Vertrauen und Verantwortung –Teil 2: Wer hat hier was falsch verstanden?

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Menschen vertrauen anderen Menschen, insbesondere Gleichgesinnten und besonders Freunden.
„Echte Freunde kann niemand trennen“, sang Franz Beckenbauer einst und unterschrieb nach eigener Aussage später für seine Freunde gutgläubig Verträge im Vorfeld der WM-Vergabe 2006.
Auch mein Finanzdienstleister hat gute Freunde, musste ich feststellen. Und ich musste feststellen, dass deren Fehleinschätzungen im Gegensatz zu meinen Fehleinschätzungen bisher weniger Konsequenzen hatten.

PohlGeburtstagCollage3

Nebenbei bin ich zu Erkenntnis gelangt, dass das eigentliche Problem unseres Landes nicht die Flüchtlinge sind, sondern die finanzielle Umverteilungen in der Mittelschicht. Während viele noch daran glauben, dass sie es mit harter Arbeit und finanziellen Geschick schaffen ihren Wohlstand zu mehren oder zumindest zu halten, werden die bescheideneren Menschen inzwischen nach unten durchgereicht.

Ich möchte das anhand meiner persönlichen Erlebnisse und Recherchen verdeutlichen.
Unter den sechs Protagonisten dieser Recherchen sind fünf Juristen und eine Physikerin. Fünf davon sind hochrangige (Ex-Politiker)

Ich glaubte vorsichtig zu sein, als ich meinem Finanzdienstleister der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) eine Erbschaft zur Tilgung meiner über das Unternehmen laufenden Darlehen anvertraute. Mir schien die DVAG auch durch die guten Kontakte zur CDU/CSU damals vertrauenswürdiger zu sein als Banken. Die Finanzkrise 2008/2009 bestärkte mich zunächst in dieser Einschätzung. Erst als deutlich wurde, dass mir mein Vermögensberater trotz ausreichenden Vermögens nicht bei der Tilgung meiner behilflich sein konnte, fragte ich bei der Unternehmensspitze genauer nach.

Weil mir die DVAG-Spitze – ich hatte u. a. Dr. Reinfried Pohl (Jurist) mehrfach persönlich angeschrieben – bis heute nicht sagen kann, was ich noch hätte tun können, damit die DVAG mein Hauptziel Schuldenfreiheit versteht, habe ich irgendwann die Politiker angeschrieben, die das System unterstützen.

Den Anfang machte ich beim DVAG-Aufsichtsrat und Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel (Jurist). Der antwortete mir, dass er sich beim Aufsichtsratsvorsitzenden erkundigt habe. Der Aufsichtsratsvorsitzende zu diesem Zeitpunkt war Friedrich Bohl, Ex-Kanzleramtschef unter Helmut Kohl – und wie Kohl ein Jurist. Die Antwort von Dr. Waigel lautete kurz gefasst: Die DVAG habe mir schon zwei Mal geantwortet und er könne auch nicht mehr für mich tun.

DVAG-Waigel

Also schrieb ich an den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (Jurist), der den DVAG-Gründer Reinfried Pohl Ende 2012 für sein „soziales Engagement“ mit dem Verdienstorden des Landes Hessen ausgezeichnet hatte. Ich wollte in erster Linie mit meinem persönlichen Beispiel auf den Widerspruch zwischen dem Auszeichnungsgrund und meiner Realität hinweisen.

DVAG_Bouffier
Das Schreiben vom Ministerpräsidenten verwies mich wiederum im April2013 an die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin), die zu dem Zeitpunkt nach meinen Recherchen nicht mehr für die DVAG zuständig war. Natürlich weiß ich, dass solche Schreiben gewöhnlich von Büromitarbeitern geschrieben und dann zur Unterschrift vorgelegt werden. Deshalb habe ich per Fax auf die Fehleinschätzung hingewiesen und keine erneute Rückmeldung mehr erhalten.

Dafür zitierte die DVAG im April 2013 die Bundeskanzlerin (Physikerin) in einer Pressemitteilung (siehe Bild 1) mit einer sehr positiven Einschätzung des Finanzvertriebs. Knapp vier Wochen später sprach sich die Bundeskanzlerin bei ihrem Papstbesuch für eine „stärkere Regulierung der Finanzmärkte“ aus. Auch das ist ein Widerspruch, über den ich die Bundeskanzlerin aufklären wollte. Doch sie ist laut Antwort aus dem Kanzleramt nicht dafür zuständig.

DVAG_Kanzleramt-Ausschnitt
Auch das nachfassen, mit der Frage wie jemand für die eigenen Worte nicht zuständig sein kann, brachte keine wirkliche Klärung.

Stattdessen bekam ich später vom Finanzministerium die Rückmeldung, dass mir die DVAG ja bereits geantwortet habe – soweit so identisch zur Aussage von Ex-Finanzminister Dr. Waigel. Das Finanzministerium könne mir nicht helfen, ich könne aber gegen meinen Finanzdienstleister vor Gericht klagen.
Zum Thema Vertragsunterlagen: Ich hatte mir tatsächlich zwar den Vertrag für den SEB Immoinvest durchgelesen, nicht aber den Verkaufsprospekt. Der war allerdings in einem Satz zum Bestandteil des Vertrages erklärt worden. Juristisch ein genialer Schachzug. Leider bin ich kein Jurist.

Warum erkennen weder die Politiker noch mein Finanzdienstleister, dass ich der „Beratung aus einer Hand“ vertraut hatte, weil ich eben nicht mit verschiedenen Dienstleistern vor Gericht darüber streiten wollte, warum ich meine Ziele mit ihnen nicht erreicht habe.

Die vielen Fehleinschätzungen und Widersprüche auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin, haben vorwiegend negative Auswirkungen für mich sowie andere DVAG-Kunden. Auch für gutgläubige Vermögensberater und die ganze Finanzbranche könnte das mittelfristig negative Auswirkungen haben.

Mir wurde erst durch die Recherche bewusst, dass hier vorwiegend Juristen im Spiel sind. Merkwürdigerweise hatte sich meine juristische Position gegenüber der DVAG mit der Zeit immer weiter verschlechtert, statt – wie ich nach der Finanzkrise vermutete – verbessert.

Inzwischen weiß ich, dass ich kein Einzelfall bin. Besonders bezüglich des SEB Immoinvest gibt es mehrere Hundert Klagen gegen die DVAG. Für manche mögen die finanziellen Konesquenzen sogar  ernster sein als für mich. Deswegen mag ich nicht klagen – nur über meinen speziellen Fall berichten.

Möglicherweise ist den handelnden Politikern nicht bewusst, was die enge Freundschaft zwischen Politikern und Finanzbranche für das Volk bedeutet. Und möglicherweise sehen sie deshalb nicht, welcher Handlungsdruck inzwischen an der Stelle besteht. Zur Krönung sagte mit ein Lokalpolitiker auf einer Wahlkampfveranstaltung sinn gemäß: „Das ist doch normal.“

Durch ein solches Verhalten auf politischer Ebene entsteht in der gesellschaftlichen Mitte ein Vakuum. Die Menschen orientieren sich dabei immer stärker nach rechts bzw. nach links und radikalisieren sich im schlimmsten Fall. Ich halte keinen dieser Wege für eine Lösung: Denn eine Revolution zerstört immer auch viel Gutes.

Ich habe mehrfach meine Gesprächsbereitschaft signalisiert. Doch bisher haben weder die Vorstände meiner Finanzdienstleister noch die Politiker ein Interesse an meinen Erfahrungen gezeigt.

Ich wünsche eine besinnliche Weihnachtszeit
V. F. Alle

 

Protagonisten und ihr Studium:

  1. Prof. Dr. Reinfried Pohl (Der DVAG Gründer studierte um 1950 Rechtswissenschaften in Marburg)
  2. Helmuth Kohl (studierte ab 1950 Rechtswissenschaften in Frankfurt/Main)
  3. Dr. Theo Waigel (studierte ab 1959 Rechts- und Staatswissenschaften in München sowie Würzburg)
  4. Friedrich Bohl (studierte Rechtswissenschaften in Marburg, 2. Staatsexamen 1972)
  5. Volker Bouffier (studierte Rechtswissenschaften in Gießen, Staatsexamen 1977)

 

Nebenbei bemerkt:

Die DVAG rühmt sich damit durch Investitionen in die Ausbildung von Vermögensberatern Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig hat der DVAG-Partner Deutsche Bank die Reduzierung von Arbeitsplätzen angekündigt. Als einen Grund nennt der Bankvorstand die strengere Regulierung von Banken. Da die DVAG nicht von der BaFin überwacht wird ist sie im Vorteil. Zudem tritt die DVAG zwar nach außen als großes Unternehmen auf, im Fall von mutmaßlicher Falschberatung steht der Berater als (eigenständiger) Handelsvertreter  aber zunächst allein da. Die DVAG spricht dann gerne von Einzelfällen. Außerdem wehrt sich die DVAF-Führung gegen die Gründung einer Interessenvertretung von Vermögensberatern. Die Postition der Arbeiter bzw. Vermögensberater gegenüber der Dachorganisation ist also schwächer als bei den Banken, bei denen es andere Verträge und ein Recht auf Betriebsräte gibt.
Das ist für mich eine Täuschungder Kunden und der potenziellen Mitarbeiter. Für mich passt das weder mit den Werten sozialdemokratischer noch mit den Werten christdemokratischer Politik zusammen, die die Parteien nach der Gründung der Bundesrepublik prägten.

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