Aussitzen gilt nicht mehr – ein Wochenrückblick

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Niemand hat das Prinzip Aussitzen mehr geprägt, als Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl.

Manche Menschen empfanden seinen Umgang mit unbequemen Fragen als arrogant. Für andere stand er damit fest im Leben und ließ unangenehmes einfach an sich abprallen.

Wir leben von den Reserven. Was sollen unsere Kinder tun, wenn sie sich z.B. entscheiden müssen, ob sie lieber unsere Renten zahlen sollen oder sich selbst über Wasser halten wollen?
Wir leben von den Reserven. Was sollen unsere Kinder tun, wenn sie sich z.B. entscheiden müssen, ob sie lieber unsere Renten zahlen sollen oder sich selbst über Wasser halten wollen?

Viele Politiker und Manager haben das Prinzip Aussitzen seitdem übernommen, meist ohne Folgen. Für einfache Menschen hatte das vermeiden von Konflikten dagegen schon immer eher eine Verschlimmerung der Probleme zur Folge.

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Das scheint sich jetzt zu ändern. Schon 2013 schrieb Roland Jäger in seinem Buch „Ausgesessen“, „warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens“ unsere Zukunft kostet. Anfang 2015 veröffentlichte Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger in seinem Buch „Ich halte nicht die Klappe“ seine Kritik an dem Treiben in Deutschen Vorstandsetagen und forderte „mehr Rebellen“.
Vorigen Sonntag wollte Günter Jauch in seiner Sendung mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein Fazit zum neuen Mindestlohn ziehen. Eine Fülle an Beispielen belegte dabei, wie einzelne Branchen durch Tricks dafür sorgten, dass diejenigen die davon profitieren sollten, gleich wieder um ihren neuen Lohn gebracht werden. Als „bekannte Umgehungsstrategien“ bezeichnete Sozialwissenschaftler Stefan Sell das Vorgehen mit Blick auf die Praktiken in Branchen, in denen es bereits einen Mindestlohn gab.
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Willkommen in der Realität.

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Spiegel-Online Kolumnistin Sibylle Berg veröffentlichte vor wenigen Tagen den Beitrag „Kommt mal raus aus dem Bällebad“. Darin stellt sie die Frage „Was, wenn es eben aus Versehen nicht besser wird, sondern schlechter? Die Alten haben Angst, sie wissen, was sie verlieren können, die Jungen haben keine Lust.“
Und sie schreibt weiter: „Erwachsen werden heißt doch: Das ist real da draußen, das ist wirklich die Welt, auf der sie jetzt leben sollen, Erwachsenwerden heißt doch, das ist mein Leben, ein anderes gibt es nicht, und es wird jetzt stattfinden, …“
Im Gegensatz zu einigen ihrer Leser, die darin eine Kritik an den heutigen Kindern und Jugendlichen sehen, verstehe ich das eher als Kritik an der Generation, die jetzt erwachsen ist und mitten im Arbeitsleben steht.
Wie immer bei solchen Beiträgen kommt da die Frage auf: Was jetzt? Ein „Eric93“ schreibt dazu z.B.: „Die Dame hat Recht, aber… …was wäre denn nun der Ausweg?“

Ich fürchte, wir müssen uns alle wieder mit der Welt um uns herum beschäftigen, anstatt uns in Zerstreuung und Unterhaltung flüchten.

Also raus aus dem Bällebad und
raus aus der Komfortzone.

Aussitzen gilt nicht mehr.
Eltern, denkt an Eure Kinder!

Sollen die heutigen Kinder wirklich dafür haften, dass ihr Euch nicht mehr um die Probleme Eurer Gesellschaft kümmern wolltet? Wieso sollen diese Kinder später Eure Rente bezahlen, wenn sie später kaum noch etwas zu erwarten haben?
Engagiert Euch solange Ihr die Kraft habt und klagt später nicht, dass Euch die Kraft nun fehlt.

Wer wissen will was die Jugend beschäftigt, der findet ein Abbild ihrer Musik.
Das singt zum Beispiel die Band Deichkind „Denken Sie groß“ und nimmt damit Motivationsgurus ins Visier. Das Lied würde auch gut zu Finanzvertrieben passen.

In dem Lied „Wolke 4“ beschreiben Philipp Dittberner und Marv dagegen, dass es vielleicht gar nicht so gut ist, immer auf Wolke 7 schweben zu wollen.

Unter dem Titel „Wolke 7“  von Phillipp Posel und Max Here, geht es ebenfalls um aktuelle Zeitfragen und Widersprüche in unserer Gesellschaft.

„Alles gesagt und es will keiner hören.
Es wär so einfach, wenn’s nicht so einfach wär
Und all die Widersprüche totgeschwiegen.
Mein Albtraum auf Wolke 7″

Und weiter:

„Und ich schließe die Augen vor all diesen Fragen,
weil es schwer ist die Zweifel, auf den Schultern zu tragen.“

„Mach die Augen auf“ fordert dagegen der Sänger Sido von „Mama“ und „Papa“. Der Text mag teilweise verstörend wirken. Doch die Botschaft ist deutlich:
Kinder sind teuer, also musst du Geld machen.
Du musst Probleme erkennen, und sie aus der Welt schaffen.
Du musst zuhören, in guten und in miesen Zeiten.
Du musst da sein, und du musst Liebe zeigen.
Wer Kinder macht, der hat das so gewollt.
Doch sobald es ernst wird mit der Erziehung, habt ihr die Hosen voll.
Wie viel mehr kann die Jugend in Deutschland vertragen, (wie viel?)
Hört hin, wenn eure Kinder euch jetzt was sagen.
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Botschaft verstanden?

V. F. Alle

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2 Gedanken zu „Aussitzen gilt nicht mehr – ein Wochenrückblick

    […] das meinte ich mit meinem Beitrag „Aussitzen gilt nicht mehr“ und der Grafik “Aussitzen verboten”. Für Reinfried Pohl passte die Strategie des […]

    […] ist gut, wenn viele Menschen erkennen, dass es so nicht weiter gehen kann. Noch besser ist es, wenn dann auch viele Menschen gemeinsam zu einer Lösung beitragen. Schuldige zu suchen ist kontraproduktiv. Jetzt gilt es nach vorne zu schauen. Ich bin dazu […]

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