Denk ich an Rente in der Nacht . . .

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Eigentlich dachte ich, dass sich meine Generation (die jetzt in der Mitte ihres Arbeitslebens steht) noch keine Gedanken über ihre Rente machen muss. Bis zum Eintritt in das Rentenalter sind es schließlich 15 bis 30 Jahre. Mit den zusätzlichen privaten Versicherungsprodukten, die mir vor ein paar Jahren mein Vermögensberater vermittelt hatte, dachte ich alles getan zu haben, was ich in der jetzigen Lebensphase tun konnte. Wenn ich allerdings die Nachrichten dieser Woche Revue passieren lasse, dann gibt es wohl doch schon Handlungsbedarf.

Altersvorsorge: Wie sicher sind die gesetzlichen und privaten Versicherungen zur Altersvorsorge?
Altersvorsorge: Wie sicher sind die gesetzlichen und privaten Versicherungen zur Altersvorsorge?

Am Dienstag (2. Dezember 2014) berichtete Spiegel-Online anlässlich des 125-jährigen Bestehens der gesetzlichen Rentenversicherung über Zweifel an der Sicherheit dieser Versicherung.

Bei der privaten Altersvorsorge sieht es kaum besser aus.

Vorigen Sonntag hatte das Handelsblatt Online unter dem Titel „Niedrigzins macht Europas Versicherer verwundbar“ darüber informiert, dass die privaten Versicherungen alles andere als sicher sind und die Versicherungen Probleme bekommen ihre Garantiezinsen auch finanziell durchzuhalten.

Zur Erinnerung: Bereits im Sommer, während der Fußball-WM wurde in Deutschland eine Gesetzesänderung beschlossen, die Lebensversicherern in der schwierigen Phase helfen soll. Darüber berichtete unter anderem das Wall Street Journal Deutschland.

Am vergangenen Freitag (5. Dezember 2014)schrieb dann auch der Focus über das „Renten-Märchen“ und sprach von Zahlen, die uns „Andrea Nahles verschweigen“ wollte.

Fakt ist, dass es sowohl um die gesetzliche als auch um die private Rente inzwischen nicht mehr so gut bestellt ist, wie es uns lange kommuniziert wurde.

Für diejenigen, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, wird es vielleicht noch reichen. Aber was kommt dann? Private Versicherer haben außer Sparmaßnahmen kaum noch Möglichkeiten ihre Erträge zu verbessern. Versicherungsvermittler sind die ersten die das mitbekommen.*

Wie es für meine Generation weiter geht, ist alles andere als klar. Vielleicht wird es noch reichen. Vielleicht aber auch nicht. Welches Interesse hätten dann die Folgegenerationen an einem solchen unsicheren Rentensystem?

Zum Selbstschutz könnte dann die junge, starke Generation auf die Idee kommen, den „Generationsvertrag“ zu kündigen. Der ist übrigens im juristischen Sinne gar kein Vertrag, weil ein Vertrag ein beidseitiges Einverständnis erfordert und nicht über Generationen hinweg einfach beschlossen werden kann.

Den jungen Menschen wäre dann kein Vorwurf zu machen. Sie konnten die Entwicklung ja noch weniger absehen als wir. Die jüngeren Generationen könnten sogar einwerfen, dass wir uns nicht darum gekümmert haben, dass das System für sie auch noch attraktiv bleibt. Meiner Generation wir irgendwann die Puste ausgehen. Dann werden wir uns auch nicht mehr dagegen zu Wehr setzen können.

Deshalb mache ich lieber jetzt den Mund auf, in der Hoffnung, dass es auch andere tun.

Bei der Überschrift habe ich mich übrigens von Heinrich Heines „Nachtgedanken“ aus dem Jahr 1844 inspirieren lassen. Er schrieb einst: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Die Zeit in der er das schrieb, war übrigens eine Phase, vor einem großen gesellschaftlichen Umbruch.

Viele Grüße,
V. F. Alle

*Nachtrag vom 9.12. 2014:
Vor allem scheint es die unabhängigen Makler zu treffen, die eigentlich nach der Finanzkrise für verbraucherfreundliche Strukturen im Finanzsystem sorgen sollten. Siehe aktuellen Beitrag aus „Finanzwelt“: http://finanzwelt.de/online/versicherungen/item/lvrg-bremst-unabhaengige-vermittler-aus
Das ist wohl ein weiteres Kapitel eines erfolgreichen Empfehlungsmarketings einflussreicher Interessengruppen.

Nachtrag vom 14.12.14:
Ein Leser und Insider machte mich auf eine weitere Entwicklung aufmerksam, die Portfolio-International aktuell unter dem Titel „Doping fürs Eigenkapital“ beschreibt: Darin wird erklärt, wie die kollektive Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) Lebensversicherer stärkt und wie diese versuchen das als Kundennuzten zu verkaufen. Mein Leser möchte das dem Bundesfinanzminister gerne zum Lesen geben. Ich habe keine Ahnung ob der Politiker zu meinen Lesern gehört, schreibe das aber gerne hier dazu.
Zudem erläutert die Ausgabe 6/14 von Portfolio-International die „Mogelpackung Pflegestärkungsgesetz“.

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2 Gedanken zu „Denk ich an Rente in der Nacht . . .

    alphachamber sagte:
    07/12/2014 um 3:39 pm

    Wieder eine Folge staatlichen Interventionismus. Es hat sich erwiesen, dass der Einzelne effektiver für sich selbst Sorgen kann – wenn ihm dann die Möglichkeiten belassen werden. So werden Pensionäre zu Sozialfällen.

    […] bin ich kein Ökonom, dennoch kommen mir einige seiner Gedanken bekannt vor. Im Beitrag „Denk ich an Rente in der Nacht…“ hatte ich diese […]

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