Von Finanzmarktfreunden und Griechenlandgegnern

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Die aktuelle Diskussion über die Hilfen für Griechenland zeigt, dass viele noch nicht erkannt haben, dass sie selbst dafür sorgen, dass sich Deutschland längst griechischen Finanzverhältnissen nähert.

Bei Anne Will diskutierten die Gäste vorigen Dienstag über die Frage „Tsipras verspricht Sparkurs – Wer glaubt ihm das noch?“ Sowohl die Moderatorin, als auch die Herren Borsbach (CDU) und Friedrich (CSU) glänzten mit einer guten Rhetorik. Denn sicher sind die vielen kleinen Steuerbetrüger (Zigarettenschmuggler) ebenso schädlich für ein Land wie die wenigen Großen „Steuerflüchtlinge“ (Oligarchen), die Jorgo Chatzimarkakis in der Diskussion kritisierte.
Chatzimarkakis beklagte die Rolle der Oligarchen (der Superreichen), die über viele Jahre von der griechischen Regierung unterstützt bzw. geschont wurden und kam zu dem Fazit: „Da muss man mit der Axt ran.“

Vielleicht könnte er in Deutschland gleich weiter machen. Manche Leser meines Blogs halten inzwischen Deutschland für eine „Bananenrepublik“. Und obwohl ich selbst viele Jahre CDU und CSU mit meiner Stimme bei Wahlen unterstützt habe, komme auch ich langsam zu dem Ergebnis.
Ich kann das nur wiederholen, bis es auch jeder versteht: Politiker der beiden Parteien haben mit dafür gesorgt, dass mein deutscher Finanzdienstleister inzwischen nicht mehr von der Bankenaufsicht (BaFin) überwacht wird, sondern von der Industrie und Handelskammer.
Insofern sind wir gar nicht mehr so weit weg von griechischen Verhältnissen.

Nun hat sich auch noch die Bildzeitung eine Kampagne gestartet, bei der das Blatt entgültig jede journalistische Distanz von sicht wirft.

In direkter Reaktion darauf hat der Deutsche Journalistenverband (DJV) die Kampagne der Zeitung, „Sefies“ gegen die Griechenlandhilfe an die Redaktion zu schicken, scharf kritisiert.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bild-zeitung-kritik-von-djv-an-anti-griechenland-kampagne-a-1020718.html
Interessant ist auch die kritische Zusammenfassung der Grichenland-Berichterstattung bei Bild auf „Bildblog“: http://www.bildblog.de/tag/pleite-griechen/

Dazu ist zu sagen, dass der Chefredakteur des der Bildzeitung ohnehin schon lange ein gutes Verhältnis zu Finanzbranche hat. Zwischenzeitlicher Höhepunkt war ein Finanz-Dialog mit Finanzcheck bei dem die Anzeigenkunden (das Onlineangebot war „ganz korrekt“ mit dem kleinen Hinweis „Anzeige“ versehen) Fragen der Bildleser beantworten durften.

Wie subtil da Werbung bei „Bild“ gemacht wurde, zeigt folgendes Beispiel:
Johanna G.: Muss ich für einen Finanz-Check bezahlen oder ist eine solche Beratung kostenlos?
Die Antwort der Experten der DVAG: Hierzu gibt es unterschiedliche Regelungen im Markt. Bei den meisten Anbietern ist so ein Check honorarfrei. Allerdings sind nicht alle Berater branchenübergreifend tätig, viele sind keine Vermögensberater, die das Thema “Allfinanz” beherrschen, sondern lediglich Produkte eines Anbieters verkaufen. Vereinzelt gibt es im Markt auch Berater, die einen Finanz-Check auf Honorarbasis durchführen. Bei durchaus üblichen Stundensätzen von 150 Euro und mehr kann da leicht eine vierstellige Summe allein für die Beratung herauskommen.

Hintergrund: Nach der Finanzkrise sollte die Honorarberatung eigentlich für eine ehrliche und neutrale Beratung sorgen. Die DVAG hat mit dem Werbepartner „Bild“ gut dagegen gehalten und macht den Honorarberatern das Leben damit schwer.
Die Aktion lief Mitte 2013.

Kurz darauf war Bundestagswahl und die Bildzeitung verteilte zum Wahltag im September kostenlose Wahlausgaben an die deutschen Haushalte. Mit dabei waren die Partner des Finanz-Dialog. Gewürdigt wurden die Altkanzler Helmut Kohl (der nach seiner Karriere als Bundeskanzler bei der DVAG und seinem Freund Pohl einen Posten annahm) und Gerhard Schröder (der enge Kontakte zu Ex-AWD-Chef Maschmeyer pflegte).
Wie die Wahl ausging ist bekannt. Dass der Finanzvertrieb von DVAG und AWD nicht mehr von der BaFin überwacht wird, ist bisher niemandem wirklich aufgefallen.

Meine Dienstleister waren dabei.
Echte Freunde stehen zusammen!

Für die Politiker ist das kein Problem. Sie wurden ja dafür gewählt, für ihre Wähler Entscheidungen zu treffen. Für die Finanzdienstleister ist das auch kein Problem. Es ist ja alles gesetzlich legitimiert.

Müssen wir also mehr Angst vor den einfachen griechischen Mitmenschen haben denen das Wasser bereits bis zum Hals steht, oder eher vor den Machtspielen deutscher Alphatiere?

Mir geht es nicht darum Kritik an einzelnen Personen zu üben. Mir geht es nur darum zu verdeutlichen, dass manche Themen systematisch von mächtigen Menschen ausgessessen bzw. ignoriert werden. Wer wurde noch für das „Aussitzen als Prinzip“ bekannt? Aber das ist wieder ein anders Thema.

Gute Nacht Deutschland,

V. F. Alle

Fußnote:

Der oben erwähnte kritische „Bildblog“ wurde fast aus finanziellen Gründen zum Jahreswechsel 2014/2015 eingestellt. Zum Glück wird dort nun wieder weiter dokumentiert. Zu finden ist dort z.B. ein Bild-Kommentar „Bye, Bye Griechenland“ von einem Journalisten der auch die Biografie des DVAG-Gründers Pohl geschrieben hat. Echte Freunde stehen eben zusammen.

Eine weitere kritische Auseinandersetzung mit den Methoden der Bildzeitung und den Beziehungen zur Politik  gibt es hier:  http://www.bild-studie.de/

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