Blumen für eine Vermögensberaterin

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Blumen-MauerAlte Mauern einzureißen, das scheint alleine fast unmöglich. Mit Wildblumen wirkt die Mauer für’s Erste nicht mehr so bedrohlich. Im nächsten Schritt finden sich dann vielleicht auch die richtigen Unterstützer.

 

 

„Ich habe bald zu spüren gekommen, wie die Firma vorgeht, wenn ihre Vermögensberater unproduktiv werden.“

So schreibt eine Vermögensberaterin in einem offenen Brief an die DVAG. Der Brief wurde kürzlich auf der Homepage der unabhängigen Interessenvertretung der Handelsvertreter der DVAG (IHD) veröffentlicht.

Nach einer schweren Erkrankung hatte die Vermögensberaterin demzufolge nach  Unterstützung und Menschlichkeit im System der DVAG gesucht. Stattdessen hatte sie nach eigener Aussage zusätzlichen Druck bekommen. Siehe: http://www.ihd-ev.org/#!blank/mdzuf

Wie auch ich, hat sie inzwischen scheinbar Zweifel an der Menschlichkeit auf höheren Ebenen im System der DVAG.

Bewundernswert ist für mich, dass sie sich zu der offenen Kritik an dem Unternehmen entschieden hat, obwohl sie wirtschaftlich von der DVAG abhängig ist – trotz formaler Selbständigkeit.

Ich wünsche ihr alles Gute.

 

Mir ist inzwischen klar, dass mir die „Familie“ DVAG gefiel und ich mich deshalb bei dem Unternehmen im Jahr 2002 besser aufgehoben fand als bei einer Bank. Fast jeder Mensch sehnt sich nach Gemeinschaft und Geborgenheit. Dschungelkönig Menderes ist dafür ein prominentes Beispiel. Als Kunde der DVAG habe ich in schwierigen Zeiten später allerdings erkennen müssen, dass das Unternehmen und ich offensichtlich unterschiedliche Familienbilder haben.

Nicht nachvollziehbar sind für mich z.B. die Einschätzungen des aktuellen DVAG-Vorstandsvorsitzenden Andreas Pohl (Sohn des DVAG-Gründers) aus einem Brief an einen DVAG-Direktionsleiter. Er hält die Gründung der Interessensvertretung für Vermögensberater für eine Störung des „Betriebsfriedens unserer beruflichen Familiengemeinschaft“. Das klingt für mich wie ein festhalten am Patriarchat und damit am Familienbild seines Vaters.

Statt auch die unangenehmen Eindrücke von Vermögensberatern und ihren Kunden als Seismographen für die künftige Ausrichtung der DVAG zu nutzen, versucht Andreas Pohl in dem Brief Probleme klein zu reden und den Direktionsleiter mit folgenden Schlussworten milde zu stimmen:  „Wir freuen uns darauf, sie alle gesund und munter in Malta wieder zu sehen“

Der Brief stammt vom 25. August 2014. Und „Malta“ steht für eine Tour der DVAG mit sechs Aida-Kreuzfahrtschiffen Ende September 2014 nach Valletta.
Vielleicht hätte er vorher einmal den Brief von der IHD (mit Datum vom 13. August 2014) an ihn und den Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Bohl durchlesen sollen. Dort heißt die erste Forderung nämlich Fett und deutlich: „STATT MILLIONENVERWENDUNG FÜR LUXUSREISEN – KONKRETE NEUREGELUNGEN VON PROVISIONEN UND GRUNDSICHERUNGEN DER VB“

 

Welche Folgen eine patriarchische Führungskultur und verängstigte Mitarbeiter für ein Unternehmen haben können, hat 2015 der Dieselskandal bei VW gezeigt.
Im Gegensatz zu den zumeist festangestellten und in der Metallgewerkschaft organisierten VW-Mitarbeitern, dürften sich Probleme bei der DVAG für die vielen tausend Vermögensberater jedoch wirtschaftlich deutlich dramatischer Auswirken. Dagegen erscheint die wirtschaftliche Position im DVAG-Vorstand bei einer Unternehmenskrise deutlich komfortabler als bei den Kollegen aus der Automobilindustrie.

 

Viele Grüße, V.F. Alle

 

P.S.:

Einen Teilerfolg können Vermögensberater gegen die DVAG inzwischen verbuchen. Der Bundesgerichtshof (BGH) beurteilte kürzlich einige Passagen aus den Beraterverträgen als rechtswidrig. Die Sache hat allerdings auch einen Haken: „Dieses Einlenken der DVAG wiederum schmälert die Chancen der Vermögensberater auf eine fristlose Kündigung – und damit die Hoffnung auf einen schnellen Neubeginn“, urteil dazu FondsProfessionell-Chefredakteur Bernd Mikosch. http://www.fondsprofessionell.de/news/professionell-kommentiert/nid/was-das-bgh-urteil-fuer-dvag-aussteiger-bedeutet/gid/1024868/ref/4/
Die DVAG wollte sich auf Anfrage der Redaktion nicht zu dem BGH-Urteil äußern. 

 

 

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