Riskantes Gruppendenken

Gepostet am Aktualisiert am

Mitglieder von Gruppen fühlen sich stark. Das führt oft auch dazu, dass sich Menschen Meinungsführern in einer Gruppe anschließen um ebenfalls zu dieser Gruppe zu gehören und von ihr anerkannt zu werden.

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Warum beschäftigt sich der V.-F.-Alle-Blog nun mit dem Thema Guppendenken bzw. Group Thinking?

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Ganz einfach: Im Zusammenhang mit einer möglichen neuen Immobilienblase, bin ich in den Kommentaren zu einem Spiegel-Beitrag auf den Begriff „Gruppendenken“ gestoßen. Das Prinzip funktioniert aber nicht nur auf den oberen Schichten einer Gesellschaft (bei den Finanz-Eliten), sondern auch auf anderen Ebenen. Damit meine ich die aktuelle Flüchtlingsdiskussion, aber auch Prozesse in Unternehmen und Vereinigungen.

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Aber zunächst zum Spiegel-Beitrag über die Finanzwirtschaft. Siehe:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-wie-mario-draghi-die-naechste-immobilienblase-aufpumpt-a-1080884.html
Ein Leser schrieb dort: „Neulich gab es doch von Fleischhauer die Kolumne über Merkel in der Groupthink Falle. Bei Draghi ist es ein ähnliches Problem. Die Notenbänker der ClubMed Länder drängen auf mehr Geld damit diese Länder nicht pleite gehen und Draghi überschwemmt die Eurozone weiter mit Liquidität die keiner braucht unter dem Vorwand der Gefahr einer Deflation. Risiken und Nebenwirkungen werden ausgeblendet.“

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Der Leser bezieht sich auf folgenden Beitrag: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-steckt-in-der-groupthink-falle-kolumne-a-1078791.html
Darin schreibt Jan Feischhauer zum Einstieg: „Anfang der Siebzigerjahre stieß der US-Psychologe Irving Janis bei seiner Forschung zum Verhalten von Menschen in Gruppen auf ein Phänomen, das er Groupthink nannte. Den Anlass für seine Untersuchungen boten eine Reihe von Entscheidungen der Regierung Kennedy, die sich im Nachhinein als verhängnisvoll erwiesen.“

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Bei meinem Finanzdienstleister sehe ich ähnliche Strukturen. Diese hängen stark mit dem Netzwerkmarketing zusammen, dass ich in diesem Blog bereits thematisiert habe.

Gruppendenken
Das bedenkliche an Gruppendenken ist, dass dabei eine scheinbar demokratische Meinungsfindung zustande kommt. Tatsächlich wird die Meinung der Gruppe von einem oder wenigen Meinungsführern geprägt. Der Rest fühlt sich dabei sicher, weil seine Wahl  von der Mehrheit in der Gruppe getragen wird.

Um das deutlich zu machen, habe ich hier einmal ein paar Definitionen für Gruppendenken / Groupthink herausgesucht.
Beim Wissenschaftsmagazin Spektrum.de heißt es z.B. im Lexikon der Psychologie (siehe http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/gruppendenken/6121):

„Gruppendenken wird … … als übermäßiges Streben nach Einmütigkeit definiert. Es entsteht bei Personen, deren Harmoniestreben in hochkohäsiven Gruppen die Motivation, andere Alternativen akkurat zu bewerten, überwiegt. Gruppendenken beschreibt also einen defizitären Gruppenentscheidungsprozeß, der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einer mangelhaften Entscheidung mit zum Teil katastrophalen Konsequenzen führt.“

Etwas weniger Wissenschaftlich und damit allgemeiner verständlich sind die Definitionen und Beispiele bei Wikipedia, die zum gleichen Ergebnis kommen:

„Gruppendenken im Sinne des Groupthink tritt gehäuft in Komitees oder großen Organisationen in Erscheinung, vor allem wenn die Entscheidung abgeschottet von äußeren Einflüssen getroffen wird. In seiner extremen Ausprägung ist Gruppendenken das völlige Unterwerfen des Einzelnen unter das Denken einer Gruppe, zu der die Einzelperson gehört oder gehören will. Dabei kann es sich um eine Religionsgemeinschaft, eine Partei oder auch nur ein beliebiges Entscheidungsgremium handeln. Kritisches, hinterfragendes Denken findet dann nicht mehr statt.“

Weiter heißt es bei Wikipedia:

„Die Gefahr des Gruppendenkens besteht in seiner ausgeprägten Starrheit und Irrationalität. Verfügt eine Gruppe nicht über funktionale Mechanismen zur Anpassung der gemeinsamen Denkvorstellungen, werden diese zum Dogma erhoben, das dennoch hohe Anziehungskraft entfalten kann. Die Orientierung an einem solch wirklichkeitsfernen Dogma kann im ungünstigsten Fall bis zum Untergang der Gruppe führen.“

Ein großes Harmoniestreben sehe ich auch in der Gruppe meines Finanzdienstleisters und auch auf politischer Ebene in Deutschland sowie in Teilen Europas.
Im Nachhinein habe ich erkannt, dass das der Grund war, warum mich der Finanzdienstleister und die Politik der CDU zuvor so angezogen hatten.
Inzwischen habe ich gelernt, wie in diesen Systemen mit Erkenntnissen umgegangen wird, die nicht in das Harmonieverständnis der Gruppe passen. Sie werden teils ignoriert, weil die Mehrheit ja anderer Meinung ist oder die Verantwortung dafür wird an andere weiterdelegiert.

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Ich frage mich: Wie lange kann das noch gut gehen?

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Der Appell an meine Leser lautet daher: Bildet Euch eine eigene Meinung – auch wenn es durch die aktuelle Informationsflut schwer fällt und manche Informationen schwer zu bekommen sind. Nur so sind wirklich demokratische Entscheidungen möglich.

 

Viele Grüße

V. F. Alle

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