Wie erkenne ich Menschlichkeit? Wo bleibt die Fehlerkultur?

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Ein Leser meins Blogs meint, dass einiges was hier im Blog und in den Kommentaren steht, nichts mit Menschlichkeit zu tun hat. Ich nehme den Hinweis ernst.

Also noch einmal kurz auf Anfang: Ich habe mich selbst nach dem Jahr 2001 von der DVAG angezogen gefühlt, weil mir Menschlichkeit wichtig ist und ich diese bei Banken nicht zu finden glaubte. Noch heute wirbt die DVAG mit dem Leitspruch des Unternehmensgründers. https://www.dvag.de/dvag/unternehmen/gesellschaftliche-verantwortung/

Meine Motive habe ich hier zusammengefasst (Kurz gefasst ging es darum, mit einer Erbschaft mehrere über die DVAG laufende Darlehen abzubezahlen): https://vfalle.wordpress.com/einfach-nur-schulden-begleichen-was-ist-passiert-teil-2/

2012 musste ich feststellen, dass mein Berater zwar aus meiner Sicht menschlich handelte, aber nicht die DVAG-Führung. Damals stellte sich heraus, dass das Geld zur Tilgung meiner Darlehen nicht fristgerecht zur Verfügung stand. Mein Berater bekam gesundheitliche Probleme und die DVAG-Führung tat so als ginge sie das alles nichts an. Siehe: https://vfalle.wordpress.com/2013/07/03/keiner-ist-verantwortlich-der-kunde-wollte-es-ja-so-teil-6/

Hatte ich da etwas falsch verstanden, oder sollte der Leitspruch meines Finanzdienstleisters inzwischen mehr Werbung als gelebte Unternehmenskultur sein?

In der Biografie von Dr. Reinfried Pohl fand ich einen Hinweis der mich stutzig machte:
Im Konstrukt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) trägt nach Vorstellung von Dr. Pohl allein der Vermögensberater das Risiko. O-Ton Prof. Pohl: “Ein Vorteil des strukturierten Systems ist, dass derjenige, der einen Fehler macht, sich selbst bestraft. … … Wer Fehler macht, muss dafür den Kopf hinhalten, das ist doch logisch.” (Quelle: Reinfried Pohl “Ich habe Finanzgeschichte geschrieben”, 5. erweiterte Ausgabe, Seite 39, ISBN978-3-455-50198-8) und “Es ist ein Vorteil, dass alle unsere Mitarbeiter Selbständige sind, … … Bei uns wirkt sich Fehlverhalten sofort aus, nach dem Motto: Du musst den Schaden selbst bezahlen.”

Vergleiche: https://vfalle.wordpress.com/2013/09/22/mit-abstand-klarer/
Für die Werbung sind solche Aussagen natürlich ungeeignet.

Da erst wurde mir klar, dass es sich bei der DVAG in Wirklichkeit nicht um eine familiäre Organisation handelt, obwohl sie als Familienunternehmen damit wirbt. Die Mitarbeiter fühlen sich zwar zugehörig und treten unter dem Logo der Großen Marke auf. So wird es auch von den Kunden wahrgenommen. Tatsächlich tragen die Vermögensberater das Risiko zunächst alleine, wenn etwas schief läuft. Bei Bankangestellten ist das übrigens anders. Da muss die Bank im Schadensfall gegenüber dem Kunden für den Mitarbeiter gerade stehen.

Ich kenne viele familiengeführte Mittelständler. Ein solches Verhalten wäre für diese undenkbar. Denn sie haben eine andere Fehlerkultur als die DVAG. Weil jeder Mensch (auch die Führungskräfte) Fehler macht, wird dort offen mit Fehlern umgegangen. Denn nur so lässt sich vermeiden, dass sich bekannte Fehler an anderer Stelle wiederholen.

Der Geist von Dr. Reinfried Pohl scheint mir, eine Selbstreflexion innerhalb der DVAG zu verhindern. Das ist übrigens kein Einzelfall. Von einem Theologen und Managementberater habe ich kürzlich erfahren, dass viele Top-Manager mit der Selbstrefelxion Probleme haben.

Wohin so etwas führen kann, zeigt sich gerade beim Dieselskandal und beim Fifa-Skandal. Bei VW bangen nun tausende einfache Mitarbeiter um ihre Jobs, weil einzelne Menschen unmoralisch gehandelt haben.
Bei der Fifa ist sich die Führung keiner Schuld bewusst. Jahrelang (vielleicht sogar Jahrzehnte) hatte man schon so gehandelt wie heute. Doch bis jetzt hatte das niemanden interessiert.

Zurück zur DVAG:
Auch die aktuelle DVAG-Führung schreibt sich die altbekannten Werte auf die Fahne, wie eine Pressemeldung aus diesem Jahr zeigt. http://www.presseportal.de/pm/6340/3061240
Andreas Pohl, der Sohn des DVAG-Gründers, wird darin wie folgt zur Unternehmenskultur zitiert:

„Als familiengeführtes, börsenunabhängiges Unternehmen steht die Deutsche Vermögensberatung seit 40 Jahren für Kontinuität und Verlässlichkeit – für unsere Vermögensberater, unsere Kunden und unsere erstklassigen Produktpartner. Auch die Unternehmenskultur der DVAG ist einzigartig: Wir sind leistungsorientiert. Wir sind menschlich. Wir sind stark.“

Ebenso wird auf der Karriereplattform Kununu mit „Menschlich Stark Leistungsorientiert“ sowie einer vollen Punktzahl für die DVAG geworben. Haben die vielleicht aus der Pressemeldung abgeschrieben?
http://www.kununu.com/de/all/de/bf/deutsche-vermoegensberatung/a/T0xhUlxy

Von den 220 meist übermäßig positiven Kommentaren, finde ich die kritischen Bewertungen sowie die Antworten der DVAG dazu interessant. http://www.kununu.com/de/all/de/bf/deutsche-vermoegensberatung/kommentare?feedback=1#/nav Mittelmäßige Bewertungen scheint es auf dem Portal zu DVAG nicht zu geben.

Interessant finde ich auch eine Meldung der DVAG von September, dass der Finanzdienstleister nun ins Inkassogeschäft eingestiegen ist. Dass das Unternehmen gut darin ist, Geld einzusammeln, das kann ich als DVAG-Kunde bestätigen. Nun geht es also darum, Forderungen anderer einzutreiben. Das ist sicher auch eine wichtige Aufgabe und entlastet kleinere Unternehmen, die dafür keine Ressourcen haben. Menschlichkeit dürfte in dem Geschäft allerdings eher hinderlich sein.
https://www.deutsche-verrechnungsstelle.de/?gclid=CImlmMvOucgCFYU_GwodZaYJqg

"Mit der Deutschen Verrechnungsstelle erweitert die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) ihr Allfinanzangebot um einen einzigartigen Service im professionellen Rechnungsmanagement."  Quelle (Text und Foto): Deutsche Vermögensberatung
„Mit der Deutschen Verrechnungsstelle erweitert die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) ihr Allfinanzangebot um einen einzigartigen Service im professionellen Rechnungsmanagement.“ Quelle (Text und Foto): Deutsche Vermögensberatung AG

Inzwischen habe ich den Eindruck, dass meine Wahrnehmung wohl etwas getrübt war, als ich Kunde der DVAG wurde und der DVAG später auch noch eine große Erbschaft anvertraute. Ich habe einfach nicht das ganze Bild gesehen. Vielleicht habe ich es auch nicht sehen können.

Wer sich mit der Trübung der Wahrnehmung aus psychologischer Sicht beschäftigen möchte, dem Empfehle ich den folgenden Beitrag:

Es reichen die ersten 5 Minuten um zu verstehen, wie sich Informationen durch weglassen von einzelnen Teilen konzeptualisieren lassen.

Auch interessant: Sowohl Führungskräfte als auch die „Masse“ machen Fehler. Das erkannte schon der griechische Historiker Thukydides (etwa 400 v.Chr.).
Die Folgerung daraus: „Jede ,gute‘ Organisation muss den Schwachstellen menschlicher Natur Rechnung tagen.“

Dann ist es auch für mich eine menschliche Organisation.

Viele Grüße,
V. F. Alle

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Ein Gedanke zu „Wie erkenne ich Menschlichkeit? Wo bleibt die Fehlerkultur?

    […] später allerdings erkennen müssen, dass das Unternehmen und ich offensichtlich unterschiedliche Familienbilder […]

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