Zwischenruf: Wann wird aus Tricksen Betrug?

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Bei meinem Faktencheck für meinen nächsten Beitrag bin ich auf einen interessanten Text im DVAG-Blog vom 22. Mai 2015 gestoßen. Darin heißt es unter dem Titel „Beratungs- und Servicequalität“:

„Es gibt viele Indikatoren für die Qualität von Beratung und Service in der Finanzbranche. Ohne Zweifel einer davon: Die Beschwerdequoten, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) jährlich für die Versicherer ausweist.“

Erst später wird deutlich, dass es hier nicht um die DVAG selbst geht, sondern um den Partner Aachen Münchener, der in dieser Statistik sehr gut abgeschnitten hat.
Der Autor, DVAG-Vorstandsmitglied Dr. Helge Lach, kommt am Schluss zum Urteil:

„Ein Erfolg, über den sich beide Seiten freuen dürfen: Die AM Leben, die offensichtlich exzellenten Kundenservice leistet. Und die Vermögensberater der DVAG, die erstklassig beraten.“

DVAG-Blog-ServiceQualität-KL

Aussschnitt aus dem DVAG-Blog. Quelle: http://www.dvag-unternehmensblog.de/tag/beschwerdestatistik/

Die eigentliche Nachricht lautet: (DVAG-Premiumpartner) Aachen Münchener hat geringe Beschwerdequoten bei der Finanzaufsicht BaFin. Flüchtige Leser verbinden allerdings schnell DVAG, Finanzaufsicht und hohe Beratungsqualität. Das menschliche Gehirn vereinfacht eben gerne und interpretiert dann die Wissenlücken. Tatsache ist allerdings, dass die BaFin gar nicht für die DVAG zuständig ist.
Von dem erstklassigen Service der Versicherung auf die Qualität der Beratung durch die Vermögensberatung zu schließen, ist der zweite Fehler.
Als mir meine DVAG-Berater nicht mehr weiterhelfen konnte, wurde ich von einem freundlichen Mitarbeiter von der Aachen Münchener beraten – ein Pluspunkt für die Versicherung. Von einem Bekannten aus der Versicherungsbranche weiß ich inzwischen,  dass sich die DVAG das sogar von den Partnern vertraglich zusichern lässt. Als es knifflig wurde, bekam ich allerdings kommentarlos einen anderen Ansprechpartner. Das wiederspricht komplett dem DVAG-Werbeversprechen der Beratung aus einer Hand bzw. durch einen Vermögensberater.

 

Noch aktueller ist folgendes Beispiel:

In einem Beitrag vom 1. Dezember macht sich der DVAG-Vorstand mit einem Zitat aus der Bild-Zeitung über die Sparkassen lustig. Dort wurde geschrieben:

“Wo gibt es, wenn´s um Geld geht, neutralen Rat zu fairen Preisen? Bestimmt nicht bei der Sparkasse”

Als Kunde beider Finanzdienstleister finde ich das nicht lustig. Inzwischen komme ich zu dem Schluss, dass ich bei meiner Sparkasse besser beraten bin.
Das Fazit vom DVAG-Vorstand zum Bild-Beitrag lautet dagegen:

„Ein Vermögensberater bietet alles aus einem Kopf: Mit unserem branchenübergreifenden, seit 40 Jahren erprobten Konzept der Allfinanzberatung.“

Das hatte ich allerdings gerade anhand meiner Erfahrungen widerlegt.

DVAG-Blog-Sparkasse

Quelle: http://www.dvag-unternehmensblog.de/2015/12/01/wenns-ums-geld-geht/

Ich habe den Eindruck, dass immer mehr getrickst und getäuscht wird, nicht nur in der Finanzbranche.
Darauf deutet auch eine Befragung der Personalberatung LAB & Company hin, über die Spiegel-Online gerade (am 3. Dezember 2015) berichtet hat. Die Berater sehen einen „Trend zu unmoralischerem Verhalten“.
Besonders betroffen seien Versicherer gefolgt von Banken und der Automobilindustrie. Als Gründe werden Kostendruck und Realitätsverlust genannt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen-foulspiel-gehoert-immer-haeufiger-zum-alltag-a-1065876.html

Machen wir uns nichts vor: Produkte werden immer ähnlicher, Produktverbesserungen immer teurer. Da lohnt es sich die Bedürfnisse potenzieller Kunden zu identifizieren und zumindest den Anschein zu wecken, diese am besten erfüllen zu können. Rhetorische Tricks sind ein Mittel dazu, Kundendaten sammeln und analysieren ein anderes. Das haben inzwischen viele Branchen erkannt. Dessen sollten sich alle Verbraucher bewußt werden.

 

Viele Grüße

V. F. Alle

 

Fußnote:

Die Verbraucherzentrale, habe ich über dieaus meiner Sicht mangelhafte Überwachung der DVAG und des Finanzvertriebs informiert. Auch dort sieht man das kritisch, verweist allerdings darauf keinen direkten Einfluss auf die Gesetzgebung (Legislative) nehmen zu können.

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