Denn das Unternehmen (DVAG, Google, …) muss Produkte verkaufen oder potenzielle Käufer an zahlende Partner vermitteln, um Gewinne zu erwirtschaften.
Jetzt wird die kostenlose Dienstleistung zum Vorteil für die Verkäufer. Denn sie müssen dem Kunden nur noch signalisieren, dass sie die Bedürfnisse des Kunden verstanden haben und dafür die passenden Produkte vermitteln können.

Mein Berater hat das insofern sehr gut gemacht, als er mir erst in Aussicht stellte, dass ich meine Darlehen vorzeitig ablösen könne, um mir später mitzuteilen, dass die SEB Bank (heute Santander) auf die vertragliche Darlehenslaufzeit von 10 Jahren bestehe. Als er mir Fonds anbot und ich ihm klar machte, dass ich nicht mehr riskieren möchte als bei Fest- oder Tagesgeld, hatte er sofort eine Lösung parat. Mit dem Verweis, dass der SEB Immoinvest von Gerichten als „mündelsicher“ eingestuft wurde und damit quasi so sicher sei wie Festgeld, vermittelte er mir dennoch den Immobilienfonds. Mir schien das auch deshalb sicher, weil damit sowohl meine Darlehen als auch mein Vermögen in einer Hand (DVAG und SEB Bank/heute Santander)lag. Meiner Kollegin wurde von Ihrem Berater übrigens derselbe Fonds vermittelt, für ein ganz anderes Bedürfnis. Sie sagte mir: „Er wurde in unserem Freundeskreis herumgereicht und brauchte quasi nur das Geld einzusammeln.“

Inzwischen weiß ich, dass sich die DVAG auf eine überschaubare Menge an Produkten konzentriert. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht erleichtert das sowohl die Verwaltung als auch den Vertrieb. Der SEB Immoinvest war für die DVAG damals also ein gut ausgewähltes Allzweckprodukt, das sowohl die Bedürfnisse nach höherer Rendite im Vergleich zum Sparbuch geeignet war und gleichzeitig die zunehmenden Sicherheitsbedürfnisse der Kunden ansprach.

Leider habe ich erst jetzt einen Beitrag aus dem Jahr 2010 gefunden in dem ein Journalist in seinem Blog über „Social Banking“ berichtet. Die DVAG wird da als Beispiel angeführt. Zumindest deutet der Autor damals bereits an, dass es dabei einen hohen Marketinganteil gibt. Siehe: http://socialbanking20.com/2010/05/14/ausgeleuchtet-deutsche-vermogensberatung-dvag-funkt-social-media-ans-y-gen-fruher-an-spater-denken/

2. Stufe des Netzwerk-Marketings: Mitarbeiter werben
Nach dem Aufbau der persönlichen Beziehung und einer Geschäftsbeziehung folgt der zweite Teil des Empfehlungsmarketings:
Irgendwann sprach mich mein DVAG-Berater ganz nebenbei an, dass er sich vorstellen könne, dass ich auch ein guter Vermögensberater wäre. Ich lehnte zwar ab, weil ich mit meinem Beruf zufrieden bin, fühlte mich jedoch gleichzeitig gebauchpinselt.
Inzwischen weiß ich, dass auch das Teil des Konzeptes der DVAG ist, ihr Pyramidensystem weiter auszubauen. Gerne werden darüber hinaus Ehepartner mit eingebunden, damit der Vermögensberater auch vollen Rückhalt von seiner Familie bekommt. Bei meinen Recherchen lernte ich jemanden kennen, der auf diese Weise fast zum Vermögensberater wurde und mir von einer imposanten internen Veranstaltung sowie anderen Erlebnissen mit der DVAG berichten konnte.

3. Stufe des Netzwerk-Marketings: Politker und Werbepartner gewinnen
Die dritte Ebene des Netzwerkmarketings findet auf einer höheren Stufe der Pyramide statt.
Auch da geht es um den Aufbau von Netzwerken. Und die Lebensgeschichte von Reinfried Pohl eignete sich prima, um gute Kontakte zu hochrangigen Politikern aufzubauen wie Helmut Kohl, Friedrich Bohl (zeitweise DVAG-Vorstand und jetzt Aufsichtsratsvorsitzender), Theo Waigel (DVAG-Aufsichtsrat) sowie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gerne möchte ich davon ausgehen, dass zumindest den letzteren Beiden die Strukturen der DVAG genauso wenig bekannt waren wie mir. Für mich hatte es bei der Recherche zumindest den Anschein, dass sie genauso auf Empfehlungen von Parteifreunden vertraut haben, wie viele DVAG-Kunden auf die Empfehlungen ihrer Freunde und Berater.

Wer will das nicht? Mit den Volksvertretern und Dienstleistern gemeinsam erfolgreich zu sein, das ist doch eine schöne Sache. Seit 2012 haben sich "meine" Politiker und meine Dienstleister allerdings von mir und meinen Bedürfnissen abgekoppelt. Raten Sie mal, wer nun finanziell erfolgreicher ist. Für die CDU war der Slogan so ein Erfolg, dass sie ihn zusammen mit dem Bild der Bundeskanzlerin nach der Bundestagswahl 2013 als auch bei der Europawahl 2014 in der Wahlwerbung verwendete. Foto: Privat
Wer will das nicht? Mit den Volksvertretern und Dienstleistern gemeinsam erfolgreich zu sein, das ist doch eine schöne Sache. Seit 2012 haben sich „meine“ Politiker und meine Dienstleister allerdings von mir und meinen Bedürfnissen abgekoppelt. Raten Sie mal, wer nun erfolgreich ist und wer nicht. Für die CDU war der Slogan so erfolgreich, dass sie ihn zusammen mit dem Bild der Bundeskanzlerin sowohl bei der Bundestagswahl 2013 als auch bei der Europawahl 2014 in der Wahlwerbung verwendete. Foto: Privat

Es gibt leider nur einen Unterschied: Wenn sich eine Bundeskanzlerin in einer Pressemitteillung der DVAG zitieren lässt, dann hat da eine immense Bedeutung. „Sie und Ihre Familie haben ein gutes Stück der Geschichte der sozialen Marktwirtschaft mitgestaltet, denn Sie haben das Angebot von Allfinanzleistungen populär gemacht, Sicherung aus einer Hand, weil es um den Menschen geht und nicht um das Produkt“, hieß es dort im April 2013 anlässlich des Geburtstags von Dr. Pohl. Kritisch betrachtet könnte der Satz auch aus der Feder eines Werbetexter stammen.
In derselben Pressemeldung lobte übrigens Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl: „Unser Land lebt davon, dass sich Menschen für das Allgemeinwohl engagieren.“ Sowie der mehrmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher: „Unsere Verbindung ist längst mehr als nur eine berufliche – wir sind mehr Freunde als Partner. Schließlich ist unser gemeinsames Motto: Früher an später denken. Das ist im Sport genauso wichtig wie bei der Vermögensplanung.“
Darüber hinaus werben auch andere erfolgreiche Sportler für die DVAG. Das schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre.

Das alles ist völlig legal und hilft sogar bei politischen Entscheidungen zu Gesetzesänderungen im Finanzbereich. Damit meine ich das Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrecht (FinAnlVerm- u. VermAnlG). Denn seit dem 1.1.2013 werden Vermögensberatungsunternehmen wie die DVAG von den jeweiligen Industrie- und Handelskammern überwacht – also werder von der Bankenaufsicht BaFin noch vom Ordnungsamt. Dafür hatte sich unter anderem die DVAG stark gemacht. 2011 schrieb DVAG-Vorstand Lach im Unternehmensblog unter dem Titel „Diffuse Zuständigkeit“ folgendes: „Natürlich auch verbunden mit eigenen Interessen, ganz sicher aber auch im Interesse der Branche und der Verbraucher, denn es war schon immer so, dass zuviele Köche den Brei verderben, ganz abgesehen von den Reibungsverlusten.“ Heute kann ich sagen, dass das nicht in meinem Kundeninteresse lag.

Einen Eindruck wie dabei vorgegangen wird, zeigt die Beleuchtung von Parteispenden, die „Abgeordnetenwatch“ veröffentlicht hat: https://www.abgeordnetenwatch.de/2011/06/22/stuckeln-bundeln-tarnen-die-tricks-mit-den-parteispenden
Hier wird auch ein Zusammenfang zum Finanzanlagenvermittlergesetz hergestellt.

Weil das eher lästige „Störgeräusche“ sind, wird so durch Netzwerkmarketing insgesamt eine Wohlfühlatmosphäre auf allen Ebenen über Kunden, Mitarbeiter und Politiker hinweg geschaffen. Da ist es auch fast schon verständlich, dass Journalisten, da kaum etwas Schlechtes dran erkennen können. Ein sehr erfolgreicher Journalist schrieb mir sogar, dass er sich das nicht vorstellen könne, da sich so viele Institutionen doch kaum täuschen lassen würden. Zudem könne er nichts kriminelles daran erkennen.

Da passt es, dass Menschen die Macht haben, Netzwerkveranstaltungen gegenüber positiv eingestellt sind. Das ist das Ergebnis einer Studie der University of Toronto’s Rotman School of Management: http://www.eurekalert.org/pub_releases/2014-09/uotr-ncm091014.php
Danach gibt es auch viele Menschen, die sich nach solchen Netzwerk-Treffen „dreckig“ fühlen. Untersucht wurden übrigens unter anderem Juristen.

4. Stufe des Netzwerk-Marketing: Juristen gewinnen
Wer Produkte auf diese Weise von mehr oder weniger gut angelernten Personen vertreiben lässt, für den sind enttäuschte Kunden das größte Risiko. Auch das hat Reinfried Pohl gut erkannt.
Satt in die Entwicklung neuer Produkte zu investieren, überlässt die DVAG das den namhaften Partnern. Auch das schafft Vertrauen.
Eine Schlüsselrolle im System der DVAG spielen schließlich Juristen. Deshalb setzt sich der Jurist Pohl auch großzügig mit seiner Stiftung für den Lehrstuhl für Rechtswissenschaften (und Medizin) an der Universität Marburg ein. Weil er die Renovierung des großen Hörsaals 2004 zahlt, heißt der Saal seitdem „Dr.-Reinfried-Pohl-Saal“.
Auch das ist völlig legal. Das führt dazu, dass der Name Pohl bereits in der Juristenausbildung mit positiven Erfahrungen gefüllt wird. So sichert sich die DAVG Zugriff auf die besten Anwälte der Republik. Diese sorgen dafür, dass das Unternehmen seine Risiken rechtlich bestmöglich auf andere übertragen kann, also Mitarbeiter und Kunden. Während Kunden und Mitarbeiter im Streitfall meist kurzfristig nach einem passenden Anwalt suchen, kann die DVAG bei der Wahl ihrer juristischen Vertreter strategisch vorgehen.

Um eines deutlich zu machen. Ich gehe nicht davon aus, dass Richter dadurch bewusst einseitig entscheiden. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass derartige „Unterstützungen“ von Hochschulen einen Beigeschmack haben.
Ein Beispiel: Während meines Studiums wurden von einem Komponentenhersteller kostenlose Formel- und Tabellenbücher verteilt. Als ich Jahre später zum ersten Mal eine Messe besuchte, war mir dieses Unternehmen positiv vertraut, während sich die Wettbewerber des Unternehmens das Vertrauen erst noch erarbeiten mussten. Derartige Aktionen wirken also eher im Unterbewusstsein.

5. Stufe des Netzwerk-Marketings (höchste Stufe): Die Selbstüberwachung
Nachdem die DVAG durch die bisherigen Schritte die eigenen Risiken immer weiter reduziert hat, fehlt nur noch ein Schritt zur höchsten Stufe des Netzwerkmarketing, der Selbstüberwachung des eigenen Marktes. Nachdem die Überwachung nun bei den IHK liegt, müssen nur noch DVAG-Mitarbeiter für die IHK-Wahlen kandidieren. Das ist bereits passiert.
Im nächsten Schritt, muss der Kandidat nur noch ausreichend Eigenwerbung machen, bei Mitarbeitern, Kollegen und ggf. auch Stimmberechtigten Kunden. Wer so kreativ im Netzwerkmarketing ist, dem fällt das sicher leichter als anderen Kandidaten.
Wenn das gelingt, dann kann sich die DVAG über engagierte Mitarbeiter in den IHK irgendwann quasi selbst überwachen. Die gewählten Mitarbeiter sind dann sogar bei Beschwerden über Wettbewerber beteiligt. Mehr Marktbeherrschung ist dann kaum noch möglich, zumindest nicht auf legalem Weg.

Die DVAG zeigt sich in Sachen Ausbildung sehr engagiert. Siehe: http://www.dvag-unternehmensblog.de/2013/04/28/anspruchsvoll/
Den Mitarbeitern wird durch freundliche Unterstützung zumindest schon einmal Verantwortung abgenommen:
http://www.dvag-unternehmensblog.de/category/berufschancen/page/6/
sowie: http://www.dvag-unternehmensblog.de/2013/05/17/%C2%A7-34-f-gewo-teil-5/

Für sich betrachtet sind die Aktivitäten sehr positiv zu bewerten. Im Kontext einer möglichen Einflussnahme bei den IHK sieht das allerdings ganz anders aus.

6. Damit alles so bleibt wie es ist – Kritiker ausschließen
Damit das Bild der guten DVAG erhalten bleibt, gibt es ebenfalls eine sehr effektive Methode. Diejenigen, die nicht „erfolgreich genug“ sind oder Kritik äußern, werden aus der „Familie“ ausgeschlossen. Auch diese Besonderheit von sozialen Netzen hat Reinfried Pohl früh erkannt und zu nutzen verstanden.

Der Philosoph Byung-Chul Han sagte in der Ausgabe „Zeit Wissen“ von August/September 2014: „Das Panoptikum überwacht die eingeschlossenen Insassen des Systems. Das Bannoptikum ist dagegen ein Dispositiv, dass die systemfeindlichen Personen als unerwünscht identifiziert und ausschließt.“

Auf meiner Recherche hatte ich Momente in denen ich verzweifelte und mich fragte ob ich Wahnvorstellungen habe, oder ob es nur viele Menschen gibt, die nicht erkennen, was ich gerade erkenne. Ich fühlte mich wie ein Entdecker – wie Aristoteles der ahnte, dass die Erde rund ist, obwohl sie zu seiner Zeit allgemein als Scheibe gesehen wurde.

Der Philosoph Han hat eine einfache Erklärung dafür, dass Menschen in solchen Situationen lieber schweigen: „Solche Menschen protestieren natürlich nicht. Sie beschuldigen sich selbst, anstatt die Gesellschaft verantwortlich zu machen, anzuklagen.“

Ich beschuldige mich nicht selbst und ich möchte auch keine anderen Personen beschuldigen.

Nun ist mir allerdings klar, warum weder die DVAG-Geschäftsführung noch die DVAG-Partner auf meinen Hinweis reagiert haben, dass ich dem Finanzvermittler eine Erbschaft anvertraut hatte, mit der ich meine dort laufenden Darlehen zurückzahlen wollte.
Wenn nicht einmal das ein Grund für den Dienstleister ist, dem Kunden entgegen zu kommen, dann weiß ich nicht was passieren muss, damit die DVAG ein Kundenbedürfnis erkennt und darauf reagiert.

Unter den Voraussetzungen erscheint auch mir inzwischen alles völlig legal.
Nur ist es nicht unbedingt zum Wohle des Volkes.

Es sei denn, man schließt DVAG-Kunden wie mich aus der Gesellschaft (dem Volk) aus.

Ich habe mich bemüht, meine Erkenntnisse wertfrei aufzuschreiben. Von professionellen Wirtschaftsjournalisten hätte ich mir einen Bericht in dieser Art gewünscht. Dann hätten Kunden, Partner der DVAG und auch Politiker wenigsten die Chance selbst zu bewerten, ob sie das gut oder schlecht finden.
Dann hätte vielleicht auch Bundeskanzlerin Merkel erkennen können, dass es im System von Reinfried Pohl weder um das Produkt, noch um den Menschen geht, sondern um Profit und Einfluss (Macht).
Ich jedenfalls wäre nie DVAG-Kunde geworden, wenn mir diese Zusammenhänge bekannt gewesen wären.

Auch wenn ich jetzt außer Zwischenständen zum SEB Immoinvest nicht mehr viel zu berichten habe, freue ich mich über Kommentare von Insidern und Kunden, die meine Beiträge ergänzen. Das kann sowohl über die Kommentarfunktion im Blog erfolgen als auch per E-Mail an vfalle@arcor.com

Von der Verbraucherzentrale habe ich übrigens auch noch zwei nützlich Rückmeldungen bekommen:
1. Geht es nach den Verbraucherschützern, müssten auch Finanzvertriebe wie die DVAG von der BaFin überwacht werden. Nur haben die Verbraucherschützer keinen direkten Einfluss auf die Gesetztgebung.
2. Die Verbraucherzentrale in Hamburg sammelt derzeit Beschwerden in diesem Zusammenhang.

Herzliche Grüße an alle meine Leser,
V.F. Alle

Nachtrag/Anmerkung:
Weil Blogbeiträge keine Bücher sind, musste ich Sachverhalte an vielen Stellen extrem verkürzt darstellen. Sollte es dadurch zu Ungenauigkeiten gekommen sein, werde ich das gerne bei entsprechenden Hinweisen präzisieren.

Danken möchte ich denjenigen, die mir Hilfe angeboten haben, doch noch auf juristischem Weg zum Erfolg zu kommen. Doch ich wollte nie wissen, ob Gerichte meine Bedürfnisse nachvollziehen können. Viel wichtiger war mir die Frage, ob mein Dienstleister und seine Partner meine Bedürfnisse erkennen und darauf eingehen. Doch nach gut zwei Jahren Recherche mit vielen Briefwechseln, konnte ich das weder beim Management der DVAG noch bei den Vorständen der Santander Bank und der Deutschen Bank erkennen.
Quod erat demonstrandum.

Ich habe lange überlegt, ob ich die Beteiligten namentlich nennen soll. Kein Mensch ist perfekt. Nachdem, ich teilweise sogar mehrfach, versucht habe auf die Zusammenhänge hinzuweisen und keine adäquaten Reaktionen (außer Weitergabe von Verantwortung) erkennen konnte, habe ich mich dafür entschieden.Nach wie vor stehe ich meinen Politikern und meinen Dienstleistern für Gespräche zur Verfügung. Nur hat sich bisher niemand so wirklich dafür interessiert.

Vermögensberater sind übrigens auch Menschen. Deswegen bitte ich darum, die Berufsgruppe nicht pauschal zu verurteilen. Denn es gibt inzwischen einige Vermögensberater und Makler die das System auch gerne wieder kunden- und mitarbeiterfreundlicher gestalten wollen.

Vertrauen ist für mich die Basis für eine gesunde Gesellschaft. Deshalb wünsche ich mir, dass dieses Vertrauen nicht durch einseitige Geschäftsinteressen gestört wird.

Nachtrag vom 30.12.2014: Weil ich erfahren habe, dass der Fotograf nach der Bundestagswahl die Rechte an den Werbeplakaten mit der Bundeskanzlerin hat, habe ich mir erlaubt, die Bilder auszutauschen. Ursprünglich warb die CDU mit Angela Merkel um das Vertrauen der Bundesbürger. Das Wahlergebnis zeigt, dass das gut funktionierte.

Nachtrag vom 2.2.2015:
Heute habe ich im Internet bei Mittelhessen.de einen Beitrag zu einer Fachhochschule gefunden in dem steht: „Zum ersten Mal in der Geschichte der FHDW wurde nicht nur einen Studiengang (Finanzvertrieb) auf einen Kunden (DVAG) hin ausgerichtet, die Hochschule zog auch noch zu ihm hin.“

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8 Gedanken zu „Recherchebilanz – Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen

    Tom sagte:
    07/10/2014 um 4:32 pm

    Sehr schön geschrieben. Wirklich.

    Nur, es ist halt etwas einseitig.
    Es gibt solche und solche Berater. Sowohl bei dvag als auch bei anderen Gesellschaften, als auch bei versicherungs-/finanzmaklern.

    Deshalb, finde ich, sollte man eher vergleichen, wie auch andere arbeiten. Vielleicht auch andere der dvag.

    Wenn ich bei einen lebensmitteldiscounter oder Baumarkt oder elektronikmarkt schlecht oder ungenügend beraten werde, sage ich ja auch nicht, ich gehe nie wieder dahin, weil ein Berater oder Verkäufer schlecht war.;)

    Es gibt ja auch Kunden, die zufrieden sind mit der Beratung und diese ihnen wirklich geholfen hat.

    Beste grüße.

      vfalle geantwortet:
      07/10/2014 um 8:10 pm

      Wenn Sie den Nachtrag zu dem Beitrag gelesen haben, dann wissen Sie, dass ich nicht alle Versicherungs-/Finanzmarkler in einen Topf werfe. Im Gegenteil, wenn sie gute Arbeit leisten, dann ist daran nichts zu kritisieren.

      Allerdings glaubte auch mein Vermögensberater bis zu seinem Nervenzusammenbruch, einen guten Job zu leisten. Jetzt ist er für mich nicht mehr erreichbar.

      Einem Roboter würde so etwas nicht passieren. Lesetipp: http://www.wsj.de/nachrichten/SB12431267045013654252004580175773156079974?mod=trending_now_6

      Den Hinweis habe ich von einem Honorarberater, der sich inzwischen selbst wundert, was seine Partner aus der Versicherungs- und Finanzwelt ihm so anbieten.

      Sie dürfen also davon ausgehen, dass in der Finanz- und Versicherungsbranche gerade Dinge passieren, deren Auswirkungen weder Sie noch ich abschätzen können. Wir sollten die Entwicklungen aber hinterfragen und nicht davon ausgehen, dass es für uns noch reichen wird. Es geht schließlich um unsere Zukunft.

      Ein Rechenbeispiel: Vermögensberater bekommen kostenlose iPads mit einer Software, die ihnen hilft quasi spielend die passenden Produkte für den Kunden zu finden. Wenn das so einfach ist, könnte das DVAG-Management auf die Idee kommen, den Kunden das iPad direkt zu schenken und ihn alle Finanzgeschäfte direkt darüber mit der DVAG abzuwickeln. Ein iPad kostet je nach Ausstattung zwischen 350 € und 800 €. Wie hoch Ihre Provision ist, wissen Sie besser als ich. So könnte der Kunde darin eine Win-Win-Situation vermuten und Sie währen außen vor.

      Ich gebe zu, dass dies ein sehr düsteres Szenario ist. Die schlechte Nachricht ist: Wenn die Entwicklung an den Finanzmärkten so weiter geht, werden sich Finanzmanager dazu „gezwungen“ sehen, diese Maßnahme zu ergreifen. Dann wird es wahrscheinlich auch nicht mehr helfen Kunden noch fleißiger zu besuchen. Die gute Nachricht ist: Noch lässt sich etwas dagegen tun.
      Aber das ist nicht mein Hamsterrad. Ich wollte nur darauf hingewiesen haben.

    E. Stopp sagte:
    09/10/2014 um 9:37 pm

    Ergänzend an Tom sei hinzugefügt.
    Es gibt aber halt völlig unterschiedliche gesetzliche Grundlagen bei Makler ( Honorarberater) und Vertretern. Der Vertreter kann die sehr gute Haftpflicht der HK nicht anbieten, weil er es nicht darf, weil er Erfüllungsgehilfe der DVAG ( siehe § 84 HGB ) ist.
    Das es in jeder Herde schwarze Schafe gibt, ist unbestritten. Aber der Kunde kann von einem Vertreter nicht objektiv, unabhängig und umfassend beraten werden, weil er auch die Produkte / Anbieter nicht zugreifen darf.
    Und der Vertreter ist von seinem “ Arbeitgeber “ beauftrag, bestimmte Produkte, in einer bestimmten Zeit / Anzahl zu verkaufen. Wer das nicht tut, nicht schafft, der fliegt.
    Der Makler wird vom Kunden ( Mandanten ) beauftragt, individuellen Versicherungsschutz zu besorgen.
    Es gibt aber auch Makler, die Ihren Mandanten einreden, dass die Riester R Ente für Ihn gut sei, die dutzend Nachteile aber verschweigt. Einfach aus der Not heraus, weil der Umsatz ( Courtage) gebraucht wird. Alle haben eins gemeinsam. Sie leben vom Verkauf von Produkten.
    Die Entwicklung geht verstärkt nur in eine Richtung: Es zählt allein der Profit, der Umsatz, nicht der Kundenbedarf. Und alle Finanzprodukte, egal ob LV, oder Fonds, …. stehen ausserhalb jeglicher Kontrolle. Die Gefahr, an eine der 32 LV zu geraten, die kurz vor der Insolvenz stehen, oder in einen Fonds zu investieren, wo der Kunde sein Geld nie wieder sehen wird, wird täglich größer.
    Weil der Staat, nach den EU Richtlinien ab 1994, sich der Kontrolle / Aufsicht fast vollständig entledigt hat, siehe Wölbern, siehe Prokon, siehe Infinus, siehe S+K, siehe SEB Fonds ….!!
    Reguliert wird nur beim letzten Glied in der Verkaufskette, beim Vermittler, der und der Kunde müssen zahlen, tragen den Verlust, die Initiatoren und Verantwortlichen in der Politik nicht.
    Und das Szenario von vfalle ist schon real, es wird so kommen ….und wenn TTIP ( CETA) kommt, dann wird dies das Ende des deutschen Staates, des Parlamentarismus und der Demokratie sein. Denn die Befugnisse hat man dann abgegeben.
    Dann bestimmen nur noch Konzerne unsere Leben! Das Korrektiv des Staates und der Judikative wird vollständig ausgeschaltet sein. Der Kunde hat nur noch ein Recht: Zu zahlen. Das ist die Zukunft.
    Der Frontalangriff auf die Makler hat schon begonnen, in dem man Makler zu einem für Makler unerfüllbaren Kodex ( GDV – Basis-Kodex) und zu „ Weiterbildungen „ zwingen will, die früher Produktschulungen genannt wurden. Wer da nicht mitmacht, dem wird der Vertrag (Courtagezusage, oder Courtagevereinbarung) gekündigt und somit hat der Makler immer weniger Versicherungs-Vertrags-Partner. Es werden Strukturen geschaffen (siehe DVAG) , wo der Vermittler zu machen hat, was der Anbieter sagt. E. Stopp Versicherungsmakler 09.10.2014

    vfalle geantwortet:
    16/10/2014 um 9:39 am

    Nachdem gerstern ein Wirtschaftjournalist diesen Beitrag empfohlen hatte, erreichte meien Blog das 20-fache der sonst üblichen durchschnittlichen täglichen Aufrufe. Danke für die Unterstützung.

    Zur Frage, ob die Vermittler nun Täter oder selbst Opfer sind, hat mich heute ein Leser auf folgenden Beitrag hingewiesen: http://www.welt.de/finanzen/versicherungen/article133106622/Sind-Versicherungsvermittler-Opfer-oder-Taeter.html
    Der Beitrag widmet sich zu einem großen Teil der DVAG. Wie in diesem Blog bereits thematisiert wird auch hier ein „Systemfehler“ vermutet.

    […] ich den Beitrag “Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen” geschrieben habe, hatte ich keine Ahnung was noch kommt. Ich hatte geschrieben, dass die DVAG den […]

    […] wurde ich von der Resonanz auf meinen Beitrag „Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen“. Von bisher maximal 130 Aufrufen an einem Tag stieg die Zahl auf fast 1000 Aufrufe an einem Tag. […]

    […] Ich möchte davon ausgehen, dass viele Nutzer, aber auch Frau Fischer und der Konzertveranstalter nicht ahnen, was sich mit solchen Daten anfangen lässt. Als Kunde der DVAG gehe ich gleichzeitig davon aus, dass der professionelle Strukturvertrieb dagegen durchaus eine Vorstellung hat. Bisher warb das Unternehmen Neukunden vor allem im persönlichen Umfeld der Vermögensberater.  Ich empfehle dazu meinen Beitrag „Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen“. […]

    […] Versuch Kritiker auszuschließen (Punkt 6 in meinem Beitrag Empfehlungsmarketing wirkt auf allen Ebenen) führte schließlich zu unerwarteten Gegenreaktionen. Die Twitter-Aktion, die Weigerung des FC St. […]

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