SEB Immoinvest schüttet aus – Hoffnung für Anleger schwindet

Gepostet am Aktualisiert am

Zum insgesamt zehnten Mal hat der SEB Immoinvest am 1. Juli 2016 Geld an die Anleger ausgeschüttet. Anleger bekamen 1,50 € pro Anteil. Insgesamt wurden 174, 8 Mio. € an die Anleger ausgeschüttet. Damit wurden seit der Schließung 24,35 € pro Anteil ausgezahlt.

Zum Vergleich: Der Wert des Fonds lag bei Beginn der Abwicklung (Ende April 2012 bei 51,26 € nachdem die Fondsgesellschaft den Wert bereits um 5 Prozent reduziert hatte.
Der aktuelle Kurs für einen Verkauf an der Börse liegt bei etwa 15,50 €, gegenüber 24,94 €, die aktuell von der Fondsverwaltung angegeben werden.

Bis zum 30. April 2017 läuft nun noch die insgesamt fünf Jahre dauerende Frist der Auflösung. Dann endet das Verwaltungsmandat.

Wenn dann nicht alle Immobilien verkauft sind gilt folgendes:

„Für den Fall, dass nicht alle Immobilien aus dem global diversifizierten Portfolio veräußert worden sind, wird die Depotbank die weitere Auflösung übernehmen und im Interesse aller Anleger bestmöglich begleiten.“
Quelle: http://www.savillsim-publikumsfonds.de/de/fragen-und-antworten/

Was immer das auch heißen mag.

Natur-Distel
Wenigstens die Natur blüht auf: Anleger des SEB Immoinvest sollten sich an anderen Dingen erfreuen. Mir gefällt z.B. die frisch aufgeblühte Distel, das Nationalsymbol Schottlands. Foto: V. F. Alle

In Euro am Sonntag (vom 21.5.2016) zeichnet der Journalist Christoph Platt ein düsteres Bild für die Anleger. Er berichtet dort über eine aktuelle Studie von Drescher & Cie. Immo Consult zu den derzeit in Abwicklung befindlichen Immobilienfonds. Dabei schneidet der SEB immoinvest sehr schlecht ab.

Quelle: http://www.finanzen.net/nachricht/fonds/Euro-am-Sonntag-Tod-auf-Raten-Welche-Immo-Fonds-abgewickelt-werden-4883378

Im Beitrag heißt es:

„18 Immobilienfonds, die Hälfte davon für Privatanleger, werden momentan liquidiert und müssen sämtliche Objekte veräußern. Wer in diesen Produkten investiert ist, kann seine Anteile nicht an die Fondsgesellschaften zurückgeben. Er hat nur die Wahl, seinem Fonds langsam beim Sterben zuzusehen oder seine Anteile mit hohem Abschlag an der Börse zu verkaufen.“

und

„Von den Publikumsfonds schnitt der KanAm grundinvest am besten ab: Etwas mehr als 30 Prozent seines Portfolios bescheinigt die Studie eine gute Qualität. Beim zweitplatzierten Publikumsfonds, dem CS Euroreal, liegt der Anteil der mit „gut“ bewerteten Gebäude nur noch bei rund 17 Prozent. Noch etwas schlechter schneiden der Catella Focus Nordic Cities und der SEB ImmoInvest ab.“

SEB-Wertentwicklung2016
Mehr als 15% Minus seit 2011: So bewertet finanzen.net die bisherige Wertentwicklung des SEB Immoinvest.

Es sieht also schlecht aus für die Anleger, die (wie ich) in der Vergangenheit auf die optimistischen Aussagen ihrer Berater vertraut hatten.

Für mich kommt hinzu, dass mir mein DVAG-Berater 2009 Anteile des DWS Immoflex (deutsche Bank) als gute Alternative verkauft hatte. Weil er mir damals (und bis heute) keine Fondsprospekte aushändigen konnte (angeblich, weil er in der Zeit so viele Abschlüsse für den Fonds getätigt hatte), merkte ich erst später, dass der Fonds als Dachfonds zu 20% am SEB Immoinvest beteiligt ist.
Das bedeutet für mich, dass es neben dem Ausgabeaufschlag, den ich damals gezahlt habe, für mich auch dort weitere Verluste gibt. Dazu kommt, dass sich die Deutsche Bank die Fondsverwaltung weiterhin gnadenlos bezahlen lässt. Sie hat mir gerade wieder Geld abgebucht. Dumm, dass ich aus dem Fonds nur raus komme, wenn ich die Anteile an der Börse verkaufe.

Von dem Berater habe ich schon seit Jahren nichts mehr gehört und auch die DVAG hat sich nicht mehr persönlichen bei mir gemeldet.

Derzeit wirbt Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) mit ihrem neuen Werbepartner Jürgen Klopp so aktiv wie schon lange nicht mehr.
Der Slogan lautet: Vermögensaufbau für jeden!

Für mich ist das vor dem Hintergrund der Entwicklung des SEB Immoinvest Verbrauchertäuschung. Mich wundert es, dass die DVAG weiter damit werben darf.
Ein Deutscher Autohersteller wurde dagegen kürzlich von der Deutschen Umwelthilfe gezwungen, zweifelhafte Aussagen zur Umweltfreundlichkeit eines Dieselfahrzeuges aus den Werbeprospekten zu streichen.

Bei der DVAG handelt es sich allerdings nicht um eine einfache Werbeaussage, sondern um den Marketing-Claim, also die Kernbotschaft des Finanzdienstleisters.

Was das bedeutet kann sich jeder selbst ausrechnen.
Ich hatte die DVAG-Führung bereits 2012 mehrfach auf diesbezügliche Risiken hingewiesen. Da keine Reaktion erfolgte und auch die Medien kein Interesse daran hatten, habe ich 2013 diesen Blog begonnen. Mir war damals bereits klar, dass das Mangement sich nicht an sein eigenes Unternehmensleitbild hält und nicht „übermotivierte“ Vermögensberater die Hauptverantwortung tragen, wie es gerne dargestellt wird.

Viele Grüße,
V. F. Alle

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2 Gedanken zu „SEB Immoinvest schüttet aus – Hoffnung für Anleger schwindet

    Claudia Seidler sagte:
    28/10/2016 um 12:48 pm

    Tja, wir wurden getäuscht, werden hingehalten und nicht informiert, wie es weitergeht. Ich fühle mich als Anlegerin weder vom Staat geschützt, noch in irgendeiner Weise unterstützt. .
    Ich wundere mich, dass die Presse/Medien sich ebenfalls so bedeckt halten, es so wenig Foren gibt und sich auch die AnlegerInnen nicht zusammentun, um mal auf die „Pauke zu hauen“ -jeder ist sich selbst der Nächste“. An der Börse verkaufen ? Nur im Notfall, hohe Abschläge. Am 17.04.2017 ist Stichtag, mal sehen, was wir bis dahin zurückerhalten haben. Klar ist nur: wir machen jetzt schon Verlust und wurden (mal wieder) über den Tisch gezogen (bzw. haben uns ziehen lassen…).

      vfalle geantwortet:
      29/10/2016 um 8:42 am

      Danke für die deutlichen Worte, die ich zu 100% teile.
      Weil die Situation so ist, wie Sie sie beschreiben, recherchiere ich seit 2012 quasi privat zu dem Thema. Politiker und hochrangige Manager informiere ich per Einschreiben mit Rückschein über meine Erfahrungen. Das ist mir wichtig, weil ich in der Vergangenheit bei ähnlichen Fällen immer wieder erlebte, dass Führungspersönlichkeiten von den Problemen angeblich nichts wussten. Trotzdem ist der Erfolg bisher mäßig.
      Das hat nach meiner Einschätzung Gründe:
      1. Die DVAG-Führung ist sehr gut im Social Engineering – also darin, persönliche Kontakte und damit Vertrauensverhältnisse aufzubauen. Das bedeutet: Durch die engen Kontakte zu (Ex-) Bundespolitikern hat sich die Organisation Glaubwürdigkeit bei unseren Staatslenkern erarbeitet. Durch diese Kontakte gilt das Unternehmen nach außen als besonders glaubwürdig – also auch bei Vertriebsmitarbeitern und Kunden.
      Vermögensberater werden bewusst als Quereinsteiger rekrutiert. Denn diese sind eher dankbar für ihre Berufschance und hinterfragen seltener die Strategien der DVAG. Zudem pflegen die Vermögensberater – auch durch ihre Hausbesuche –engere Kontakte zu den Kunden, als Bankmitarbeiter. Durch dieses Vertrauensverhältnis fällt es geschädigten Kunden schwerer, ihren freundschaftlichen Berater zu verklagen. Beispiele dafür musste ich nicht lange suchen. Eine Arbeitskollegin hatte sich von einem DVAG-Berater aus ihrem Freundeskreis den Fonds SEB Immoinvest andrehen lassen, die Schuld dann aber eher bei sich gesehen.

      2. Das ist dann auch direkt Punkt zwei. Geschädigte werden von der DVAG als Einzelfälle dargestellt. Das belegen u.a. Aussagen vom Unternehmensgründer Reinfried Pohl in seiner Biografie „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“. Demnach gibt es nur wenige Beschwerden. Und wenn, dann habe meist der Vermögensberater etwas falsch gemacht und müsse dafür selbst gerade stehen.
      Auch mir wurde von der DVAG-Führung dieser Eindruck vermittelt. Und auch mein Berater glaubte zunächst, dass ihm die große „Familie“ der DVAG helfen würde. Doch auch er musste erkennen, dass weder er noch ich eine ernsthafte Unterstützung von der DVAG-Führung erhielten.
      Aus den Antworten auf meine Schilderungen gegenüber dem DVAG-Aufsichtsrat, Vorständen der Partner sowie der Bundeskanzlerin, lässt sich ebenfalls ableiten, dass ich dort als Einzelfall betrachtet werde.
      Dabei braucht man kein großer Mathematiker zu sein um zu erkennen, dass die Konzentration der DVAG auf wenige Partner und wenige Produkte, bei gleichzeitigem Streben nach noch größeren Vertriebserfolgen, zwangsweise zu einer Vielzahl von Geschädigten führen muss. Von Einzelfällen darf da eigentlich nicht mehr die Rede sein.

      3. Presse/Medien haben diverse Gründe, sich dem kompliziereten Netzwerk der DVAG nicht zu widmen. Hauptgrund ist nach meiner Einschätzung der Wandel der Branche und die Konkurrenz durch das Internet. Weil Anzeigen-/Werbeerlöse wegbrechen fehlt vielen Redaktionen inzwischen das Geld für aufwändige Recherchen. Dadurch fehlt es auch an Geld für mögliche Schadensersatzklagen, durch die kritisch dargestellten Unternehmen. Sprich die Redaktionen haben keine Kapazitäten und die Verlagsleiter/Geschäftsführer haben Angst vor teuren juristischen Auseinandersetzungen.
      Weil ich das früh mitbekommen habe, betreibe ich diesen Blog nun auf eigene Verantwortung. Mir (und vermutlich auch der DVAG) ist dabei klar, dass es einfacher ist Vermögensberater und Redaktionen zu verklagen, als einen Kunden mit journalistischem Netzwerk, der damit noch größere Aufmerksamkeit bekommen würde.
      Es gibt aber auch andere Gründe, die wiederum mit dem Social Engineering der DVAG zu tun haben. Der Chef der größten überregionalen Tageszeitung Deutschlands Kai Diekmann, ist z.B. Trauzeuge von Ex-Bundeskanzler Kohl, der wiederum ein guter Freund vom inzwischen verstorbenen DVAG-Gründer Pohl war. Die DVAG und die Deutsche Bank haben zur Bundestagswahl 2013 große Anzeigen in der Zeitung geschaltet und später hat Bild(-Online) zusammen mit den beiden Partnern einen Finanz-Dialog als „Leserservice“ angeboten. Auch das war meiner Ansicht nach eine verkappte Werbeaktion. (Siehe : https://vfalle.wordpress.com/2013/08/13/die-rolle-der-medien-finanz-dialog-14/ ) Da scheint klar, wer der Bildzeitung näher ist. Doch nicht nur zur Bild-Zeitung gibt es gute Kontakte. Das sehr positive Buch „Ich habe Finanzgeschichte geschrieben“ über DAVG-Gründer Pohl hat z.B. ein ehemaliger FAZ-Herausgeber geschrieben. Das und eine Antwort eines aktuellen FAZ-Herausgebers zu meinem Fall haben auch mich überrascht.
      Zum Glück habe ich bei meinen Recherchen aber auch ein paar wenige Journalisten getroffen, die sich weiterhin die Mühe machen, die komplexen Verbindungen nachzuvollziehen und die auch Redaktionen im Hintergrund haben, die keine Angst vor juristischen Auseinandersetzungen haben. Ihnen fehlt nur noch der Anlass für einen größeren Bericht. Der dürfte aber spätestens im April/Mai 2017 gegeben sein. Das haben Sie richtig erkannt.

      4. Anleger sind meist „Einzelkämpfer“ und (Ex-)DVAG-Mitarbeiter agieren aus Angst vor juristischen Auseinandersetzungen mit der Organisation lieber anonym. Das macht es schwer den großen Zusammenhang rechtssicher darzustellen.
      An Gerichten werden die Klagen der Anleger als Einzelfälle geprüft. Das gilt meines Wissens auch dann, wenn Anwaltskanzleien zu Sammelklagen aufrufen. Anleger sind daher meist gezwungen sich auf ihre Belange zu konzentrieren statt Allianzen zu bilden.
      Vermutlich hätte auch ich juristisch gute Chancen gehabt, meinem DVAG-Berater ein Fehlverhalten nachzuweisen. Weil meiner Meinung nach aber ein Systemversagen vorliegt, war es mir wichtiger durch die öffentliche Schilderung meiner Erfahrungen mit den Produkten der DVAG-Partner darüber aufzuklären und weitere Geschädigte zu suchen, als einen einzelnen Berater zu verklagen. Zudem wird bei Gerichtsentscheidungen ja auch noch oft Stillschweigen über die Details der Einigung vereinbart.
      Nun zu den Vermögensberatern: Ein DVAG-Mitarbeiter, der leider anonym bleiben wollte, schilderte mir am Telefon vor einiger Zeit Szenen aus der DVAG-Tiefgarage. Sie klangen für mich wie Szenen aus Filmen wie „Wolf of Wallstreet“. Das Gespräch wirkte auf mich sehr glaubwürdig. Journalistisch nutzbar ist es aber leider nicht. Weil die Quelle sich nicht zu erkennen gegeben hat, bleibt eine Prüfung der Seriosität der Aussagen unmöglich.

      Grundsätzlich befürworte ich es deshalb, wenn sich geprellte Anleger und auch Vermögensberater zusammen tun. Denn nur so lässt sich zweifelsfrei belegen, dass das Problem im System liegt und nicht bei einzelnen – oft als gierig dargestellten – Anlegern und Vermögensberatern.
      Dieses Ziel ist mir längst wichtiger geworden, als die persönliche finanzielle Entschädigung. Mir ist gleichzeitig bewusst, dass jede(r) Einzelne für sich entscheiden muss, ob sie/er lieber an seine persönlichen wirtschaftlichen Belange denkt oder seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt.

      Liebe Grüße und alles Gute

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