Neujahrsansprache: Nicht nur auf die „Freunde“ hören . . . oder . . . Wird der SEB Immoinvest zum DVAG-Problem?

Gepostet am Aktualisiert am

„Ich sage vor allem ein Wort: Danke“, zitiert die Bild-Zeitung die Bundeskanzlerin aus ihrer Neujahrsansprache am 31.12.2015.
„Merkel fürchtet Spaltung Deutschlands“ titelte Spiegel-Online zur Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Sie appellierte daher in der Rede für den Zusammenhalt in der Gesellschaft.
„Unsere Werte, unsere Traditionen, unser Rechtsverständnis, unsere Sprache, unsere Gesetze, unsere Regeln sind die Grundvoraussetzung für ein gutes, ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben aller“, sagte Bundeskanzlerin Merkel.

Weitgehend kann ich den Aussagen der Bundeskanzlerin zustimmen. Nur was die Werte angeht, möchte ich bitten, dass sie die Werte ihrer politischen „Freunde“ mal mit den Werten der Bundesbürger abgleicht.

 

Die Bundeskanzlerin sagte in Ihrer Neujahrsansprache 2015 auch: „Es kommt darauf an, dass wir immer auch den Argumenten des anderen zuhören, auch wenn er Sorgen und Chancen anders gewichtet, als man selbst es tut.“

Ich nehme Sie beim Wort Frau Bundeskanzlerin. Vielleicht möchten Sie sich ja 2016 mal anhören, was ich und andere zu ihren Freunden von der DVAG zu sagen haben.

 

Hier sind meine Gedanken zum Jahreswechsel:

Inzwischen sind es die Beiträge über den SEB Immoinvest, die in meinem Blog am eifrigsten gelesen werden. Mittlerweile taucht der vfalle-Blog in Suchmaschinen bei den Suchbegriffen „DVAG + SEB Immoinvest“ neben Anwaltsseiten ganz weit vorne auf. Ich danke meinen Lesern dafür.

Das war nicht immer so. 2012 wiesen nur wenige Anwaltsseiten auf die Probleme des von der DVAG als sichere Anlage vertriebenen SEB Immoinvest hin. Als ich 2013 mit dem Blog begann kamen die meisten Leser über das Forum „Geprellte Vermögensberater“. Beliebtester Beitrag in der Zeit war ein Text in dem ich den Eindruck schilderte, dass es meinem Berater schlechter geht als mir. Ich bekam damals auch einige Hinweise, die ich zu dem Zeitpunkt noch nicht richtig einordnen konnte.

Bereits im Jahr 2012 hatte die DVAG laut Handelsvertreter-Blog mit einem Beratungsleitfaden vorgebaut, mit dem Kunden zunächst beruhigt wurden. http://www.handelsvertreter-blog.de/2012/05/09/vermogensberater-erhalten-leitfaden-zum-immoinvest/
Autor des Blogs ist ein Anwalt, der Vermögensberater im Streit mit der DVAG vertritt. Daher kam ich zwischenzeitlich zu dem Ergebnis, dass kritische (Ex-) Vermögensberater zwar schon alarmiert waren, die meisten Kunden sich in den Jahren 2012 und 2013 aber noch gut beraten fühlten.

bdv-Vermoegensberater

Während ein ehemaliger Kanzleramtschef (CDU) und DVAG-Aufsichtsrat fleißig Kontakte zu aktuellen Regierungspolitikern pflegt, bangen DVAG-Kunden um einen Teil ihrer Ersparnisse. Wer 2015 über die Verhältnisse in Griechenland geschimpft hat, der sollte sich mal ansehen, was in der Bundesrepublik Deutschland inzwischen passiert.
Foto: http://www.bdv.de / Homepage des Bundesverband Deutscher Vermögensberater

Mir selbst war bereits aufgefallen, dass mir der SEB Immoinvest von meinem DVAG-Berater in unterschiedlichen Formen vermittelt wurde – und zwar direkt in Form von SEB-Immoinvest-Anteilen sowie über den DWS Immoflex von DVAG-Partner Deutsche Bank (die sich bei der DVAG mit DWS-Anteilen bedankte) und darüber hinaus in Form einer fondsgebundenenen Versicherung des DVAG-Partners Aachen Münchener.
Wer heute nach DVAG + SEB Immoinvest sucht, der findet weitere Hinweise, wie DVAG-Kunden auf unterschiedlichen Wegen in den Immobilienfonds beraten würden.
Beispiele sind Michael66 (http://www.geprellte-vermoegensberater.org/viewtopic.php?f=8&t=335&sid=7bab6442bbc0001e29ca83a1943cf70f) und der Anwalt Dr. Thomas Storch aus Berlin. Im Fall von Rechtsanwalt Storch ging es darum, dass die DVAG den Immobilienfonds „Allianz Flexi Immo C“ für die Allianz Global Investors Europe GmbH aus Frankfurt exklusiv vertrieben hat, der ebenfalls Anteile des SEB Immoinvest beinhaltete.
Goldman Morgenstern & Partners aus NewYork schreibt dazu auf seiner deutschsprachigen Homepage (http://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=1355):

„Die DVAG verkaufte bis zur Aussetzung der Ausgabe und Rücknahme von Anteilen, also dem Einfrieren des Fonds wegen massiver Liquiditätsprobleme, am 18. April 2012 genau 465.493 Anteile mit einem Fondsvermögen von 133,2 Millionen Euro und kassiert dafür weiterhin jedes Jahr eine separate Vertriebsgebühr (sie nennt sich seit dem 1. Juli 2013 Pauschalvergütung) von 1,34 Prozent.“

Jetzt wird mir auch klar, warum mich ein Informant auf die enge Beziehung zwischen dem DVAG-Management und der Fondsmanagerin des SEB Immoinvest hingewiesen hatte.
Das deutet für mich darauf hin, dass nicht einzelne Vermögensberater etwas falsch verstanden hatten, sondern es einen generellen Systemfehler im Allfinanzkonzept der DVAG gibt. Denn: Wie können mit einer begrenzten Anzahl von Produkten die individuellen Bedürfnisse von rund 6 Millionen Kunden erfüllt werden und gleichzeitig regelmäßig (auch gegen den Markttrend) Umsatzzuwächse erzielen werden? Das geht wohl nur indem dir Produkte immer wieder neu verpackt werden.

Während Kunden, die direkt in entsprechende von der DVAG vermittelte Immobilienfonds investiert haben, die Schwierigkeiten seit 2012  bereits spüren, ist das bei Versicherungskunden anders. In deren Verträgen stehen meist optimistische Entwicklungsprognosen. Die Realität wurde mir klar, als ich Versicherungsverträge bei der Aachen Münchener Versicherung (DVAG-Exklusivpartner) kündigte und mir das Unternehmen im Vorfeld nicht genau sagen konnte, was ich in dem Fall wirklich raus bekomme.

Dass die DVAG das bisher unbeschadet überstanden hat, mag auch daran liegen, dass der Unternehmensgründer Prof. Dr. Reinfried Pohl ein echter Fuchs war – und das nicht nur durch seine hervorragenden politischen Kontakte.
Obwohl Anwälte manchmal mit Sammelklagen gegen das Unternehmen werben, werden die Klagen nach meiner Kenntnis immer als in Einzelfallentscheidungen von Gerichten abgeurteilt. In der Regel wird auch nicht „die DVAG“ angeklagt, sondern der DVAG-Berater. Mein Berater machte mir z.B. klar, dass ich ihn verklagen müsse und er dann „dicht machen“ würde. Es hängt also jeweils von Anwälten und Richtern ab, wie im Einzelfall geurteilt wird. Deshalb kann die DVAG bei Problemen rein formal von „Einzelfällen“ sprechen.
Die Strategie der Vereinzelung ist übrigens eine alte Kriegstaktik. So konnte z.B. Arminus in der Varusschlacht (9 n. Chr.) die zahlenmäßig überlegenen Römer zunächst schwächen und schließlich besiegen.

Nur: Wie viele Einzelfälle ergeben ein handfestes Problem?

Im Übrigen ist es auch üblich, dass DVAG-Mitarbeiter gerne in eigene Produkte investieren, um durch die Vermittlung sowohl bei der DVAG-Zentrale Punkte zu sammeln und gleichzeitig die Provision dafür zu bekommen. Bei meinem Berater hatte ich nicht den Eindruck, dass er den Wissensvorsprung bei Bekanntwerden der bevorstehenden Fondsschließungen (in meinem Fall: SEB Immoinvest und DWS Immoflex) für sich genutzt hat. Allerdings habe ich Hinweise erhalten, dass das bei einzelnen Direktionsleitern durchaus der Fall gewesen sein soll. Das ließe sich sicher noch durch die Überprüfung entsprechender Verkaufsorder nachvollziehen.

Es bleibt also noch einiges zu tun bis April 2017. Vielleicht bin ich ja doch nicht der Einzige, der hier einen größeren Zusammenhang sieht? Der Dezember 2015 war zumindest trotz Feiertagen und Ferien der zweitbeste Monat in meiner gesamten bisherigen Blogstatistik.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Leseinnen und Lesern alles Gute für 2016
V. F. Alle

 

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