„Dicke Freunde“ – Ich konnte mir nicht vorstellen …

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Ich konnte es mir nicht vorstellen, …

Dieser Satzanfang war in den vergangenen Tagen sinngemäß öfter zu hören und zu lesen, insbesondere aus der BILD-Gruppe.
Da konnten sich einige Herren nicht vorstellen,  dass ihnen ihr „Freund“ Franz Beckenbauer nicht die ganze „Wahrheit“ zum WM-Sommermärchen erzählt hat. In vorderster Reihe Bild-Chefredakteur Draxler:

Ich hätte es mir nie vorstellen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass Deutschland die WM 2006 auf saubere Art und Weise bekommen hat.

Siehe: http://www.bild.de/sport/fussball/nachgehakt/kommentar-von-alfred-draxler-43337476.bild.html
Oder kritisch analysiert:  http://www.bildblog.de/73739/der-hofnarr-des-kaisers/

Das Manager Magazin titelte diese Woche „VW – Nichts ist unmöglich“ und die Wirtschaftswoche „Ziemlich beste Freunde“ zur engen Verbindung zwischen Politik und VW-Spitze. Auch da hatten sich viele nicht vorstellen können,  was nun nach und nach veröffentlicht wird.

Für mich schließt sich hier ein Kreis. Als ich die Recherchen zu meinem Finanzdienstleister Deutsche Vermögensberatung (DVAG) begann, konnte ich mir auch vieles nicht vorstellen, z.B. dass mein Finanzdienstleister im Gegensatz zu Banken nicht von der Finanzaufsicht (BaFin) werden könnte.
Ich hatte in meinem dritten Blogbeitrag „Nichts ist unmöglich. ..“ (Toyota-Werbespruch) sogar selbst die Verbindung zur Automobilindustrie hergestellt, wo es zum Schutz der Verbraucher schon lange eine Produkthaftung gibt.

Nur wenige Jahre später muss ich erkennen, dass Mechanismen die in der Finanzbranche funktionierten, längst auch in anderen Branchen zu finden sind.
Für mich als Ingenieur (und Journalist) ist es betrüblich, das dabei nicht mehr die beste Leistung (Produkt und Dienstleistung) über Erfolg und Misserfolg entscheiden, sondern immer öfter das beste Marketing und das einflussreichste Netzwerk.
Hier geht es gerade um die Grundwerte unsere Gesellschaft.

Und noch etwas fällt auf:
Die Qualität von Freundschaften zwischen Alpha-Tieren ist sehr unterschiedlich. Der Deutsche Fußballbund (DFB) und dessen ehemaligen Präsidenten Niersbach sind ein Beispiel. Von Niersbach haben sich viele „Freunde“ oder besser Weggefährten inzwischen distanziert.

Altkanzler Kohl schweigt dagegen bisher beharrlich,  was die Großspender seiner Partei angeht. Dabei haben Lobbyismuskritiker längst aufgedeckt, wie mein Dienstleister DVAG die Partei Kohls unterstützt. Kohl war übrigens ein enger Freund von DVAG-Gründer Reinfried Pohl und Kohl ist ein enger Freund von Bild-Chef Kai Diekmann. Das ist wohl auch der Grund warum es einige gemeinsame Werbeaktionen des Finanzdienstleisters und der Zeitung gibt. Gleichzeitig gibt es bei Bild keine kritischen Berichte bezüglich meines Finanzdienstleisters.

Männerfreunde: Finanzvertriebsgründer Pohl (links) mit den Politikern Kohl und Bouffríer. Das Bild wurde aus Fotorechtlichen Gründen verfremdet. Das Original ist über den einkopierten Link zu finden.
Männerfreunde: Finanzvertriebsgründer Pohl (links) mit den Politikern Kohl und Bouffier. Das Bild wurde aus fotorechtlichen Gründen verfremdet. Das Original ist über den einkopierten Link zu finden.

http://www.bild.de/regional/frankfurt/helmut-kohl/fg-20902926.bild.html

Mir haben diese Entwicklungen verdeutlicht, dass alle Menschen Fehler machen. Einigen fällt es allerdings schwerer, Fehler einzugestehen. Patriarchen verhindern dabei eine offene Fehlerkultur. Das deutet sich im Moment z.B. bei VW im Manipulationsskandal an.

Das sehe ich aber auch bei meinem Finanzdienstleister. Der veranstaltet zwar tolle Partys für seine Handelsvertreter, setzt sich aber vehement dagegen ein, dass diese ihre Interessen (und möglicherweise auch die Interessen ihrer Kunden) in einer Interessenvertretung bündeln. Denn obwohl über 30 000 Menschen für die DVAG arbeiten, gibt es dort weder einen Betriebsrat noch eine ähnliche Institution. Auch das hatte ich mir vor wenigen Jahren nicht vorstellen können. Auch das könnte künftig noch „Vorbild“ für andere Branchen werden.

Es ist immer blöd von Freunden getäuscht und ausgenutzt zu werden. Das schmerzt besonders. Ich bin gespannt, welche Konsequenzen die Betroffenen nun daraus ziehen.

Viele Grüße,

V.F. Alle

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