Monat: Dezember 2015

Vertrauen und Verantwortung –Teil 2: Wer hat hier was falsch verstanden?

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Menschen vertrauen anderen Menschen, insbesondere Gleichgesinnten und besonders Freunden.
„Echte Freunde kann niemand trennen“, sang Franz Beckenbauer einst und unterschrieb nach eigener Aussage später für seine Freunde gutgläubig Verträge im Vorfeld der WM-Vergabe 2006.
Auch mein Finanzdienstleister hat gute Freunde, musste ich feststellen. Und ich musste feststellen, dass deren Fehleinschätzungen im Gegensatz zu meinen Fehleinschätzungen bisher weniger Konsequenzen hatten.

PohlGeburtstagCollage3

Nebenbei bin ich zu Erkenntnis gelangt, dass das eigentliche Problem unseres Landes nicht die Flüchtlinge sind, sondern die finanzielle Umverteilungen in der Mittelschicht. Während viele noch daran glauben, dass sie es mit harter Arbeit und finanziellen Geschick schaffen ihren Wohlstand zu mehren oder zumindest zu halten, werden die bescheideneren Menschen inzwischen nach unten durchgereicht.

Ich möchte das anhand meiner persönlichen Erlebnisse und Recherchen verdeutlichen.
Unter den sechs Protagonisten dieser Recherchen sind fünf Juristen und eine Physikerin. Fünf davon sind hochrangige (Ex-Politiker)

Ich glaubte vorsichtig zu sein, als ich meinem Finanzdienstleister der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) eine Erbschaft zur Tilgung meiner über das Unternehmen laufenden Darlehen anvertraute. Mir schien die DVAG auch durch die guten Kontakte zur CDU/CSU damals vertrauenswürdiger zu sein als Banken. Die Finanzkrise 2008/2009 bestärkte mich zunächst in dieser Einschätzung. Erst als deutlich wurde, dass mir mein Vermögensberater trotz ausreichenden Vermögens nicht bei der Tilgung meiner behilflich sein konnte, fragte ich bei der Unternehmensspitze genauer nach.

Weil mir die DVAG-Spitze – ich hatte u. a. Dr. Reinfried Pohl (Jurist) mehrfach persönlich angeschrieben – bis heute nicht sagen kann, was ich noch hätte tun können, damit die DVAG mein Hauptziel Schuldenfreiheit versteht, habe ich irgendwann die Politiker angeschrieben, die das System unterstützen.

Den Anfang machte ich beim DVAG-Aufsichtsrat und Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel (Jurist). Der antwortete mir, dass er sich beim Aufsichtsratsvorsitzenden erkundigt habe. Der Aufsichtsratsvorsitzende zu diesem Zeitpunkt war Friedrich Bohl, Ex-Kanzleramtschef unter Helmut Kohl – und wie Kohl ein Jurist. Die Antwort von Dr. Waigel lautete kurz gefasst: Die DVAG habe mir schon zwei Mal geantwortet und er könne auch nicht mehr für mich tun.

DVAG-Waigel

Also schrieb ich an den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (Jurist), der den DVAG-Gründer Reinfried Pohl Ende 2012 für sein „soziales Engagement“ mit dem Verdienstorden des Landes Hessen ausgezeichnet hatte. Ich wollte in erster Linie mit meinem persönlichen Beispiel auf den Widerspruch zwischen dem Auszeichnungsgrund und meiner Realität hinweisen.

DVAG_Bouffier
Das Schreiben vom Ministerpräsidenten verwies mich wiederum im April2013 an die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin), die zu dem Zeitpunkt nach meinen Recherchen nicht mehr für die DVAG zuständig war. Natürlich weiß ich, dass solche Schreiben gewöhnlich von Büromitarbeitern geschrieben und dann zur Unterschrift vorgelegt werden. Deshalb habe ich per Fax auf die Fehleinschätzung hingewiesen und keine erneute Rückmeldung mehr erhalten.

Dafür zitierte die DVAG im April 2013 die Bundeskanzlerin (Physikerin) in einer Pressemitteilung (siehe Bild 1) mit einer sehr positiven Einschätzung des Finanzvertriebs. Knapp vier Wochen später sprach sich die Bundeskanzlerin bei ihrem Papstbesuch für eine „stärkere Regulierung der Finanzmärkte“ aus. Auch das ist ein Widerspruch, über den ich die Bundeskanzlerin aufklären wollte. Doch sie ist laut Antwort aus dem Kanzleramt nicht dafür zuständig.

DVAG_Kanzleramt-Ausschnitt
Auch das nachfassen, mit der Frage wie jemand für die eigenen Worte nicht zuständig sein kann, brachte keine wirkliche Klärung.

Stattdessen bekam ich später vom Finanzministerium die Rückmeldung, dass mir die DVAG ja bereits geantwortet habe – soweit so identisch zur Aussage von Ex-Finanzminister Dr. Waigel. Das Finanzministerium könne mir nicht helfen, ich könne aber gegen meinen Finanzdienstleister vor Gericht klagen.
Zum Thema Vertragsunterlagen: Ich hatte mir tatsächlich zwar den Vertrag für den SEB Immoinvest durchgelesen, nicht aber den Verkaufsprospekt. Der war allerdings in einem Satz zum Bestandteil des Vertrages erklärt worden. Juristisch ein genialer Schachzug. Leider bin ich kein Jurist.

Warum erkennen weder die Politiker noch mein Finanzdienstleister, dass ich der „Beratung aus einer Hand“ vertraut hatte, weil ich eben nicht mit verschiedenen Dienstleistern vor Gericht darüber streiten wollte, warum ich meine Ziele mit ihnen nicht erreicht habe.

Die vielen Fehleinschätzungen und Widersprüche auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin, haben vorwiegend negative Auswirkungen für mich sowie andere DVAG-Kunden. Auch für gutgläubige Vermögensberater und die ganze Finanzbranche könnte das mittelfristig negative Auswirkungen haben.

Mir wurde erst durch die Recherche bewusst, dass hier vorwiegend Juristen im Spiel sind. Merkwürdigerweise hatte sich meine juristische Position gegenüber der DVAG mit der Zeit immer weiter verschlechtert, statt – wie ich nach der Finanzkrise vermutete – verbessert.

Inzwischen weiß ich, dass ich kein Einzelfall bin. Besonders bezüglich des SEB Immoinvest gibt es mehrere Hundert Klagen gegen die DVAG. Für manche mögen die finanziellen Konesquenzen sogar  ernster sein als für mich. Deswegen mag ich nicht klagen – nur über meinen speziellen Fall berichten.

Möglicherweise ist den handelnden Politikern nicht bewusst, was die enge Freundschaft zwischen Politikern und Finanzbranche für das Volk bedeutet. Und möglicherweise sehen sie deshalb nicht, welcher Handlungsdruck inzwischen an der Stelle besteht. Zur Krönung sagte mit ein Lokalpolitiker auf einer Wahlkampfveranstaltung sinn gemäß: „Das ist doch normal.“

Durch ein solches Verhalten auf politischer Ebene entsteht in der gesellschaftlichen Mitte ein Vakuum. Die Menschen orientieren sich dabei immer stärker nach rechts bzw. nach links und radikalisieren sich im schlimmsten Fall. Ich halte keinen dieser Wege für eine Lösung: Denn eine Revolution zerstört immer auch viel Gutes.

Ich habe mehrfach meine Gesprächsbereitschaft signalisiert. Doch bisher haben weder die Vorstände meiner Finanzdienstleister noch die Politiker ein Interesse an meinen Erfahrungen gezeigt.

Ich wünsche eine besinnliche Weihnachtszeit
V. F. Alle

 

Protagonisten und ihr Studium:

  1. Prof. Dr. Reinfried Pohl (Der DVAG Gründer studierte um 1950 Rechtswissenschaften in Marburg)
  2. Helmuth Kohl (studierte ab 1950 Rechtswissenschaften in Frankfurt/Main)
  3. Dr. Theo Waigel (studierte ab 1959 Rechts- und Staatswissenschaften in München sowie Würzburg)
  4. Friedrich Bohl (studierte Rechtswissenschaften in Marburg, 2. Staatsexamen 1972)
  5. Volker Bouffier (studierte Rechtswissenschaften in Gießen, Staatsexamen 1977)

 

Nebenbei bemerkt:

Die DVAG rühmt sich damit durch Investitionen in die Ausbildung von Vermögensberatern Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig hat der DVAG-Partner Deutsche Bank die Reduzierung von Arbeitsplätzen angekündigt. Als einen Grund nennt der Bankvorstand die strengere Regulierung von Banken. Da die DVAG nicht von der BaFin überwacht wird ist sie im Vorteil. Zudem tritt die DVAG zwar nach außen als großes Unternehmen auf, im Fall von mutmaßlicher Falschberatung steht der Berater als (eigenständiger) Handelsvertreter  aber zunächst allein da. Die DVAG spricht dann gerne von Einzelfällen. Außerdem wehrt sich die DVAF-Führung gegen die Gründung einer Interessenvertretung von Vermögensberatern. Die Postition der Arbeiter bzw. Vermögensberater gegenüber der Dachorganisation ist also schwächer als bei den Banken, bei denen es andere Verträge und ein Recht auf Betriebsräte gibt.
Das ist für mich eine Täuschungder Kunden und der potenziellen Mitarbeiter. Für mich passt das weder mit den Werten sozialdemokratischer noch mit den Werten christdemokratischer Politik zusammen, die die Parteien nach der Gründung der Bundesrepublik prägten.

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Zwischenruf: Terminsache zum SEB Immoinvest

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Meinen längst angekündigten Folgebeitrag zu „Vertrauen und Verantwortung“ habe ich zwar schon fertig. Doch beschäftigte mich in den vergangenen Tagen noch eine Terminsache zum SEB Immoinvest.

Am 12. Dezember 2015 erreichte mich ein Kaufangebot von der Burlington Loan Management LTD für meine SEB-Immoinvest-Anteile. 22,76 € bot das Unternehmen je Anteil. Zum Vergleich: Ende 2007 war der Rücknahmekurs knapp über 55 €.

Interessant ist, dass das Angebot von Burlington Loan Management kurz nach bekanntwerden des Verkaufs der Immobilen am Potsdamer Platz in Berlin an die Anleger rausgegangen ist. Dadurch ist eine erhebliche Ausschüttung zu erwarten ist.
https://www.test.de/Offene-Immobilienfonds-SEB-ImmoInvest-macht-milliardenschweren-Deal-4942788-0/

Das sind wohl die Geier von denen der Chefvolkswirt sprach, den ich nach der Einschätzung des DVAG-Chefvolkswirtes (im Jahr 2012) um eine zweite Meinung gebeten hatte. Jetzt verstehe ich auch, warum meine Beiträge über den SEB Immoinvest in den vergangenen Tagen plötzlich so intensiv angeklickt wurden.

 

Warum bekam ich das Schreiben viel später als andere Anleger?

Die Santander Bank (ehemals SEB Bank) hatte das Schreiben mit dem Termin zum 16.Dezember 2015 laut Briefkopf am 17. November 2015 losgeschickt.

Der Brief ging, wie bereits 2012 die Schreiben zur Ablösung meiner Hausdarlehen, zunächst dorthin, wo ich vor dem Kauf eines Eigenheims wohnte. Obwohl ich das seit 2012 mehrfach reklamiert hatte und obwohl mir gesagt wurde, dass das geändert sei, ist immer noch meine alte Adresse im System der Santander Bank.

Erst konnte die Bank und die Deutsche Vermögensberatung nicht verstehen, dass ich mit meiner Erbschaft vorrangig mein Haus abbezahlen wollte und bis jetzt kann die Bank nicht verstehen, dass ich schon seit über 13 Jahren eine andere Adresse habe.

 

Ich bin fassungslos

V. F. Alle

 

Nachtrag vom 23.12.2015:

Die Reaktion der Santander Bank auf meine Beschwerde lies nicht lange auf sich warten. Allerdings kam wie bereits 2012 auf meine Beschwerde über den Vertriebspartner DVAG zunächst einmal ein Textbaustein.

santander

Zwischenruf: Wann wird aus Tricksen Betrug?

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Bei meinem Faktencheck für meinen nächsten Beitrag bin ich auf einen interessanten Text im DVAG-Blog vom 22. Mai 2015 gestoßen. Darin heißt es unter dem Titel „Beratungs- und Servicequalität“:

„Es gibt viele Indikatoren für die Qualität von Beratung und Service in der Finanzbranche. Ohne Zweifel einer davon: Die Beschwerdequoten, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) jährlich für die Versicherer ausweist.“

Erst später wird deutlich, dass es hier nicht um die DVAG selbst geht, sondern um den Partner Aachen Münchener, der in dieser Statistik sehr gut abgeschnitten hat.
Der Autor, DVAG-Vorstandsmitglied Dr. Helge Lach, kommt am Schluss zum Urteil:

„Ein Erfolg, über den sich beide Seiten freuen dürfen: Die AM Leben, die offensichtlich exzellenten Kundenservice leistet. Und die Vermögensberater der DVAG, die erstklassig beraten.“

DVAG-Blog-ServiceQualität-KL

Aussschnitt aus dem DVAG-Blog. Quelle: http://www.dvag-unternehmensblog.de/tag/beschwerdestatistik/

Die eigentliche Nachricht lautet: (DVAG-Premiumpartner) Aachen Münchener hat geringe Beschwerdequoten bei der Finanzaufsicht BaFin. Flüchtige Leser verbinden allerdings schnell DVAG, Finanzaufsicht und hohe Beratungsqualität. Das menschliche Gehirn vereinfacht eben gerne und interpretiert dann die Wissenlücken. Tatsache ist allerdings, dass die BaFin gar nicht für die DVAG zuständig ist.
Von dem erstklassigen Service der Versicherung auf die Qualität der Beratung durch die Vermögensberatung zu schließen, ist der zweite Fehler.
Als mir meine DVAG-Berater nicht mehr weiterhelfen konnte, wurde ich von einem freundlichen Mitarbeiter von der Aachen Münchener beraten – ein Pluspunkt für die Versicherung. Von einem Bekannten aus der Versicherungsbranche weiß ich inzwischen,  dass sich die DVAG das sogar von den Partnern vertraglich zusichern lässt. Als es knifflig wurde, bekam ich allerdings kommentarlos einen anderen Ansprechpartner. Das wiederspricht komplett dem DVAG-Werbeversprechen der Beratung aus einer Hand bzw. durch einen Vermögensberater.

 

Noch aktueller ist folgendes Beispiel:

In einem Beitrag vom 1. Dezember macht sich der DVAG-Vorstand mit einem Zitat aus der Bild-Zeitung über die Sparkassen lustig. Dort wurde geschrieben:

“Wo gibt es, wenn´s um Geld geht, neutralen Rat zu fairen Preisen? Bestimmt nicht bei der Sparkasse”

Als Kunde beider Finanzdienstleister finde ich das nicht lustig. Inzwischen komme ich zu dem Schluss, dass ich bei meiner Sparkasse besser beraten bin.
Das Fazit vom DVAG-Vorstand zum Bild-Beitrag lautet dagegen:

„Ein Vermögensberater bietet alles aus einem Kopf: Mit unserem branchenübergreifenden, seit 40 Jahren erprobten Konzept der Allfinanzberatung.“

Das hatte ich allerdings gerade anhand meiner Erfahrungen widerlegt.

DVAG-Blog-Sparkasse

Quelle: http://www.dvag-unternehmensblog.de/2015/12/01/wenns-ums-geld-geht/

Ich habe den Eindruck, dass immer mehr getrickst und getäuscht wird, nicht nur in der Finanzbranche.
Darauf deutet auch eine Befragung der Personalberatung LAB & Company hin, über die Spiegel-Online gerade (am 3. Dezember 2015) berichtet hat. Die Berater sehen einen „Trend zu unmoralischerem Verhalten“.
Besonders betroffen seien Versicherer gefolgt von Banken und der Automobilindustrie. Als Gründe werden Kostendruck und Realitätsverlust genannt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen-foulspiel-gehoert-immer-haeufiger-zum-alltag-a-1065876.html

Machen wir uns nichts vor: Produkte werden immer ähnlicher, Produktverbesserungen immer teurer. Da lohnt es sich die Bedürfnisse potenzieller Kunden zu identifizieren und zumindest den Anschein zu wecken, diese am besten erfüllen zu können. Rhetorische Tricks sind ein Mittel dazu, Kundendaten sammeln und analysieren ein anderes. Das haben inzwischen viele Branchen erkannt. Dessen sollten sich alle Verbraucher bewußt werden.

 

Viele Grüße

V. F. Alle

 

Fußnote:

Die Verbraucherzentrale, habe ich über dieaus meiner Sicht mangelhafte Überwachung der DVAG und des Finanzvertriebs informiert. Auch dort sieht man das kritisch, verweist allerdings darauf keinen direkten Einfluss auf die Gesetzgebung (Legislative) nehmen zu können.