Riester-Rente verfehlt Erwartungen – Sorge um Altersarmut wächst

Gepostet am

Erst hatte CSU-Chef Horst Seehofer Anfang April die Riester-Rente für gescheitert erklärt und dann äußerte sich auch die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles skeptisch über die private Altersvorsorge. Im ARD-Magazin „Bericht aus Berlin“ sagte sie, dass die Riester-Rente das erhoffte Ergebnis als private Ergänzung zur gesetzlichen Altersvorsorge verfehlt habe.
Zwar wollte Nahles die Riester-Rente im Gegensatz zu Seehofer nicht für gescheitert erklären, stellte jedoch fest: „Die hochfliegenden Erwartungen, die Anfang der 2000-er Jahre mit der Riester-Rente verbunden waren, die sind eben nicht eingelöst worden.“

Nahles spricht von „Erwartungen“ und nicht von Zielen bzw. Zielvorgaben. Für mich stellt sich das die Frage, wer die Erwartungen geweckt hat. Als Riester-Renten-Kunde, weiß ich inzwischen, dass mein Finanzdienstleister (DVAG) viel Geld für Lobbyarbeit ausgegeben hat. Ich weiß nun auch, was die DVAG und ihre Partner Aachen Münchener Versicherung bei der Vermittlung der Rente allein bei mir verdient haben. Als ich den Vertrag vorzeitig kündigte verlor ich die staatliche Förderung und machte abzüglich der Vermittlungs- und Verwaltungskosten erhebliche Verluste.
Im Gegensatz zu den vielen Riester-Sparern, deren Erwartungen unerfüllt bleiben, dürften sich die Erwartungen der Finanzdienstleister nach meiner Einschätzung daher durchaus erfüllt haben. Sie haben sich ihre Erträge ja durch die Vermittlungs- und Verwaltungsgebühren bereits bei Vertragsabschluss gesichert. Die Riester-Sparer können dagegen gespannt sein, was ihre Verträge wirklich wert sind.

.

Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger übt scharfe Kritik an der Riester-Rente. Bei Spiegel-Online erschien am vergangenen Montag unter dem Titel „Die Riester-Rente muss weg“ ein Gastkommentar von ihm. Darin stellt er (wie Nahles übrigens auch) fest, dass Bezieher niedriger Einkommen sich sich bisher kaum für das Riestern begeistern ließen. „Für die Besserverdienenden dagegen ist die Zusatz-Rente ein reiner Mitnahmeeffekt“, so Bofinger. Das könnte für den Durchschnitt der Riester-Sparer zutreffen. In meinem Fall irrt sich Bofinger allerdings. Ich habe Verluste gemacht, die durch die staatlichen Zulagen zunächst kaschiert wurden.

.

Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble macht sich Gedanken über die Altersvorsorge. Den 73-jährigen beschäftigt dabei vor allem die alternde Gesellschaft. Er wirbt daher für ein höheres Rentenalter.

Was Schäuble dabei nicht bedenkt, ist die Verdichtung von anspruchvollen Tätigkeiten im Arbeitsalltag. Einfache Tätigkeiten werden inzwischen in fast allen Branchen vom Bankwesen bis hin zur industriellen Produktion automatisiert. Was für Menschen bleibt sind die anspruchsvolleren Tätigkeiten.

.

Aber Menschen sind keine Maschinen. Und selbst beim Auto würde kaum jemand auf die Idee kommen, die ganze Zeit Vollgas zu fahren. In der Arbeitswelt passiert das aber gerade. Die Zahl der Belastungserkrankungen nimmt zu. Burnout ist damit zwar kein unmittelbares Problem für die Rentenkassen, belastet dafür aber die Gesundheitssysteme. Ein Renten-Problem wird es eher für die Betroffenen, wenn sie nach einem Burnout ihre Arbeitsanstrengungen zurückschrauben müssen und dadurch auch weniger in die Rentenkassen einzahlen können.

Altersarmut-Deutschlandtrend
ARD-Deutschlandtrend vom 22.April 2016: Es glauben mehr Menschen daran, dass die Bundesregierung die Fluchtlingskrise in den Griff bekommt (46%), als dass die Bundesriegierung eine drohende Altersarmut verhindern kann (28%). Quelle: ARD-Morgenmagazin

Der diese Woche erschienene ARD-Deutschlandtrend verdeutlicht das mangelnde Vertrauen der Deutschen in ihre Regierung, die Altersarmut erfolgreich zu bekämpfen. „67 % der Bürger glauben nicht, dass die schwarz-rote Koalition eine mögliche Altersarmut verhindern kann“, heißt es in einer Pressemeldung des WDR.
Zudem macht die Umfrage deutlich: „Die Mehrheit der Deutschen (57 %), die noch keine Rente oder Pension beziehen, fühlt sich nicht genügend für die spätere Rentenzeit abgesichert.“
Nur 39 % der Befragten erwarten, dass ihre Absicherung für das Rentenalter ausreicht. Insbesondere die jüngeren Menschen sorgen sich laut dem aktuellen Deutschlandtrend vor einer möglichen Altersarmut. Bei den 18 bis 34-Jährigen sehen sich 62 % als nicht ausreichend abgesichert, von den 35 bis 49-Jährigen haben 58 % dieses Gefühl und bei den 50 bis 64-Jährigen immerhin noch jeder Zweite (51 %).

.

Wenigstens gibt es gerade Wachstum in der Natur. Dem werde ich mich jetzt widmen.

Viele Grüße,

V. F. Alle

 

Advertisements

8 Gedanken zu „Riester-Rente verfehlt Erwartungen – Sorge um Altersarmut wächst

    Josef Jehnen sagte:
    24/04/2016 um 11:56 am

    Die Riesterrente hat scheinbar nicht den Hintergrund, Alterarmut zu bekämpfen. Vor etlichen Jahren erschien vor den Bundestagswahlen eine ganzseitige Anzeige in Tageszeitungen mit dem Text: „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“. Dieser Niedersachse wurde auch gewählt und er hieß Gerhard Schröder. Der beauftragte seinen Arbeitsminister, eine kapitalgedeckte Altersversorgung zu entwickeln. Die war „rein zufällig“ zunächst nur für die Versicherungswirtschaft konzipiert. Dort wollte sie aber niemand haben, aus einem einfachen Grund: Die Provision sollte auf 5 Jahre verteilt werden. Dann gestattete man, dass die Provision zwar auf 5 Jahre verteilt werden muss, aber in einer Summe vorfinanziert werden darf. Danach sprangen vor allem die allseits bekannten Strukturvertriebe auf dieses Produkt an. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die ganzseitige Anzeige vom Oberstrucki Carsten Maschmeyer, auch ein Niedersachse mit besten Verbindungen zur Politik, finanziert worden war. Aber da ist natürlich kein Zusammenhang.

    Jessica sagte:
    24/04/2016 um 4:38 pm

    Wieso haben Sie den Riester-Vertrag vorzeitig gekündigt?

      vfalle geantwortet:
      25/04/2016 um 6:30 am

      Das habe ich getan, weil mein Hauptziel Schuldenfreiheit war. Sprich: Ich wollte mit einer Erbschaft mein Hausdarlehen abbezahlen. Nach dem Plan meines Beraters hätte es 2012 so weit sein sollen. Dann wären die Zinsen weggefallen und ich hätte die Rente aus dem monatlichen Einkommen bedienen können. Aber es kam bekanntlich komplett anders (siehe: meinen Beitrag „Einfach Schulden begleichen“) .

    Jürgen Häußler sagte:
    28/05/2016 um 2:15 pm

    Nach den sehr miserablen Erfahrungen, die ich mit meinem ehemaligen guten Freund, der ein sogenannter Vermögensberater ist (eher sein will), gemacht habe, leite ich Vermögensberater von „Um ein Vermögen beraten“ ab. Zum einen diente die „Beratung“ nur dazu ein mieses Produkt zu verkaufen und zum anderen wird dies durch ein völlig irreführende, ja sogar falsche Produktinformation unterstützt.
    Insbesondere Abschlusskosten und Provision werden hier vorsätzlich falsch erklärt und dargestellt. Hier wird der Eindruck erweckt, dass diese sehr hohen Kosten gleichmäßig über die Vertragslaufzeit abgezogen werden. Tatsächlich werden diese jedoch gezillmert, was dem faktischen Rendite-Tod gleichbedeutend ist. Das wird nicht nur (vorsätzlich) verschwiegen, sondern gezielt falsch dargestellt. Erst in dem Vertrag wird das Zillmerverfahren aufgeführt. In keinster Weise wird die tatsächliche Kostenaufteilung und der tatsächliche Sparanteil erwähnt. Ist ja auch vollkommen verständlich, dass dies vorsätzlich vermieden wird. Sonst würde niemand mehr eine Riester-, Rürup, kapitalbildende Lebensversicherung oder eine private Rentenversicherung abschließen.
    Insbesondere der Rürup-Dreck bleibt mir noch ungewollt erhalten, weil dieser Dreck unkündbar ist.
    Mich ärgert es bis an mein Lebensende, dass ich diesen Dreck bei meinem ehemaligen Freund abgeschlossen habe, und ihm und dem Versicherer vertraut habe. Das waren, sind und bleiben riesengroße Fehler und kostenintensive Irrtümer. Bleibt nur zu hoffen, dass ich diesen Provisionsaasgeier nie mehr sehen muss. Der schäbige Versicherer bleibt mir wegen dem Rürup-Dreck erhalten. Leider!
    Ich denke, dass es auch keine Rolle spielt, ob der Versicherer in Aachen, München oder sonst in irgendeiner Stadt den Sitz hat. Dreck bleibt Dreck.

      vfalle geantwortet:
      01/06/2016 um 9:43 pm

      Wenn ich Sie richtig verstanden habe, kann auch bei Ihnen nicht von „Vermögensaufbau für jeden“ die Rede sein.

      Auch ich konnte die neben der Riester-Rente abgeschlossene Rürup-Rente nicht kündigen. Dafür habe ich sie beitragsfrei gestellt.

      Gewinner ist auf jeden Fall die DVAG. Einen Teil davon bekommt sicher auch der Vermögensberater.

      Das generelle Problem bei solchen Altersvorsorgen ist, dass die Kunden erst nach vielen Jahren erfahren was Sie wirklich von dem Ersparten rausbekommen. Dann lässt sich juristisch in der Regal niemand mehr dafür belangen.

      Dummerweise hatte ich mir zusätzlich noch den SEB Immoinvest andrehen lassen. Bereits fünf jahre später (2012) wurde deutlich, dass der Fonds die Versprechen des Finanzvertriebs nicht einhalten kann. Ein Teil der Kunden klage damals direkt. Die anderen werden vermutlich 2017 erfahren, was von ihren Ersparnissen übrig bleibt. Ich bin schon gespannt, wie die DVAG dann reagieren wird.

        Jürgen Häußler sagte:
        03/06/2016 um 2:17 pm

        Nein, von einem Vermögensaufbau kann ich wirklich nicht sprechen. Ganz im Gegenteil – Vermögensvernichtung für jeden trifft es wesentlich besser.
        Die ganzen Altersvorsorgeprodukte (Riester, Rürup, private Renten- und kapitalbildende Lebensversicherung) sind einfach nur Mist, bei dem der Kunde abgezockt wird. Und so wie Sie es schreiben, kommt am Ende das bittere Erwachen.
        Mein Fazit ist klar: Nie mehr DVAG, nie mehr AachenMünchener.
        Wenn es um einen Versicherungsschutz geht, hole ich mir die notwendigen Informationen online. Dazu brauche ich dann wirklich keinen selbsternannten Vermögensberater, der über Umwege bei einem Strukturvertrieb gestrandet ist.
        So wie ich sehe, sind Sie auch auf so einen Sprücheklopfer reingefallen…

        Der einzige Vorteil ist, dass ich meinen Versicherungsbedarf überdacht habe und auch entsprechend zusammen gestrichen. Somit habe ich auch kein Risiko mehr, ob der Versicherer zahlt oder nicht zahlt. Und die eingesparten Beiträge summieren sich auch ganz schön.

        vfalle geantwortet:
        04/06/2016 um 12:21 pm

        Ja, ich bin auch reingefallen. In einer Lebensphase in der ich viel Zeit mit meinen kleinen Kindern verbringen wollte, war ich empfänglich für die „Unterstützung“ bei dem Papierkram, die mir mein Vermögensberater anbot.
        Statt ein Rundum-Sorglos-Paket bekam ich allerdings ein Paket mit vielen Nieten, die mich Geld kos(te)ten.

        Als das meinem Berater klar wurde, wollte er mir erst helfen. Als er merkte, dass er dabei keine Unterstützung von seinem Unternehmen bekam, brach der Kontakt bis heute ab. Laut seiner Sekretärin hatte er damals einen Zusammenbruch erlitten.
        Darüber hatte ich in meinem Beitrag „Meinem Berater geht es wohl schlechter als mir“ berichtet. Das brachte mir in den ersten Monaten meines Blogs viel Zustimmung von (Ex-)Vermögensberatern, die das System längst auch kritsich sehen.

        Schlimmer als die Vermögensberater, finde ich daher inzwischen die höheren Manager der DVAG und die mit der DVAG verbundenen Politiker (z.B. Helmut Kohl, Theo Waigel, Volker Bouffier und Angela Merkel). Einige von denen hatte ich im laufe meiner persönlichen Recherchen angeschrieben. Keiner schien das Problem zu erkennen. Schlimmer noch: Der DVAG-CHefvolkswirt, dem die Probleme des von der DVAG fleißig über verschiedene Produkte vermittelten Fonds SEB Immoinvest auch durch mein Schreiben bewußt sein mussten, stellte sein Unternehmen als vertrauenswürdiger dar als Banken. Siehe: http://www.mittelbayerische.de/wirtschaft-nachrichten/konservative-gewinner-der-lehman-pleite-21840-art959978.html

        Tatsächlich ist die Situation von DVAG-Kunden schlechter als die von Bankkunden. Denn bei Falschberatungen der Bank haftet die Bank. Außerdem gibt es Ombudsstellen und die Finanzaufsicht BaFin. Bei der DVAG haftet in der Regel nur der Vermögensberater. Die DVAG-Spitze hält sich bei den Risiken vornehm zurück und hat sich dank politischer Unterstützung der Aufsicht durch die BaFin entledigt.

        Deshalb bin ich gespannt, wie das 2017 mit dem SEB Immoinvest ausgeht und wie die vielen DVAG-Kunden dann reagieren. Vor allem bin ich gespannt, wie dann die hochrangigen Personen reagieren, die auf mneine Hinweise hin, keine Probleme bei der DVAG erkennen wollten.

        Auch ich habe in den vergangenen Jahren viel gelernt – vor allem, dass ich instinktiv besser gewirtschaftet hätte, als mit der „Unterstützung“ der DVAG. Da decken sich unsere Erfahrungen.

        Jürgen Häußler sagte:
        04/06/2016 um 8:17 pm

        Auf die BaFin würde ich nicht sehr viel setzen. Da habe ich schon entsprechende Interviews mit dem Führungspersonal gesehen. Alles andere als verbraucherfreundlich.
        Der Ombudsmann kann zwar eine Empfehlung geben, aber auch die ist nicht rechtsverbindlich.
        Wenn es um größere Beträge geht, das ist bei den millionenfachen Lebens- und Rentenversicherungen ja der Fall, hilft nur ein jahrelanger Klageweg. Wenn die Finanzdienstleister dann schlechte Karten haben, geben sie rechtzeitig auf, damit kein Grundsatzurteil gefällt wird. Da habe ich auch schon einiges gelesen. Diesbezüglich haben die Verbraucherzentrale Hamburg und der Bund der Versicherten schon einige Klagen geführt. Und Gott sei Dank sind einige auch zugunsten der betrogenen Verbraucher entschieden worden. Dafür sind die Finanzdienstleister bei der Urteilsumsetzung wiederum nicht sehr kooperativ.

        Die sogenannten „Vermögensberater“ sind sowieso nur die notwendigen Handlanger des Managements. Und für dieses sind nur Verkaufszahlen, etc. relevant. Der Kunde ist nur wichtig, wenn er brav Monat für Monat einzahlt und sein Maul hält. Der beratende Vermögensvernichter ist nur von Bedeutung, wenn er genug verkauft. Und solange Parteispenden üppig fließen und hohe Vortragshonorare bezahlt werden, sehen und hören Politiker auch nichts.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s