Monat: Februar 2015

Von Finanzmarktfreunden und Griechenlandgegnern

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Die aktuelle Diskussion über die Hilfen für Griechenland zeigt, dass viele noch nicht erkannt haben, dass sie selbst dafür sorgen, dass sich Deutschland längst griechischen Finanzverhältnissen nähert.

Bei Anne Will diskutierten die Gäste vorigen Dienstag über die Frage „Tsipras verspricht Sparkurs – Wer glaubt ihm das noch?“ Sowohl die Moderatorin, als auch die Herren Borsbach (CDU) und Friedrich (CSU) glänzten mit einer guten Rhetorik. Denn sicher sind die vielen kleinen Steuerbetrüger (Zigarettenschmuggler) ebenso schädlich für ein Land wie die wenigen Großen „Steuerflüchtlinge“ (Oligarchen), die Jorgo Chatzimarkakis in der Diskussion kritisierte.
Chatzimarkakis beklagte die Rolle der Oligarchen (der Superreichen), die über viele Jahre von der griechischen Regierung unterstützt bzw. geschont wurden und kam zu dem Fazit: „Da muss man mit der Axt ran.“

Vielleicht könnte er in Deutschland gleich weiter machen. Manche Leser meines Blogs halten inzwischen Deutschland für eine „Bananenrepublik“. Und obwohl ich selbst viele Jahre CDU und CSU mit meiner Stimme bei Wahlen unterstützt habe, komme auch ich langsam zu dem Ergebnis.
Ich kann das nur wiederholen, bis es auch jeder versteht: Politiker der beiden Parteien haben mit dafür gesorgt, dass mein deutscher Finanzdienstleister inzwischen nicht mehr von der Bankenaufsicht (BaFin) überwacht wird, sondern von der Industrie und Handelskammer.
Insofern sind wir gar nicht mehr so weit weg von griechischen Verhältnissen.

Nun hat sich auch noch die Bildzeitung eine Kampagne gestartet, bei der das Blatt entgültig jede journalistische Distanz von sicht wirft.

In direkter Reaktion darauf hat der Deutsche Journalistenverband (DJV) die Kampagne der Zeitung, „Sefies“ gegen die Griechenlandhilfe an die Redaktion zu schicken, scharf kritisiert.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bild-zeitung-kritik-von-djv-an-anti-griechenland-kampagne-a-1020718.html
Interessant ist auch die kritische Zusammenfassung der Grichenland-Berichterstattung bei Bild auf „Bildblog“: http://www.bildblog.de/tag/pleite-griechen/

Dazu ist zu sagen, dass der Chefredakteur des der Bildzeitung ohnehin schon lange ein gutes Verhältnis zu Finanzbranche hat. Zwischenzeitlicher Höhepunkt war ein Finanz-Dialog mit Finanzcheck bei dem die Anzeigenkunden (das Onlineangebot war „ganz korrekt“ mit dem kleinen Hinweis „Anzeige“ versehen) Fragen der Bildleser beantworten durften.

Wie subtil da Werbung bei „Bild“ gemacht wurde, zeigt folgendes Beispiel:
Johanna G.: Muss ich für einen Finanz-Check bezahlen oder ist eine solche Beratung kostenlos?
Die Antwort der Experten der DVAG: Hierzu gibt es unterschiedliche Regelungen im Markt. Bei den meisten Anbietern ist so ein Check honorarfrei. Allerdings sind nicht alle Berater branchenübergreifend tätig, viele sind keine Vermögensberater, die das Thema “Allfinanz” beherrschen, sondern lediglich Produkte eines Anbieters verkaufen. Vereinzelt gibt es im Markt auch Berater, die einen Finanz-Check auf Honorarbasis durchführen. Bei durchaus üblichen Stundensätzen von 150 Euro und mehr kann da leicht eine vierstellige Summe allein für die Beratung herauskommen.

Hintergrund: Nach der Finanzkrise sollte die Honorarberatung eigentlich für eine ehrliche und neutrale Beratung sorgen. Die DVAG hat mit dem Werbepartner „Bild“ gut dagegen gehalten und macht den Honorarberatern das Leben damit schwer.
Die Aktion lief Mitte 2013.

Kurz darauf war Bundestagswahl und die Bildzeitung verteilte zum Wahltag im September kostenlose Wahlausgaben an die deutschen Haushalte. Mit dabei waren die Partner des Finanz-Dialog. Gewürdigt wurden die Altkanzler Helmut Kohl (der nach seiner Karriere als Bundeskanzler bei der DVAG und seinem Freund Pohl einen Posten annahm) und Gerhard Schröder (der enge Kontakte zu Ex-AWD-Chef Maschmeyer pflegte).
Wie die Wahl ausging ist bekannt. Dass der Finanzvertrieb von DVAG und AWD nicht mehr von der BaFin überwacht wird, ist bisher niemandem wirklich aufgefallen.

Meine Dienstleister waren dabei.
Echte Freunde stehen zusammen!

Für die Politiker ist das kein Problem. Sie wurden ja dafür gewählt, für ihre Wähler Entscheidungen zu treffen. Für die Finanzdienstleister ist das auch kein Problem. Es ist ja alles gesetzlich legitimiert.

Müssen wir also mehr Angst vor den einfachen griechischen Mitmenschen haben denen das Wasser bereits bis zum Hals steht, oder eher vor den Machtspielen deutscher Alphatiere?

Mir geht es nicht darum Kritik an einzelnen Personen zu üben. Mir geht es nur darum zu verdeutlichen, dass manche Themen systematisch von mächtigen Menschen ausgessessen bzw. ignoriert werden. Wer wurde noch für das „Aussitzen als Prinzip“ bekannt? Aber das ist wieder ein anders Thema.

Gute Nacht Deutschland,

V. F. Alle

Fußnote:

Der oben erwähnte kritische „Bildblog“ wurde fast aus finanziellen Gründen zum Jahreswechsel 2014/2015 eingestellt. Zum Glück wird dort nun wieder weiter dokumentiert. Zu finden ist dort z.B. ein Bild-Kommentar „Bye, Bye Griechenland“ von einem Journalisten der auch die Biografie des DVAG-Gründers Pohl geschrieben hat. Echte Freunde stehen eben zusammen.

Eine weitere kritische Auseinandersetzung mit den Methoden der Bildzeitung und den Beziehungen zur Politik  gibt es hier:  http://www.bild-studie.de/

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Wochenrückblick und Vorschau

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Welche eine Woche:
– Die Griechen verhandelten mit Europa darüber, wie sie aus der Schuldenfalle heraus kommen.
– Bundeskanzlerin Merkel war zum zweiten Mal bei Papst Franziskus.
– Die Bild am Sonntag (BamS) stellte fest, dass die Deutschen kein Vertrauen mehr in die Renten haben. http://www.bild.de/politik/inland/rente/bams-umfrage-deutsche-haben-kein-vertrauen-in-rente-39855144.bild.html
– Hermann-Josef Tenhagen schrieb auf Spiegel-Online über Niederigzinsen bei den Sparkassen und gab Tipps, wie es auch anders gehen könnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/niedrigzinsen-bei-sparkassen-tenhagen-geldanlage-kolumne-a-1019568.html

fruehlingFrühlingshaft war die vergangene Woche.

– Das Management von Helene Fischer hat  per Einschreiben etwas mehr über den neuen Werbepartner erfahren.

– Mein Steuerberater hat mir inzwischen den Steuerbescheid für 2013 zugeschickt, laut dem ich etwa 1600 € zurück bekomme. Ich hatte ja private Rentenverträge gekündigt, weil ich mein Haus nicht wie geplant abbezahlen konnte. Damit habe ich nach Abzug der Kosten für den Steuerberater immerhin bei der Steuererklärung noch etwa 800 € gut gemacht. Über die Verluste durch die vorzeitige Kündigung hatte ich ja bereits berichtet.

Ein Luxusproblem – das gebe ich zu.

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– Mein Beitrag „Riester und keine Ruhe“ findet in diesen Tagen besondere Aufmerksamkeit. Ich vermute, das liegt daran, dass ich dort zeige, was übrig bleibt, wenn man vorzeitig aus dem Vertrag aussteigt.

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– Ebenso bekam ich diese Woche von der Deutschen Bank ein Schreiben, laut dem ich 2014 nach Abzug des Sparer-Freibetrages Kapitalertragssteuer bezahlt habe. Das ist blöd, weil meine Geldanlage im DWS Immoflex voriges Jahr laut Bericht der Fondsgesellschaft eigentlich Minus gemacht hat und ich das Vermögen aus dem Fonds, ebenso wie das Geld aus dem SEB Immoinvest nicht zur Tilgung meines Hausdarlehens zur Verfügung hatte. Beide Fonds werden abgewickelt. Auch das ist für mich bisher noch ein Luxusproblem.

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Schulden tilgen, schwer gemacht könnte man sagen.

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Das liegt allerdings weder an meiner Sparkasse noch an der Deutschen Bank, sondern an dem Vermögensplan den ein Mitarbeiter der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) für mich erstellt hat. Weil weder der Berater noch das DVAG-Management für mich nun eine Lösung haben, kümmere ich mich seit über zwei Jahren wieder selbst um die Finanzen.Irgendwie ist nun schluss mit der Beratung aus einer Hand.
Mein Berater hat sich nach dem fehlgeschlagenen Vermögensplan und seiner Krankheit nicht mehr bei mir gemeldet. Die DVAG-Führung möchte mein Problem weiterhin nicht erkennen und lässt mich als Kunden alleine weitermachen.

Ein Insider sagte mir, dass das Unternehmen ja auch nichts für meine Probleme könne, weil die DVAG ja die Produkte gar nicht selbst verkauft hat, sondern mein Vermögensberater.
Nur wissen die wenigsten Kunden – wie ich damals auch –, dass die Vermögensberater quasi freiberuflich sind und nur die Marke, das Marketing und die Verkaufsunterlagen des Unternehmens vertraglich geregelt nutzen. Die „Deutsche Vermögensberatung“ wäre demnach also selbst auch kein Beratungsunternehmen, sondern genau genommen eine reine Marketing- und Vertriebsorganisation?
Dann ist allerdings der Unternehmensname irreführend. Denn, wenn es keine Beratung von der DVAG gibt, dann ist das folglich die persönliche Leistung des jeweiligen Vermögensberaters. Wenn es keine Beratung vom Konzern gibt, dann ist es allerdings auch das persönliche Problem des Vermögensberaters, wenn ein Produkt nicht zum Kunden passt.

Mehrfach habe ich der DVAG-Führung und dem DVAG-Aufsichtsrat Gesprächsbereitschaft signalisiert, diese Zusammenhänge im Bezug auf meinen Fall aufklären zu wollen. Mein Angebot steht noch. Das Ergebnis werde ich hier gerne veröffentlichen. Auf rechtliche Ansprüche gegen meinen Dienstleister verzichte ich. Ich möchte die DVAG nicht als Gegner haben. Doch meine Geschäftspartner schweigen.

Ich hatte nicht gedacht, dass ich meinen Berater selbst kontrollieren muss. So stellt es sich jedoch für mich nun dar.
Gerne nehme ich daher nun wieder die Niedrigzinsen bei meiner örtlichen Sparkasse in Kauf. Hätte ich das damals getan, hätte ich mir im Nachhinein viel Ärger erspart und mein Haus inzwischen abbezahlt.

Am kommenden Donnerstag gibt es übrigens auch noch zwei interessante Termine:
In Brüssel will die EU-Kommission am 26. Februar neue Daten veröffentlichen, zum Wirtschaftsvertrauen, zum Verbrauchervertrauen sowie zum Geschäftsklima in der Eurozone.
In München wird der Versicherungskonzern Allianz die Bilanz 2014 vorstellen. Da stellt sich die Frage nach Gewinnen in Zeiten von Nullzinsen, aber auch wer davon mehr profitiert die Kunden oder das Unternehmen.

Damit wären wir bei der Vertrauensfrage der EU-Kommission und meines Blogs.
Es bleibt also spannend.

Viele Grüße und eine schöne Woche wünscht
V. F. Alle

Es ist schon seltsam . . . (3)

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Es ist schon seltsam, dass ich nun als Journalist einen kostenlosen Blog betreibe, obwohl mein Berufsstand davon lebt für eine solche Dienstleistung bezahlt zu werden. Im Gegensatz zu Internet-Konzernen wie Facebook, habe ich allerdings kein Geschäftsmodell, mit dem ich mich finanziell bereichern kann. Falls sich mit meinem Beruf langfristig kein Geld mehr verdienen lässt, kann ich nur hoffen meine Familie auf andere Weise ernähren zu können.

Finanzaufsicht BaFin darf Strukturvertrieb ignorieren

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Aktuell gibt es auf ASS Compakt einen Beitrag zu einem Rundschreiben, das die deutschen Banken- und Finanzaufsicht (BaFin) Ende 2014 veröffentlichte.
Siehe: http://www.asscompact.de/nachrichten/erl%C3%A4uterungen-zum-bafin-brief-zur-zusammenarbeit-mit-vermittlern

Im Vorspann des Beitrages von Rechtsanwalt Hans-Ludger Sandkühler heißt es: „Neue Themen wie beispielsweise Compliance, Ventillösung und der Umgang mit Tippgebern wurden aufgenommen. Dagegen wurde der Abschnitt zur Zusammenarbeit mit Versicherungsvermittlungs- und Strukturvertriebsgesellschaften ersatzlos gestrichen. Über die Hintergründe kann nur spekuliert werden.“

Darüber braucht nicht spekuliert zu werden. Die Sache ist klar.
Der Verbraucherschutz bleibt auf der Strecke. Das weiß auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Für die Verbraucherschützer ist ein solches Ergebnis falsch. Auf Anfrage wies der VZBV darauf hin, dass die Einrichtung keinen Einfluss auf Legislative (also die Gesetzgebung) habe.

Die für die Gesetzgebung verantwortlichen Parlamentarier, hatten in den vergangenen Jahren anscheinend andere Prioritäten, als sich mit den Konsequenzen von Änderungen im Versicherungs- und Finanzvermittlerbereich intensiver auseinander zu setzen. Zumindest die fachlichen Berater im Gesetzgebungsprozess, hätten das allerdings erkennen können. Aber dazu später.

Nüchtern betrachtet ist das Verhalten den BaFin konsequent.
Eine Beschwerde über die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) beantwortete die Abteilung Verbraucherschutz/Recht der BaFin am 21. März 2013 bereits damit, dass Vermögensberatungsgesellschaften wie die DVAG nicht unter ihre Aufsicht fallen. Die Aufsicht der DVAG-Zentrale liege beim Ordnungsamt der Stadt Frankfurt, hieß es weiter.

Auszug aus der Antwort der BaFin vom März 2013.
Auszug aus der Antwort der BaFin vom März 2013.

Das stimmt allerdings nur teilweise, wie die Antwort vom Ordnungsamt der Stadt Frankfurt vom 29.Juli 2014 belegt. Danach ist die BaFin tatsächlich nicht für die Strukturvertriebsgesellschaft zuständig, allerdings auch nicht das Ordnungsamt, sondern die jeweilige Industrie- und Handelskammer (IHK).

Auszüge der Antwort des Ordnungsamtes von Juli 2014.
Auszüge der Antwort des Ordnungsamtes von Juli 2014.

Laut dem Schreiben des Ordnungsamtes ist dies bereits seit 1. Januar 2013 der Fall. Zur Erinnerung: Die BaFin hatte am 21. März 2013 noch auf das Ordnungsamt verwiesen.

Eine kleine Rückblende:
In seinem DVAG-Blog hatte Dr. Helge Lach, Vorstandsmitglied der DVAG, sich am 11. März 2011 noch über „Diffuse Zuständigkeiten“ für die Beaufsichtigung der Berater in der Finanzbranche beklagt. Siehe: http://www.dvag-unternehmensblog.de/2011/03/11/diffuse-zustandigkeit/
Sein Unternehmen habe damals einen Vorschlag vorgelegt, die Zuständigkeiten für die Vertriebsmitarbeiter zu bündeln.
Offensichtlich mit Erfolg.
Ob das Unternehmen zu den „Beratern“ der Parlamentarier gehörte, kann ich nicht sagen. Zumindest wurden die Wünsche der DVAG erfüllt.

Welche Rolle spielt nun die IHK?
Die Industrie- und Handelskammern (IHK) haben in Deutschland die Aufgabe die Sachkunde von Facharbeitern und nun eben auch Vertriebsmitarbeitern zu prüfen und zu überwachen. Dafür setzt sich seit wenigen Jahren die DVAG auch intensiv ein. DVAG-Mitarbeiter engagieren sich beispielsweise bei ihren jeweiligen IHK. Alles scheint zu passen.

Um die Sachkunde im Finanzvertrieb zu verbessern, hat die DVAG am 1. Oktober 2014 zudem eine Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Marburg eröffnet, die Finanzvermittlern ein gezieltes Studium ermöglichen soll. In der Region wird bereits von einer „Kaderschmiede“ gesprochen.

Das Portal Mittelhessen berichtete ausführlich. Siehe: http://www.mittelhessen.de/lokales/region-marburg-biedenkopf_artikel,-DVAG-Kaderschmiede-ist-eroeffnet-_arid,351010.html

In dem Beitrag heißt es unter anderem:
„Wer Finanzprodukte vertreibt, hat eine besondere Verantwortung, begründet der Hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) den Sinn eines speziellen Studiums für Vermögensberater: Sie können zur Stabilisierung oder auch zu Destabilisierung ganzer Finanzsysteme beitragen, so der Minister.“ Laut dem Bericht begrüßte er, „dass die DVAG nun eine fundierte akademische Ausbildung für einen „verantwortungsvollen Beruf“ bietet.“
Ferner heißt es dort: „Die private FH ergänzt die akademische Struktur der Stadt mit der ältesten und prägendsten Hochschule Hessens, sagt Boris Rhein. “ Die Zeiten, in denen staatlichen Hochschulen über nicht staatliche die Nase rümpfen, sind vorbei“, so der Minister.“

Die Sache hat nur einen mächtigen Haken:

Was die IHK nicht prüfen können, ist die Integrität – also ob ein Berater vorwiegend für seine eigene Tasche und/oder sein Unternehmen oder für den Kunden arbeitet. Das haben dem Autor dieses Beitrages mehrere, teilweise ranghohe IHK-Vertreter bestätigt.

Genau das ist das Problem des Finanz- und Strukturvertriebs, welches weder der zitierte Politiker noch seine an der aktuell wirksamen Gesetzgebung beteiligten Kolleginnen und Kollegen sehen konnten oder sehen wollten.

Dabei hat selbst das Top-Management der DVAG sichtbare Probleme damit, verantwortungsvoll mit den Geldern der Kunden umzugehen. Die Aida-Kreuzfahrt mit gleichzeitig vier Schiffen nach Malta im September 2014, lässt sich mit den Complience-Regeln der BaFin nicht vereinbaren. Doch die BaFin ist bekanntlich (siehe oben) ohnehin nicht für den Finanzvertrieb zuständig.

Eher sollte also der Verhaltenskodex des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Gültigkeit für den Versicherungsvertrieb besitzen. Dieser wurde nach einem Party-Skandal bei der Ergo-Versicherung verabschiedet, um bei den Kunden wieder Glaubwürdigkeit zu gewinnen.
Aber auch damit ist die Aida-Party der DVAG genau betrachtet nicht zu vereinbaren. Bei kritischer Betrachtung haben allerdings auch manche Versicherer selbst damit ihre Probleme. Vergleiche: http://www.portfolio-international.de/newsdetails/article/wie-versicherer-auf-kritik-zur-weiterbildung-eines-pools-reagieren.html

So gesehen unterstützt die Gesetzgebung der vergangenen Jahre eher den Vertrieb von Finanzprodukten als die kundenorientierte Beratung.
Dass die BaFin sich dankbar auf die Banken, Versicherungen und den Wertpapierhandel konzentriert, erscheint daher nachvollziehbar. Das allein erfordert viele Ressourcen. Die BaFin setzt nur die aktuelle Gesetzesgrundlage um.

Schlimmer noch: Die Sonderstellung des Finanzvertriebs macht Unternehmen wie die DVAG für Partner interessant, die selbst von der BaFin überwacht werden. Letztere können sich aktuell ihres Risikos entledigen, indem sie darauf verweisen, die Produkte nicht selbst angeboten zu haben. Einfache Honorarberater und Makler, die nach Win-Win-Situationen für sich und Ihre Kunden suchen bleiben da mittelfristig auf der Strecke.

Dass es einem Strukturvertrieb nach der Finanzkrise sowie nach den Diskussionen um Maschmeyer und seine AWD gelingt, sich einer Kontrolle im Sinne des Verbraucherschutzes zu entziehen, das ist das eigentliche Problem.

V. F. Alle
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Nachtrag vom 15.2.2015:
Jetzt dachte ich, dass ich bis dahin alles verstanden habe, da machte mich ein Insider darauf aufmerksam, dass schon wieder neue Regelungen diskutiert werden. Siehe: http://www.maklerpool-deutschland.de/am/html.nsf/%28WANPG/7B6D36E7295DC5D7C1257DD300290937/$File/Makler_der_Zukunft_2015.pdf
Als Kunde schwirrt mir langsam der Kopf. Ganz ehrlich, wenn ich das alles vorher gewußt hätte, dann hätte ich meine Erbschaft sicher nicht meinem Vermögensberater anvertraut. Weil prominente Politiker im Aufsichtsrat des Unternehmens saßen und ich solche Verhältnisse in Deutschland nicht für möglich hielt, fühlte ich mich so sicher wie bei einer deutschen Bank. Das war leider eine Fehleinschätzung.
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Anmerkung des Autors:
Wenn die aktuelle Entwicklung gesellschaftlich konsensfähig ist, dann höre ich sofort auf weitere Blogbeiträge zu veröffentlichen.
Wenn das nicht der Fall ist, dann wundert es mich, dass weder die Presse noch das Volk auf die Barrikaden geht.

Allerdings fehlt es inzwischen an klaren Leitmedien. Das mag auch daran liegen, dass Unternehmen, die Verlage und Sendeanstalten bisher durch Werbung subventioniert haben, neue effektivere Bereiche für ihr Marketing gefunden haben. Das führt dazu, dass Journalisten immer weniger Ressourcen für hintergründige Recherchen bekommen und Verlage juristische Auseinandersetzungen wegen unsauberer Darstellungen befürchten.
Gleichzeitig führt es dazu, das Unternehmen und Vereinigungen (wie Versicherungen und ihre GDV) Journalisten einkaufen und eigene professionell aufgemachte Produkte herausbringen.
Journalisten geht es da wie Versicherungsmaklern. Immer schlechtere Produkte müssen immer besser „verpackt“ werden, um damit überhaupt noch Geld verdienen zu können.

An der Stelle sind Sie als Leser/Konsument gefragt.

Denn in einer Marktwirtschaft entscheidet jeder selbst, ob er ein Produkt kauft oder nicht. Jeder entscheidet was ihm ein Produkt oder eine Dienstleistung wert ist.
Wenn einzelne Unternehmen nun Dienstleistungen kostenlos anbieten, weil die Unternehmen sich anders refinanzieren, dann geht das Gefühl für den Wert einer Dienstleistung verloren. Das ist erst einmal ein Problem der Wettbewerber.
Allerdings: Es geht auch Transparenz verloren und es gehen Alternativen verloren – z.B. kleine Dienstleister die sich nicht quer finanzieren können, aber auch der kritische Journalismus – der ohnehin schon angeschlagen ist. Auf Dauer können das auch Blogger und andere (unbezahlte) Helfer kaum auffangen.

Darüber sollte sich jeder bewusst sein, der kostenlose Angebote nutzt.
Denn vielleicht brauchen wir bald nicht mehr nur „Fair Trade“ für den Handel mit Entwicklungsländern, sondern auch für Dienstleistungen innerhalb von Deutschland und Europa.

Sie entscheiden selbst, welche Leitung Ihnen was Wert ist. Sie entscheiden damit auch, welche Leistungen verloren gehen – vielleicht sogar dauerhaft.

DVAG wird Sponsor der Helene Fischer Tournee 2015

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Insider hatten es bereits angekündigt. Nun ist es offiziell: Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) sponsert 2015 die Tournee von Helene Fischer. Gegenüber der Oberhessischen Presse (OP) bestätigte dies vor wenigen Tagen eine DVAG-Sprecherin. Siehe: http://www.op-marburg.de/Lokales/Wirtschaft/Wirtschaft-lokal/DVAG-sponsert-Tournee

Frau Fischer wird nun also ein wichtiger Multiplikator.

Als DVAG-Kunde weiß ich, wie leicht es einem in einer Wohlfühlatmosphäre fallen kann, Verträge zu unterschreiben, deren Tragweite man nicht überblicken kann.

Für Wohlfühlatmosphäre sorgt mein Dienstleister also weiterhin.

Im Netz gibt es noch wenige Beiträge über die Schlagersängerin und den Finanzdienstleister. Interessant ist dabei ein Beitrag einer „Unabhängigen Interessenvertretung“, die sich für die Rechte von Vermögensberatern einsetzt. Siehe: http://www.ihd-ev.org/#!vb-vertrag/c14i7

Darin kommt ein Klaus D. Krüger zum Fazit: „Kein Helene-Fischer-Konzert mit Werbung für die DVAG wird Ihnen im Notfall helfen können.“

Jetzt verstehe ich, was mein Berater vermutlich erlebte, nachdem er einen Nervenzusammenbruch erlitt.
Jetzt verstehe ich auch, warum meine Blog-Beitrag „Meinem Vermögensberater geht es wohl schlechter als mir“ immer noch so gerne angeklickt wird und warum mir (Ex-)Vermögensberater Tipps geben.

Ob sich Frau Fischer und ihrem Mangager ihrer Rolle bewußt sind? Bei der DVAG geht es schließlich um Ersparnisse und die Zukunft von einfachen Menschen (Helene-Fischer-Fans) und nicht um einen Brotaufstrich.

Ich werde einfach mal freundlich nachfragen und demnächst darüber berichten.

Viele Grüße
V. F. Alle

Schleichwerbung in Buchform – „Der Doktor, der Kämpfer der Sieger“

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Die ARD-Sendung Monitor berichtete diese Woche (am 5.2. 2015) über PR zwischen Buchdeckeln.
Unter anderem wird darin auch das Buch „Reinfried Pohl: Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ (ab der Minute 3:40) als Beispiel genannt.

Schleichwerbung? Der Autor wollte sich gegenüber den ARD-Fernsehjournalisten von der Sendung Monitor nicht äußern.
Schleichwerbung? Der Autor wollte sich gegenüber den ARD-Fernsehjournalisten von der Sendung Monitor nicht äußern.

Was ich bisher nicht wusste: Der Autor schreibt auch für die Bild-Zeitung und ist Biograph einer hochrangigen Politikerin.

Jetzt wird mir einiges klarer.

Statt transperenter, wird unsere Welt immer schwerer durchschaubar. Weil dem System des Netzwerkmarketing (Empfehlungsmarketing) keine Grenzen gesetzt werden, fühlen sich andere Menschen und Unternehmen „gezwungen“ das auch mitzumachen, um Überleben zu können – ein Teufelskreis.

Anmerkung vom 10.2.2015:
Aufmerksame Leser haben vermutlich gemerkt, dass das dargestellte Buch nicht identisch mit dem von „Monitor“ angesprochenen Buch ist. Der Autor und der Verlag sind allerdings die Selben. Deshalb wollte ich mir nicht noch ein Buch über Reinfried Pohl zulegen.

Es ist schon seltsam . . . (2)

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Es ist schon seltsam, dass Facebook sich einfach das Recht auf die Nutzung sämtlicher Kundendaten herausnehmen kann. Für die Kunden kostet der Dienst erst einmal „nur“ Daten und ist daher scheinbar kostenlos. Für den Anbieter des Dienstes ist das bares Geld. In Zeiten in denen Nutzerzahlen stagnieren, braucht es eben andere Wachstumsmodelle. Bei solchen Geschäftsmodellen verdient nicht zwangsweise derjenige das meiste Geld, der die besten Produkte herstellt, sondern derjenige, der den Kunden als erster ein Produkt für ihre aktuellen Bedürfnisse anbieten kann. Zudem geht bei kostenlosen Angeboten, das Gefühl für den Wert einer entsprechenden Dienstleistung/Leistung verloren.