Von den Besten lernen – Fehler im (Pyramiden)system

Gepostet am Aktualisiert am

„Von den Besten lernen“, oder „Lernen von den Profis“ ist ein beliebtes Motto in der Wirtschaftswelt und auch bei meinem Finanzdienstleister. Weltmeister im Sport und nationale Topstars sind als Werbeträger für diese Botschaft bestens geeignet. Technikaffine Menschen haben andere Vorbilder wie Apple, Facebook oder ähnliche Konzerne.

Vorbilder motivieren. Doch der Effekt lässt sich nicht beliebig steigern. Das liegt an der Pyramidenstruktur, auf der solche Wirtschaftssysteme aufbauen. Es liegt in der Natur einer Pyramide und eines Siegerpodestes, dass nur einer (eine Person, ein Team, ein Unternehmen) an der Spitze stehen kann. Alle anderen sind zwangsweise auf den nachfolgenden Plätzen zu finden. Und der Großteil der Verfolger wird auch nie an die Spitze kommen.

Die Folge: In dem System wird viel Druck aufgebaut – und zwar auf allen Ebenen. Der Druck wird durch die Globalisierung noch gesteigert. Es gibt quasi nur noch Weltmeisterschaften.

Eine einfache Grafik macht den Effekt deutlich.

Vereinfachte Darstellung von Pyramidensystemen. Gerne lade ich meine Leser/innen dazu ein, diese Grafik weiter zu entwickeln.
Vereinfachte Darstellung von Pyramidensystemen. Gerne lade ich meine Leser/innen dazu ein, diese Grafik weiter zu entwickeln.

Die erste Pyramide baut auf einer soliden (breiten) Basis auf, einer Unterschicht mit geringen finanziellen Mitteln, der es aber an kaum etwas fehlt. Sie besitzt einen stabilen Mittelbau und zahlreiche kleine Aufstiegsmöglichkeiten auf dem Weg zur Spitze.

Die zweite Pyramide besitzt eine breite, aber zunehmend unzufriedene Basis. Die Mittelschicht ist ausgedünnt und teilweise in die Unterschicht diffundiert. Ein Teil der Mittelschicht ist nicht sicher ob es besser ist, sich nach oben oder nach unten zu orientieren. Der Weg zwischen Spitze und unterer Ebene ist deutlich kürzer geworden. Unscheinbare Personen und Firmen können somit schneller die Spitze erreichen, während Spitzenreiter schneller nach unten durchgereicht werden können. Der Druck auf allen Ebenen des Systems hat gegenüber der ersten Pyramide deutlich zugenommen. Denn auch so mancher Topmanager merkt, dass sich bisherige Wachstumszahlen nicht einfach linear in die Zukunft fortschreiben lassen.

Wenn sich nun Widerstand in der Unter- und Mittelschicht regt, dann kann es zur Umkehrung der Pyramide kommen. Die Blockupy-Aktion in Frankfurt, in dieser Woche, deutet auf solche Tendenzen hin. Die vielen Unzufriedenen versuchen dabei Druck auf die wenigen auszuüben, die sie an der Spitze des Systems als die Verantwortlichen für ihre eigenen Probleme identifiziert haben. Die Spitze kann dem Druck nicht standhalten. Das System bricht zusammen. Natürlich lassen sich auf diese Weise Veränderung provozieren.

Das dadurch entstehende Chaos, wieder in Griff zu bekommen, erscheint mir allerdings aufwändiger und anstrengender als darauf zu reagieren, bevor es zu Revolutionen kommt. Das zeigen Revolutionen in verschiedenen Ländern der Welt.

Es bringt nichts, darüber zu streiten, wer dafür die Schuld trägt. Wichtig ist nur, dass sowohl diejenigen an der Spitze als auch diejenigen an der Basis erkennen, dass sie nicht einfach so weiter machen dürfen. Sie alle tragen die Verantwortung für die jeweils nachfolgende Generation.

Auf allen Ebenen scheint allerdings gerade das Motto zu herrschen: „Jetzt bin ich erst einmal dran, mir wurde auch nichts geschenkt!“

Gewalttätige Auseinandersetzungen, wie diese Woche bei der Einweihung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, helfen leider vor allem denen, die nichts ändern wollen.

Was ist, wenn weder die an der Spitze noch die an der Basis das Problem sind? Was ist, wenn der Bereich dazwischen das Problem ist. Die Mittelschicht ist in der Klemme. Soll sie sich weiter nach oben strecken, obwohl das immer anstrengender wird? Soll sie sich lieber gleich nach untern orientieren und den Kraftaufwand sparen?
Die Mittelschicht war bisher der Moderator (Vermittler) zwischen den verschiedenen Ebenen. In unserer zunehmend digitalisierten Welt schein es aber nur noch oben und unter bzw. Nullen und Einsen zu geben. Dabei ist der Kitt (das Bindemittel), welches unsere Gesellschaft zusammenhält, die Akzeptanz der Vielfallt und der respektvolle Umgang miteinander – nicht nur zwischen schwarz und weiß sondern auch zwischen reich und arm.

Wenn wir das mit menschlicher Intelligenz nicht besser gelöst bekommen, dann wird die Natur eine Lösung finden – eine biologische Lösung. In der Regel sind die biologischen evolutionär (so wie die Entwicklung des Menschen) und nicht revolutionär. In der Hinsicht können wir Menschen noch viel von der Natur lernen.

Ich möchte weiterhin davon ausgehen, dass ein Unterschied zwischen Mensch und Tier die Vernunft ist. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass uns Menschen gerade Instinkte für Gefahren verloren gehen, die Tieren weiterhin zuverlässig das Leben retten.

Viele Grüße,

V. F. Alle

Fußnote: Sehr weise äußerte sich der Gründer des chinesischen Internet-Handelshauses „Alibaba“, Jack Ma, vorigen Sonntag anlässlich der CeBit-Eröffnung. Er wies darauf hin, dass Internet-Unternehmen durchaus auch von Traditionsunternehmen lernen können. Denn nach seiner Auffassung existierten viele Internet-Firmen kaum länger als drei Jahre. Sie brauchten Lösungen, so lange überleben zu können wie Mercedes und Siemens. Dem mehrfachen Milliardär ist scheinbar klar, dass das Geld von den Börsen schneller dem nächsten Wachstumsfeld umgewidmet werden kann, als es manchem Top-Manager lieb ist. Da kann Beständigkeit schon etwas angenehmes sein.

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2 Gedanken zu „Von den Besten lernen – Fehler im (Pyramiden)system

    DVAG-Geschädigter sagte:
    21/03/2015 um 1:10 pm

    Hallo Vfalle, danke dass sie die „seriöse“ DVAG zeigen wie sie ist.

    Erstaunlich, dass sich ein kundenschädliches System wie DVAG so lange hält.

    Bitte bleiben Sie dran. Leider steckt noch viel mehr dahinter.
    Solange von der DVAG der arme Michael Schumacher, Helene Fischer, Jürgen Klopp Millionen € erhalten?

    Ihr DVAG-Beratungsschaden ist eindeutig. Kann mich gut erinnern an den DVAG-Slogan: Verzicht auf risikobehaftete Anlageformen.

      vfalle sagte:
      22/03/2015 um 8:28 am

      Danke für die Unterstützung.
      Schön, dass Sie und einige andere Menschen meinen Beratungsschaden und mein Problem mit der DVAG erkennen können.
      Tatsächlich gibt es da wohl unterschiedliche Sichtweisen.

      Die Unternehmensleitung hält meinen Fall nämlich nicht für ihr Problem. Die Unternehmensleitung, der Aufsichtsrat, Führungskräfte der Partnerunternehmen, bekannte Politiker sowie Stars aus Sport und Musik vermitteln lieber weiterhin ein sehr schöneres und solides Bild der DVAG.

      Sie, ich, sowie andere DVAG-Kunden und- Mitarbeiter, kennen offensichtlich ein anderes Bild der DVAG. Auch mir ist inzwischen klar, dass ich mit meinen Erfahrungen kein Einzelfall bin.

      Wieso die Schlagersängerin Helene Fischer gerade jetzt für das Unternehmen so wertvoll ist, das zeigt ein Beitrag des Philosophen Byung-Chul Han in der Wirtschaftswoche: http://www.wiwo.de/erfolg/trends/philosophie-des-schlagers-die-seelenklempnerin-der-nation/11077354.html
      Es geht um die hohe Kunst der Psychologie.

      Ich wollte der DVAG gerne vertrauen, dass ich von dem Unternehmen besser beraten werde als von einer Bank. Das gestehe ich nun auch Politikern, Werbepartnern und anderen Personen zu.

      Zwar hat die DVAG keine Lehmann-Zertifikate vertrieben, das ist richtig. Allerdings wurde der inzwischen geschlossene SEB Immoinvest von dem Unternehmen in Form mehrerer Produkte vertrieben. Kunden die das Geld in der Zwischenzeit brauchten, wundern sich nun ebenso wie die betroffenen Vermögensberater, dass die Unternehmensführung sich da raushalten will. (http://www.geprellte-vermoegensberater.org/viewtopic.php?f=5&t=438&sid=0aa1c059fe494a6efd7cb549fad0d508)
      Kunden die das Geld bisher nicht benötigten, werten die Gespräche mit ihrem Berater womöglich sogar noch als guten Kundenservice, wenn sie z.B. nach dem folgenden Muster abliefen:

      Kundenfrage: Mache ich da Verlust?
      Antwort: Die Immobilien sind vermietet und erzielen weiterhin Mieteinnahmen. Die werden an die Anleger weitergegeben. Letztendlich ist es abhängig von den Verkaufserlösen der einzelnen Immobilien
      Kundenfrage: Wann kann ich mit meinem Geld rechnen?
      Antwort: Da können sie ganz entspannt sein, das ist gesetzlich geregelt. Dafür gibt es klare Vorgaben, sie erhalten halbjährlich ihre Rückzahlung.

      Fakt ist, mit dieser Information beginnt juristisch betrachtet die Verjährungsfrist, wenn der Kunde bei Vertragsabschluss nicht ordnungsgemäß über Risiken informiert wurde. Das bedeutet, die Kunden können sich nach dieser Frist nicht mehr drauf berufen, dass sie nicht über die Probleme mit dem Fonds informiert wurden.

      Im Gegensatz zu einer Bank (die zudem von der Finanzaufsicht BaFin kontrolliert wird), überträgt das DVAG-Management übrigens die Risiken auf die selbständigen Berater und auf die Kunden.

      Als Journalist möchte ich darüber informieren.
      Nur so können die Partner des Unternehmens sich klar darüber werden, wie das System funktioniert.
      Nur so können sie sich überlegen, ob sie weiterhin Teil des Systems sein möchten.

      Ich übernehme damit Verantwortung und suche nicht die Schuld bei anderen.

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