Strukturvertrieb statt Postbank?

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Postbank sind  in Sorge um ihre Arbeitsplätze. Am kommenden Freitag will die Deutsche Bank über die Zukunft ihrer Tochtergesellschaft entscheiden. Aus wirtschaftlichen Gründen und wegen strengerer Regulierungen, ist einen Verkauf der Postbank im Gespräch, oder zumindest eine strukturelle Anpassung.

Es geht um die Zukunft von Postbankfilialen und damit um die Zukunft von Mitarbeitern.
Es geht um die Zukunft solcher Postbankfilialen und damit um die Zukunft von Mitarbeitern.

Kürzlich hatte ich schon in meinem Blog die Vermutung geäußert, dass der Strukturvertrieb im Privatkundengeschäft für die Deutsche Bank attraktiver sein könnte als die eigenen Aktivitäten. An die Postbank hatte ich da gar nicht gedacht.

Doch gerade bei der Postbank wird deutlich, wie einzelne Finanzprofis versuchen, ihre Risiken auf viele andere abzuwälzen. Vor allem wird eine Entwicklung deutlich, die schon seit 2001 läuft.

Aus aktuellem Anlass habe ich einige Pressebeiträge zusammengefasst:
N-TV berichtete z.B. am 20. April 2015:
>>„Seit 2010 gehört die Postbank mehrheitlich zur Deutschen Bank, die damit in der Finanzkrise ihr Geschäftsmodell besser ausbalancierte. Inzwischen tüftelt Deutschlands größtes Geldhaus jedoch an einer neuen Strategie, die Finanzkreisen zufolge wegen der strengeren Regulierung mit einer deutlichen Schrumpfkur verbunden sein wird.“ << http://www.n-tv.de/wirtschaft/Postbank-Verkauf-gilt-als-beschlossen-article14941486.html

Börse-Online schrieb am 21. April 2015:

>>“Man hätte sie nie kaufen dürfen“, sagt Analyst Dirk Becker von Kepler Cheuvreux. Die mit dem Erwerb verknüpften Hoffnungen hätten sich nie erfüllt.
Es dauerte lange, bis die Risiken in der Bilanz der Postbank abgebaut und die – trotz dreistelliger Milliardensummen auf den Sparbüchern der 14 Millionen Kunden – niedrige Kapitalquote aufgepäppelt war. Und die Idee, ungenutzte Ersparnisse als Kredite an Deutsche-Bank-Kunden weiterzureichen, funktionierte nicht. Hier stellte sich die Finanzaufsicht BaFin quer, weil sie mit Rücksicht auf die restlichen Aktionäre der Postbank auf eine ausreichende Kapitalausstattung dort pochte. << http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/Deutsche-Bank-Aktie-Postbank-wird-fuer-Geldhaus-wohl-zum-Ladenhueter-1000589368

Ein kurzer Blick zurück:

2012 war die Postbank in Kritik geraten, weil sie sich Strukturen bediente, die eher aus dem Strukturvertrieb bekannt sind.

Das Nachrichtenmagazin Focus schrieb damals:

>>Die Postbank ist in den Verdacht geraten, vermögende Kunden mit überzogenen Gebühren und Provisionen, zum Beispiel auf Beteiligungen an geschlossenen Fonds, bewusst geschädigt zu haben. So sollen etwa von den Investments in Schifffonds bis zu 17 Prozent als Provision abgezogen worden sein („Kickback“), ohne dass die Kunden darauf hingewiesen wurden.<< http://www.focus.de/finanzen/geldanlage/tid-28236/anwalt-stellt-strafanzeige-postbank-kunden-fuehlen-sich-abgezockt_aid_866209.html

Deutlicher wurde damals das Online-Portal verbraucherschutz.tv:

>>Mit einem ganz speziellen Vertriebssystem steht die Postbank-Finanzberatung aktuell ziemlich in der Kritik. Zahlreiche Anleger waren von freien Handelsvertretern im Postbank-Auftrag überzeugt worden, in riskante Schiffsfonds zu investieren. Besonders sinnig: Die Verantwortung für eventuelle Falschberatung liegt nicht bei der Postbank, sondern bei den freien Handelsvertretern. Die mussten verkaufen denn ohne Abschlüsse gab es kein Geld. << Damals wies verbraucherschutz.tv zudem darauf hin: >>Die Postbank zeigt sich zumindest gesprächsbereit. Einzelne Beschwerdefälle sollen geprüft werden. Das Thema passt in die aktuelle Diskussion um die umstrittene Provisionsorientierte Beratung. Die Bundesregierung propagiert Honorarberatung als System der Zukunft.<<
http://www.verbraucherschutz.tv/2012/11/08/postbank-berater-vermittelten-riskante-fonds

Die Deutsche Bank hat längst eine Lösung gefunden, um Finanzprodukte mit geringeren Risiken an die Privatkunden zu bringen. Seit 2001 arbeitet sie der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) zusammen. Zur Vertriebsmotivation und als „Belohnung“ für den erfolgreichen Vertrieb hat die DVAG sogar Anteile an der Deutsche-Bank-Tochter DWS erhalten. Siehe: http://www.fondsprofessionell.de/news/bank-fonds/nid/finanzvertrieb-dvag-steigt-bei-dws-ein/gid/1012091/ref/4/

Im Gegensatz zur Postbank, werden Strukturvertriebe  nicht mehr von der Finanzaufsicht (BaFin) überwacht, sondern von der jeweiligen IHK. Auch die Ombudsstellen für Fonds schlichten zwar für Streitigkeiten zwischen Kunden und Banken, fühlen sich aber für die von Vertriebsorganisationen vermittelten Produkte nicht zuständig.

Die nach der Finanzkrise 2009 von der Bundesregierung propagierte Honorarberatung gerät zur Farce. Die Privatkunden, die Bankmitarbeiter und die Honorarberater sind die Dummen. Die vielen Honorarberater haben kaum die Möglichkeiten, die ein gut vernetzter Strukturvertrieb wie die DVAG hat.

Bin ich denn der Einzige dem das auffällt? Habe ich Visionen oder bin ich als langjähriger DVAG-Kunde inzwischen einfach nur sensibler?

Guten Morgen Deutschland,
es ist Zeit aufzuwachen

V. F. Alle

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Hintergrund: Was bedeutet das für Kunden? Seitdem meine Einspruchsfrist für den von der DVAG vermittelten DWS Immoflex abgelaufen ist, bekomme ich die Informationen dazu nur noch von der Deutschen Bank. Gleichzeitig fühlt sich die Bank aber nicht dafür zuständig, dass mir ein Produkt (offener Immobilienfonds/Dachfonds) als stets verfügbar vermittelt wurde und ich nun trotzdem nicht an mein Geld komme. Schließlich habe mir nicht die Bank , sondern die DVAG das Produkt vermittelt. Kunden wie mir, bleibt damit nur die Option, vor Gericht mit ihrem Dienstleister zu streiten. Im Bezug auf den mir ebenfalls von der DVAG vermittelten Fonds SEB Immoinvest, hat mir das das Bundesfinanzministerium sogar schriftlich bescheinigt.

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Ein Gedanke zu „Strukturvertrieb statt Postbank?

    […] In meinem Beitrag “Strukturvertrieb statt Postbank” im April 2015 anlässlich der geplanten Trennung der Deutschen Bank von der Postbank hatte ich den Trend bereits verdeutlicht. https://vfalle.wordpress.com/2015/04/22/strukturvertrieb-statt-postbank/ […]

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