Altersvorsorge – Weltweit werden Risiken für einfache Menschen deutlich

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Meinen Blog habe ich 2013 mit einer Vertrauensfrage begonnen. Inzwischen gibt es weltweit scheinbar immer mehr Menschen, die sich die Vertrauensfrage stellen. Oft geht es um das Ersparte für das Alter bzw. die versprochenen Renten.
In Griechenland haben Rentner aktuell Probleme an Geld zu kommen. Immerhin bekommen sie noch kleinere Beträge ausgezahlt. Dafür müssen sie nun lange anstehen und Glück haben am Schalter noch dran zu kommen. Siehe z.B.: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/chaos-vor-griechischen-banken-gebt-mir-meine-rente-ihr-schufte/11993912.html

In China bangen Menschen um ihr Geld, welches sie auf anraten ihrer Regierung in Aktien angelegt hatten. Mitte Juli 2015 waren die Aktien-Märkte eingebrochen. „Leidtragende sind vielfach Privatanleger, die nicht zuletzt von der Regierung zum Aktienkauf ermuntert worden waren“, heißt es beispielsweise in einem Beitrag im Manager Magazin. http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/panik-an-asiens-boersen-a-1042588.html
Einfache Menschen klagten nun in Medienberichten, dass sie ihrer Regierung vertraut hatten. Inzwischen hat die chinesische Regierung Maßnahmen ergriffen, die Märkte wieder zu stabilisieren. In der ARD-Tagesschau am 7. Juli 2015 berichtete eine chinesische Rentnerin: „Für Leute in meinem Alter ist der Aktienmarkt zunehmend unpassend, körperlich und psychisch. All diese Kursverluste mitzumachen, nach zuvor hohen Gewinnen, das ist ganz schön anstrengend!“ (siehe: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/boersencrash-china-101.html) Bereits im April hatte die ARD über den gefährlichen Aktienrausch in China berichtet: http://boerse.ard.de/anlagestrategie/regionen/chinesen-im-aktienrausch100.html

Das Problem: Einfache Menschen können die komplizierten Zusammenhänge kaum nachvollziehen. Sie müssen daher, denen vertrauen können, die ihnen sagen, alles für sie im Blick zu haben – oder sie leben als misstrauische Menschen.

Rente und Altersvorsorge: Es geht weltweit ums liebe Geld.
Rente und Altersvorsorge: Es geht weltweit ums liebe Geld.

In Deutschland scheint alles ruhig. Zuletzt waren während der Finanzkrise 2008/2009 deutsche Rentner auf die Straße gegangen, die mit Lehmann-Zertifikaten um ihre Renten betrogen wurden. Zwischenzeitlich hat die Bundesregierung die Renten angehoben. Die Rentenkassen sind gut gefüllt und wir können es uns scheinbar leisten. Doch laut N-TV von Ende Juni 2015 ist nun ein Ende in Sicht: http://www.n-tv.de/politik/Millionen-Rentner-bekommen-mehr-Geld-article15393221.html

Allerdings: In Deutschland haben Lebensversicherer Probleme, weil sie die Leistungsversprechen aus alten Verträgen kaum noch erfüllen können und die neuen Verträge für Neukunden kaum noch attraktiv sind.

Darüber spricht die Branche mit den Kunden natürlich nicht gerne.
In der Süddeutschen Zeitung vom 13. Juli 2015 auf Seite 15 gibt es allerdings einen Hinweis in dem Beitrag „Zeit Zum Aufräumen“ von Herbert Fromme über mögliche Übernahmen in der Branche und Probleme der Lebensversicherer. Darin heißt es: ”Klar ist: Etwas Großes passiert da gerade bei den Versicherern, außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.“ Die Branche sei im Übernahmefieber. Allerdings sei es laut dem Autor mit Übernahmen schwierig: „ Erstens liegt es daran, dass kaum ein Konzern einen anderen schlucken kann, der einen großen Lebensversicherer im Portfolio hat. Denn dessen Aussichten sind angesichts der Niedrigzinsen und wegen der Altlasten aus hohen Zinsversprechen in der Vergangenheit schlicht zu unsicher.“ Zweitens machten die Rechtsformen der Unternehmen bei Übernahmen teilweise Probleme.

Im Magazin Spiegel (KW 29/2015) gibt es allgemeinere Informationen dazu, wie Versicherer inzwischen arbeiten. Unter dem Titel „Versichert und verraten“ listen die Spiegel-Journalisten dort auf, was „Allianz, R+V und Co. alles tun, um nichts leisten zu müssen“. Mit Dienstleistung hat das wohl nichts mehr zu tun. Wenn die Gewinnoptimierung der Versicherer so weiter geht, dann machen sich die Unternehmen auf Dauer Überflüssig.
Das Problem: Die aktuellen Manager werden an den Erfolgen ihrer Vorgänger gemessen. Die Hürde für neues Wachstum liegt also hoch. Gleichzeitig könnte zu viel Ehrlichkeit Kunden und Aktionäre verschrecken.

Vieles deutet also darauf hin, dass die bisherigen Altersvorsorge- und Versicherungssysteme nicht mehr funktionieren. Im Moment haben nur die Versicherer das Problem, wie sie damit umgehen. Aus Eigeninteresse sehen sie die Zukunft natürlich eher positiv.

Die Menschen, die sich heute auf ihre Regierungen und ihre Versicherungs- und Finanzdienstleister verlassen, können dagegen nur hoffen, dass das für sie noch gut geht. Im Moment trifft es in der aktuellen Wahrnehmung vor allem die griechischen Rentner. Ob es für die Chinesen gut geht, wird sich zeigen müssen.

Zurück zu den Rentnern in Griechenland
Die Geldgeber halten die Renten dort inzwischen für zu hoch. Siehe z.B. Beitrag in „Die Welt“ von März 2015: http://www.welt.de/wirtschaft/article138674711/Geldgeber-halten-griechische-Renten-fuer-zu-hoch.html
Diejenigen, die dort ihr Rentenalter erreicht haben sitzen nun in der Klemme.
Aber auch in Deutschland gibt es beriets viele „Rentner“ die sich nicht ruhig zurücklehnen können. Sie müssen arbeiten, um noch über die Runden zu kommen. Am 14.7.2015 lief dazu unter dem Titel „Schuften bis zum Schluss“ ein Beitrag im ZDF-Magazin 37 Grad. Siehe: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/402#/beitrag/video/2442874/Schuften-bis-zum-Schluss

Ein inzwischen verstorbener Großonkel sagte mir als ich ein Kind war: „In den USA müssen Menschen bis ins hohe aller Arbeiten, weil es kein ordentliches Rentensystem gibt. In Deutschland ist das zum Glück anders.“ Das war vor etwa 30 Jahren.

Sicher ist also, dass im Moment nichts sicher ist. Scheinbar wird das Vertrauen von Menschen allerdings gerade weltweit auf die Probe gestellt.

Mit freundlichen Grüßen

V. F. Alle

Nachtrag vom 31.7.2015:

Inzwischen macht auch die Bundesfinanzaufsicht (BaFin) auf Lebensversicherer Druck. Es wird immer schwerer Garantieversrechen aus der Vergangenheit einzuhalten. Siehe z.B.: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/lebensversicherung-finanzaufsicht-bafin-macht-lebensversicherern-druck/12120682.html

Ob der Druck etwas nützt? Das bringt den Versicherern kaum mehr Geld in die Kassen.

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