Monat: August 2015

Lebensversicherung: Zinsen für die Muttergesellschaft und geringere Erträge für die Kunden

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Lebensversicherer brauchen in der Niedrigzinsphase dringend mehr Eigenkapital.  Um die Garantien der Altverträge erfüllen zu können, dürfen sie im Moment kein Geld an die Eigentümer auszahlen.

Versicherungen umgehen das, indem sie sich Geld von ihren Muttergesellschaften leihen. Die Gesellschaften lassen sich ordentlich Zinsen dafür zahlen.

Das berichten die Wirtschaftswoche und „Das Investment“:

http://www.wiwo.de/unternehmen/versicherer/lebensversicherung-mutterkonzerne-bessern-bilanzen-der-lv-toechter-auf-gegen-hohe-kreditzinsen/12125032.html

http://www.dasinvestment.com/investments/versicherungen/news/datum/2015/08/10/teure-kredite-fuer-toechter-niedrige-ueberschuesse-fuer-kunden/

Laut der Versicherungsbranche erkenne die Finanzaufsicht (BaFin) nachrangige Kredite als Eigenkapital an.

Für die Versicherer ist damit alles klar. Aber wie wird das wohl für die Kunden weiter gehen?

Viele Grüße,

V.F. Alle

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Einspruch! Wer Demokratie möchte, sollte sich jetzt dafür einsetzen

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„Crash ist die Lösung – …““Crash ist die Lösung – …“Jetzt ist es passiert. Eigentlich wollte ich meinen letzten Beitrag „Einspruch“ noch etwas bearbeiten, bevor er erscheint. Doch ich war nicht so schnell wie die Veröffentlichungsplanung, die ich vorher eingestellt hatte. Also packe ich das nun in einen neuen Beitrag.

Ich wollte beispielsweise die Überschrift noch anpassen. Das habe ich nun getan.

Im Bezug auf die Rolle von Richtern, halte ich noch einen weiteren Punkt für wichtig: Mehrere deutsche Gerichte hatten den Fonds SEB Immoinvest für mündelsicher erklärt. Sie haben damit fleißigen Verkäufern eine Steilvorlage für den Produktvertrieb geliefert. Gleichzeitig liefern sie den Handelsvertretern damit das beruhigende Argument, dass auch andere die Entwicklung des Fonds falsch eingeschätzt haben und ihr persönliches Versagen beim Kunden daher nicht so schlimm ist. Wer oder was die Richter zu ihrem Urteil geführt hat, hat sich mir bis heute nicht erschlossen.

Obwohl ich mich in diesem Blog vorwiegend mit unschönen Tatsachen und Erkenntnissen beschäftige, bleibe ich Optimist. Ich weiß, dass es neben mir auch andere Menschen (Journalisten, Juristen, Finanzberater, Politiker, …) gibt, die sich selbstkritisch mit den aktuellen Entwicklungen beschäftigen. Die haben es allerdings alleine nicht leicht in einem Umfeld, dass sich mit den im vorigen Beitrag genannten Strukturen arrangiert hat.

Augen auf: Fast scheint es , als würde dem Baum das Herz bluten. Auf was er wohl nun sein Auge richtet?
Augen auf: Trotz seiner stämmigen Figur scheint dem Baum das Herz zu bluten. Auf was er wohl nun sein Auge richtet?

Das ist allerdings kein Grund jetzt zu resignieren. Denn: Jede Krise ist auch eine Chance für einen Neubeginn. Die vielen kleinen Krisen in meinem Umfeld und auch rund um den Globus, lassen mich vermuten, dass es sich hier nicht um mein persönliches Problem handelt. Die Frage ist für mich nur, wann unsere Gesellschaft bereit ist, daran etwas zu verändern.

Je mehr ich mich damit auseinander setze, umso mehr Warnsignale nehme ich wahr.

Die Wochenzeitung „Zeit“ hat sich Anfang 2015 mit den Risiken der „Konsensgesellschaft“ für die Demokratie beschäftigt. Spiegel-Autor Jacob Augstein schrieb kürzlich „Deutschland, die Elend ist die Mitte“. Die FAZ kommt im Beitrag „Volkes Stimme“ vom Februar 2015 zum Ergebnis, dass es in Deutschland keine echte Demokratie mehr gibt. Die Schlussfolgerungen zu den Aussagen im Spiegel sind (kaum überraschend) andere.

Was die Finanzmärkte angeht, ist es für die Autoren des Buches „Crash ist die Lösung – …“ Mathias Weik und Marc Friedrich längst nicht mehr die Frage, ob der Crash kommen wird – sondern lediglich wann. Damit sind sie längst nicht mehr allein. Allerdings scheint es im Buch dann doch eher wieder um Interessen einzelner Menschen zu gehen und weniger um die Grundwerte einer Demokratie. Denn im Titel heißt es weiter: „… Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“

Am besten gefällt mit eine aktuelle Aussage von der Schweizerin Sibylle Berg:

„Hoffnung ist der Alkohol der Unwissenden.“

Für mich bedeutet das: Hoffe nicht weiter darauf, dass es andere für Dich richten – auch wenn sie es in schönen Worten ständig wiederholen. Kümmere Dich selbst darum, dass sich was ändert.

Viele Grüße,

V. F. Alle

Einspruch! Wie der Faden eines Wollpullovers

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Zu Beginn meiner Recherchen hatte ich mit Kollegen über Chancen einer juristischen Auseinandersetzung mit meinem Dienstleister Deutsche Vermögensberatung (DVAG) diskutiert. Insbesondere die Vernetzung der DVAG mit hochrangigen Juristen und Politikern sowie die Unterstützung eines Lehrstuhls für Rechtswissenschaften in Marburg ließen mich daran zweifeln. Ein Kollege von mir mochte das nicht so kritisch sehen. Richter würden schon unabhängig entscheiden.
Ausgerechnet ein Buch des ehemaligen Politikers Norbert Blüm lässt meine Zweifel nun wieder aufleben.

Im kürzlich erschienen Buch „Einspruch“ beschreibt er seine Erfahrungen mit der „dritten Gewalt“ in unserem Staatssystem und seine Zweifel an der Unabhängigkeit von Juristen. Er schildert zudem einen Effekt, der mir sehr bekannt vor kommt: Je mehr er sich mit dem Thema beschäftigte, umso schlimmer erschienen ihm die Zusammenhänge. Blüm vergleicht das mit dem Faden eines Baumwollpullovers an dem jemand zieht.

Einspruch! Norbert Blüm kritisiert die "Dritte Gewalt". Das Buch ist 2014 im Westend Verlag, Frankfurt/Main, erscheinen.
Einspruch! Norbert Blüm kritisiert die „Dritte Gewalt“. Das Buch ist 2014 im Westend Verlag, Frankfurt/Main, erscheinen.

Das Buch hatte ich zufällig Anfang des Jahres in einem Laden eines Klosters gefunden.

Sympathisch finde ich, dass der ehemalige Werkzeugmacher klar stellt, ein Anfänger in dem Bereich der Rechtswissenschaften zu sein. Er bezeichnet sich sogar als Dilettant. Allerdings zitiert er dazu auch Goethe, der „Dilettanten als Liebhaber des Wichtigen“ bewundert haben soll.
Blüm definiert den Dilettant so: „Der Dilettant ist ein Mensch der den Wald sieht. Der Fachmann sieht vor allem die Bäume. Während die professionellen rechtskundigen, die Paragraphen und ihre Anwendungen studieren, versucht der Dilettant zu klären, welchen Sinn das Ganze hat.“

Auch ich sehe mich als DVAG-Kunde und Technikjournalist als Dilettant in Finanz- und Rechtsfragen. Auch ich habe, den Eindruck, dass sich die Fachleute zu wenig mit dem Gesamtbild ihres Handelns beschäftigen.

Der ehemalige Bundesarbeitsminister beschreibt an konkreten Beispielen, wie Kanzleien bei der Formulierung von Gesetztestexten mitarbeiten und damit einen Wissensvorsprung haben, um später Unternehmen zu beraten. Er schreibt darüber wie Gesetze schreibende Rechtsanwälte als Gutachter in Parlamentsausschüssen auftreten und vieles mehr.
Wie mehrfach geschrieben, habe ich nicht vor meinen Dienstleister zu verklagen. Mir ist es wichtiger meine Erkenntnisse für andere Menschen zu dokumentieren.
Andere wie der Drogerie-König Erwin Müller haben dagegen anscheinend kein Problem damit, ihren Dienstleister zu verklagen. Im Beitrag „Auf Kosten der Steuerzahler“ beschreibt die Süddeutsche Zeitung vom 13. Juli 2015 auf Seite 17, wir der Unternehmer dessen Filialen jährlich 4 Milliarden Euro erwirtschaften gegen seine Hausbank Sarasin klagt, die ihm Fonds mit Jahresrenditen von 40% versprochen hatte. Dem Unternehmer sei allerdings bewusst gewesen, dass dies nur durch „steuerliche Aggressivität“ möglich gewesen sei.

Vor dem Gesetzt sind alle gleich heißt es. Dennoch haben nicht alle die gleichen Chancen.

„Die Menschheit hat lange, lange Zeiten gebraucht und viele Mühen erduldet, um ‚Rechtsgleichheit‘ zu lernen, die aller Hierarchien relativierte“, schreibt Blüm.

Ich sage: Wir haben zwar noch demokratische Strukturen. Das bleibt aber nur so, wenn viele Menschen die Demokratie mitgestalten.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Für die Leser, die sich fragen, was das mit meinem Dienstleister zu tun hat:
Mein Dienstleister pflegt beste Kontakte zur Politik. Er unterstützt einen Lehrstuhl für Rechtsfragen und wird seit einer Gesetzesänderung 2013 weder von der Finanzaufsicht noch vom örtlichen Ordnungsamt überwacht, sondern von der regionalen Industrie- und Handelskammer. Zufall?