Einspruch! Wie der Faden eines Wollpullovers

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Zu Beginn meiner Recherchen hatte ich mit Kollegen über Chancen einer juristischen Auseinandersetzung mit meinem Dienstleister Deutsche Vermögensberatung (DVAG) diskutiert. Insbesondere die Vernetzung der DVAG mit hochrangigen Juristen und Politikern sowie die Unterstützung eines Lehrstuhls für Rechtswissenschaften in Marburg ließen mich daran zweifeln. Ein Kollege von mir mochte das nicht so kritisch sehen. Richter würden schon unabhängig entscheiden.
Ausgerechnet ein Buch des ehemaligen Politikers Norbert Blüm lässt meine Zweifel nun wieder aufleben.

Im kürzlich erschienen Buch „Einspruch“ beschreibt er seine Erfahrungen mit der „dritten Gewalt“ in unserem Staatssystem und seine Zweifel an der Unabhängigkeit von Juristen. Er schildert zudem einen Effekt, der mir sehr bekannt vor kommt: Je mehr er sich mit dem Thema beschäftigte, umso schlimmer erschienen ihm die Zusammenhänge. Blüm vergleicht das mit dem Faden eines Baumwollpullovers an dem jemand zieht.

Einspruch! Norbert Blüm kritisiert die "Dritte Gewalt". Das Buch ist 2014 im Westend Verlag, Frankfurt/Main, erscheinen.
Einspruch! Norbert Blüm kritisiert die „Dritte Gewalt“. Das Buch ist 2014 im Westend Verlag, Frankfurt/Main, erscheinen.

Das Buch hatte ich zufällig Anfang des Jahres in einem Laden eines Klosters gefunden.

Sympathisch finde ich, dass der ehemalige Werkzeugmacher klar stellt, ein Anfänger in dem Bereich der Rechtswissenschaften zu sein. Er bezeichnet sich sogar als Dilettant. Allerdings zitiert er dazu auch Goethe, der „Dilettanten als Liebhaber des Wichtigen“ bewundert haben soll.
Blüm definiert den Dilettant so: „Der Dilettant ist ein Mensch der den Wald sieht. Der Fachmann sieht vor allem die Bäume. Während die professionellen rechtskundigen, die Paragraphen und ihre Anwendungen studieren, versucht der Dilettant zu klären, welchen Sinn das Ganze hat.“

Auch ich sehe mich als DVAG-Kunde und Technikjournalist als Dilettant in Finanz- und Rechtsfragen. Auch ich habe, den Eindruck, dass sich die Fachleute zu wenig mit dem Gesamtbild ihres Handelns beschäftigen.

Der ehemalige Bundesarbeitsminister beschreibt an konkreten Beispielen, wie Kanzleien bei der Formulierung von Gesetztestexten mitarbeiten und damit einen Wissensvorsprung haben, um später Unternehmen zu beraten. Er schreibt darüber wie Gesetze schreibende Rechtsanwälte als Gutachter in Parlamentsausschüssen auftreten und vieles mehr.
Wie mehrfach geschrieben, habe ich nicht vor meinen Dienstleister zu verklagen. Mir ist es wichtiger meine Erkenntnisse für andere Menschen zu dokumentieren.
Andere wie der Drogerie-König Erwin Müller haben dagegen anscheinend kein Problem damit, ihren Dienstleister zu verklagen. Im Beitrag „Auf Kosten der Steuerzahler“ beschreibt die Süddeutsche Zeitung vom 13. Juli 2015 auf Seite 17, wir der Unternehmer dessen Filialen jährlich 4 Milliarden Euro erwirtschaften gegen seine Hausbank Sarasin klagt, die ihm Fonds mit Jahresrenditen von 40% versprochen hatte. Dem Unternehmer sei allerdings bewusst gewesen, dass dies nur durch „steuerliche Aggressivität“ möglich gewesen sei.

Vor dem Gesetzt sind alle gleich heißt es. Dennoch haben nicht alle die gleichen Chancen.

„Die Menschheit hat lange, lange Zeiten gebraucht und viele Mühen erduldet, um ‚Rechtsgleichheit‘ zu lernen, die aller Hierarchien relativierte“, schreibt Blüm.

Ich sage: Wir haben zwar noch demokratische Strukturen. Das bleibt aber nur so, wenn viele Menschen die Demokratie mitgestalten.

Viele Grüße,
V. F. Alle

Für die Leser, die sich fragen, was das mit meinem Dienstleister zu tun hat:
Mein Dienstleister pflegt beste Kontakte zur Politik. Er unterstützt einen Lehrstuhl für Rechtsfragen und wird seit einer Gesetzesänderung 2013 weder von der Finanzaufsicht noch vom örtlichen Ordnungsamt überwacht, sondern von der regionalen Industrie- und Handelskammer. Zufall?

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Ein Gedanke zu „Einspruch! Wie der Faden eines Wollpullovers

    […] wie Norbert Blüm in seinem Buch „Einspruch! : Wider die Willkür an deutschen Gerichten“, nennt Uwe K. einige Beispiele die verdeutlichen, dass Recht haben und Recht bekommen immer noch […]

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