DVAG-Zukunftsforum 2016: Ein Blick auf die Partner lohnt sich

Gepostet am Aktualisiert am

Beeindruckend präsentiert die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) ihr Zukunftsforum am 13. und 14. September 2016 in Leipzig. Es gibt viele namhafte Referenten und Partner.

Laut der Eigenwerbung richtet sich das Zukunftsforum an DVAG-Partner und Berufsinteressenten. Es soll einen „Ausblick auf die Chancen in der Finanzberatung der kommenden Jahre und Jahrzehnte“ geben.
Interessenten die noch keinen Vermögensberater haben sollen sich an eine auf der Homepage angegebene Adresse wenden. Warum das im Pyramidensystem der DVAG wichtig ist, soll in diesem Beitrag allerdings nicht Thema sein. Das können ehemalige Vermögensberater (z. B. im Internetforum geprellte-vermoegensberater.org) oder Anwälte (siehe z.B. bei www.handelsvertreter-blog.de) viel besser erklären als ich.

Deshalb möchte ich mich lieber mit den Verbindungen der DVAG zu den auf der Homepage zum Zukunftsforum angegeben Partner beschäftigen.

Zukunftsforum-Partner
Zahlreich erscheinen die „Partner“ des DVAG-Zukunftsforums. Quelle: http://www.zukunftsforum.dvag

Aachen Münchener Versicherung

Produkte der Aachen Münchener werden seit einigen Jahren exklusiv von der DVAG vertrieben. Die Aachen Münchener gehört zum Generali-Konzern, der wieerum zu 40% an der DVAG beteiligt ist. Im Aufsichtsrat von Generali saß bis 2010 Helmut Kohl (CDU). „Der Altkanzler war 2002 auf Betreiben seines langjährigen Freundes und Gründers der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), Reinfried Pohl, in das Kontrollgremium eingezogen“, heißt es in einem Bericht des Manager Magazins vom 23. Juni 2010.  Darin steht auch, dass der Konzern Anteile an der DVAG besitzt und, dass Kohl seinen Aufsichtsratssitz an Andreas Pohl, den Sohn des DVAG-Gründers, abgab. Nebenbei ist der Inzwischen bei der Aachen Münchener ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende der Aachen Münchener immer noch im Aufsichtsrat der DVAG.
Im Jahr 2015 gab es einige Veränderungen im Management der Generali-Gruppe. Generali Deutschland bekam einen neuen Vorstand ebenso wie die Aachen Münchener, wo Christoph Schmallenbach den Posten von Michael Westkamp übernahm. Das-investment.com schrieb dazu: „Schmallenbach ist besonders gut mit dem exklusiven Aachen-Münchener-Vertriebspartner DVAG vernetzt. So soll sein Augenmerk vor allem auf dem Ausbau dieser Partnerschaft liegen.“
Westkamp sitzt nach dem Ausscheiden beim Versicherer allerdings immer noch im Aufsichtsrat der DVAG.
Fazit: Es besteht eine Verflechtung, die deutlich über eine normale Partnerschaft hinaus geht. Daraus ergeben sich Vorteile für die Unternehmen aber nicht unbedingt die Kunden. 2015 geriet die DVAG wegen Umdeckungen bei Lebensversicherungen in die Kritik. Siehe: http://www.versicherungsbote.de/id/4814937/DVAG-Umdeckung-Lebensversicherung-Kritik/

 

BDV – Bundesverband der Vermögensberater (nicht zu verwechseln mit dem Bund der Versicherten)

DVAG-Gründer Reinfried Pohl ist Gründungsmitglied der Vereinigung. Vorsitzender des Verbandes ist Bundesminister a. D. Friedrich Bohl (CDU). Der Ex-Kanzleramtschef (unter Helmut Kohl) ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der DVAG.
Fazit: Die DVAG hat damit einen erheblichen Einfluss innerhalb des BDV.

 

DV – Deutsche Verrechnungsstelle

Über die Deutsche Verrechnungsstelle (DV) gibt es außer einer Presseinformation der DVAG, in der die DV eher wie ein Partner erscheint, wenig Informationen. In einem Interview mit dem Handelsblatt vom 16.9.2015 bezeichnet der aktuelle DVAG-Vorstandsvorsitzende Andreas Pohl die DV als DVAG-Tochter. Laut DVAG-Geschäftsbericht wurde das Unternehmen von Andreas und Reinfried Pohl gegründet. Die Hausanschrift ist mit der Anschrift der DVAG in Frankfurt a. Main identisch.
Fazit: Es handelt sich zwar formal um ein eigenständiges Unternehmen. Dieses gehört allerdings zum Imperium der Familie Pohl.

 

Central (Versicherung)

Auf seiner Homepage verweist der private Krankenversicherer auf eine gemeinsame Internetseite mit der DVAG (https://dvag.central.de/central-und-dvag/). Dort wird die 35-jährige Partnerschaft von Central und DVAG erwähnt. Darüber hinaus heißt es: „Die Deutsche Vermögensberatung ist der bedeutendste Vertriebspartner der Central Krankenversicherung.“
Die Central Versicherung wurde  1971 von der Aachen-Münchener-Gruppe übernommen, die 1998 ihrerseits mehrheitlich von der italienischen Generali-Gruppe übernommen wurde.
Fazit: Was nach einer vertrauenswürdigen Partnerschaft aussieht, erscheint bei kritischer Betrachtung als gefährliche Abhängigkeit des Versicherers vom Vertriebspartner DVAG. In Zeiten, in denen private Krankenversicherungen kritisch hinterfragt werden, dürfte das nicht unwesentlich sein. Zudem ist die Central genau genommen kein Partner, sondern Teil der Generali Deutschland Gruppe zu der auch die Aachen Münchener, AdvoCard und DVAG gehören. Deshalb spricht der Versicherer auch nicht von Partnern, sondern von einem „Leistungsverbund“.

 

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank ist schon viele Jahre Partner der Deutschen Vermögensberatung. Seit vielen Jahren vertreibt die DVAG erfolgreich Fonds der Bank-Tochter DWS – so erfolgreich, dass die Bank der DVAG 2013 einen Anteil an der DWS überlies. Laut Fondsprofessionell.de, sah das ein Vertrag aus dem Jahr 2002 so vor.
In dem Beitrag wird die DVAG als „mobiler Vertrieb“ der Deutschen Bank bezeichnet. Für Kunden macht es allerdings einen großen Unterschied ob sie ihren Vertrag bei der Bank oder bei einem Vermögensberater abschließen. Bei Problemen können sich Bank-Kunden an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) oder eine entsprechende Ombudsstelle wenden. DVAG-Kunden können von diesen Institutionen keine Hilfe erwarten.
Für die Bank, die gerade mit sinkenden Erlösen und Kosten durch Rechtsstreitigkeiten zu tun hat, ist das gut. Übrigens sitzt der ehemalige Privatkundenvorstand der Deutschen Bank Rainer Neske noch immer im Beirat der DVAG.
Fazit: Die Deutsche Bank profitiert durch den Vertrieb über die DVAG. Nachdem die Bank den Abbau von Stellen und Filialen bekannt gegeben hat, wird das umso wichtiger. Kunden sind dagegen bei Streitigkeiten die Dummen.

 

DWS

Die Deutsche-Bank-Tochter DWS ist eine Fondsgesellschaft. Für den erfolgreichen Vertrieb der Fonds erhielt die DVAG 2013 Anteile an der Banktochter. Die DWS-Fonds stecken zudem in fondsgebundenen Versicherungen, die wiederum von der Aachen Münchener Versicherung über die DVAG vertrieben werden.
Fazit: Ob bei der engen Verbindung zwischen den Unternehmen eine objektive Kundenberatung in Sachen DWS durch die DVAG möglich ist, halte ich zumindest für fragwürdig

.

FHDW – Fachhochschule der Wirtschaft

Auf Initiative des DVAG-Gründers Reinfried Pohl eröffnete die FHDW im Oktober 2014 einen Ableger in Marburg. Dort werden seitdem Vermögensberater ausgebildet. Laut Versicherungsbote erfüllte sich Pohl damit den Wunsch nach einer „Kaderschmiede“. Wie das Branchenmagazin berichtete habe der im Juni 2014 verstorbene DVAG-Gründer „bis zuletzt bis ins Detail mitbestimmt und suchte sogar die Möbel für die Studentenzimmer aus.“
Fazit: Der Bericht im Versicherungsboten verdeutlicht, wie groß der Einfluss der DVAG auf die Aktivitäten der privaten Fachhochschule (gewesen) sind. Darüber sollte auch das Lob des Hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) nicht hinwegtäuschen.

AdcoCard

Die Rechtschutzversicherung gehört ebenso wie Krankenversicherer Central und Lebensversicherer Aachen Münchener zum Generali-Verbund.

 

Hinter der beeindruckenden Zahl der „DVAG-Partner“ stecken also eigentlich nur die Deutsche Bank und der Generali-Konzern sowie viel Vertriebsgeschick der DVAG.
Das wird auch am Ende eines Beitrags aus dem Handelsblatt von März 2016 deutlich: „Anders als die meisten Strukturvertriebe wie MLP verkauft die DVAG in jeder Kategorie nur Produkte eines Anbieters. Der italienische Versicherungsriese Generali, mit dem die DVAG auch bei Bausparverträgen kooperiert, erwirtschafte weltweit 15 Prozent seiner laufenden Beiträge mit DVAG-Kunden, […]“ und weiter „Generali ist mit 40 Prozent an dem Finanzvertrieb beteiligt. Bei Investmentfonds ist die Deutsche Bank der Partner der DVAG.

 

Während im Fall des Zukunftsforums den Kunden und potenziellen Mitarbeitern eine große Vielfallt an „Partnern“ suggeriert werden soll, gab es in der Vergangenheit allerdings auch umgekehrte Strategien seitens der DVAG. Beispielsweise wurden von der Familie Pohl Parteispenden über verschiedenen Unternehmen gestückelt und vielen damit unter die die Grenzen, die eine Veröffentlichung erforderlich gemacht hätten. Und ja, ausgerechnet in der Kanzler-Ära von Pohl-Freund Helmut Kohl gab es eine Parteispenden-Affäre. In Folge diese Affäre trat DVAG-Gründer Reinfried Pohl aus der CDU aus. Kohl hat bis heute keine Namen von Großspendern genannt.

Für Manager und Journalisten aus der Finanzbranche mögen solche Verbindungen und Beteiligungen normal sein. Mir als DVAG-Kunde und damit auch Kunde von Aachen Münchener und Gernerali sowie Deutscher Bank erscheint das inzwischen eher wie ein Klüngel, bei dem sich Unternehmen gegenseitig Vorteile verschaffen. Als Kunde habe ich da längst den Eindruck auf der Strecke geblieben zu sein.

 

Viele Grüße,
V. F. Alle

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2 Gedanken zu „DVAG-Zukunftsforum 2016: Ein Blick auf die Partner lohnt sich

    Shaly sagte:
    08/09/2016 um 11:49 am

    Zitat: Zukunftsforum am 12. und 13. September 2016 in Leipzig

    Also schon im Ersten Satz ein Fehler… Das Zukunftsforum ist vom 13. bis 14.09.2016.

    Ich finde es schade, dass Sie mit Aussagen wie „Für Manager und Journalisten aus der Finanzbranche mögen solche Verbindungen und Beteiligungen normal sein. Mir als DVAG-Kunde und damit auch Kunde von Aachen Münchener und Gernerali sowie Deutscher Bank erscheint das inzwischen eher wie ein Klüngel, bei dem sich Unternehmen gegenseitig Vorteile verschaffen. Als Kunde habe ich da längst den Eindruck auf der Strecke geblieben zu sein.“ (Rechtschreibfehler übernommen) Kunden als unmündige Bürger darstellen, die solche „Verflechtungen“ nicht nachvollziehen können.

      vfalle geantwortet:
      08/09/2016 um 7:24 pm

      Danke für den Hinweis.
      Nur: Wie kommen Sie darauf, aus meiner persönlichen Einschätzung zu schließen, dass ich Bürger als unmündig darstelle?

      Sie wissen vermutlich genauso gut wie ich, dass ein guter Verkäufer auch mündige Bürger zu seinem Vorteil täuschen kann.
      Wir sind uns sicher darüber einig, dass die Berufsgruppe der Ingenieure gebildet und damit mündig ist. Just an dem Tag, als mich ihr Kommentar erreichte, berichtete mir ein Kollege von einem Experiment mit einem Verkäufer und einer Gruppe Ingenieuren. Reihenweise seien die Ingenieure auf die Tricks des Verkäufers hereingefallen, obwohl er sie immer wieder über seine einfachen psychologischen Tricks aufklärte.
      Die These meines Kollegen: Ingenieure vertrauen einander. Sie können sich daher nicht vorstellen, dass jemand ihnen bewusst Informationen vorenthält oder ihnen charmant etwas vorflunkert.

      Mir geht es lediglich darum, darüber aufzuklären. Wer mündig ist und wer nicht, darüber erlaube ich mir kein Urteil.

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