Enttäuschte Erwartungen sind das Problem und nicht die Flüchtlinge

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Seit den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern scheinen Politik und Medien die Ursache für das schlechte Abschneiden der CDU vor allem in der Flüchtlingspolitik zu suchen. Das ist ein Fehler.
Die Abneigung gegen Zuwanderer ist für mich ein Symptom aber nicht die Ursache. Das eigentliche Problem liegt in nicht erfüllten Versprechen, wie „Wir schaffen das“ und „Gemeinsam erfolgreich“.
Die Werbeversprechen hatten auch bei mir zunächst ein gutes Gefühl ausgelöst. Doch inzwischen merken immer mehr Menschen, dass das für sie nicht in dem Maße zutrifft, wie für wenige andere.
Das ist in Ostdeutschland so, in der Bundesrepublik und auch anderen Ländern.
Der Widerspruch zwischen Versprechen bzw. Erwartung und der täglichen Realität wird auch als kognitive Dissonanz bezeichnet. Menschen reagieren unterschiedlich darauf. Die einen zweifeln an sich selbst und werden depressiv. Andere radikalisieren sich, um sich aus diesem Zustand zu befreien. Beides schadet einer Gesellschaft.

Bei meinen Recherchen bin ich in Sachen Versprechen übrigens auf einige Parallelen zwischen der CDU und dem Finanzvertrieb der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG).

Werbemotive der vergangenen Jahre verdeutlichten das:
Auf einem ist eine Familie zu erkennen. Dazu schreibt die CDU „Jede Familie ist anders und uns besonders wichtig“. Auf einem sehr ähnlichen Motiv der DVAG heißt es „Ihre Ziele und Wünsche stehen im Mittelpunkt“.

familie-cdu_dvag
So ähneln sich die Werbebotschaften von CDU (oben) und DVAG (unten). In diesem Fall werden Bedürnisse von Familien angesprochen. Auch ich wollte ein guter Vater sein. Quelle (Montage): Werbemotive CDU und DVAG / vfalle

Zu einem anderen Motiv, welches eine ältere Dame mit einem Kind zeigt, titelt die CDU „Solide Finanzen sind wichtig, weil wir an morgen denken“. Das Motto der DVAG lautet „Früher an morgen denken“.
Beide CDU und DVAG sprechen also die gleichen Bedürfnisse an. Weil das auch meine Bedürfnisse waren, fühlte ich mich zu den Beiden hingezogen. Inzwischen sehe ich darin nur noch leere Marketingaussagen.

Interessanterweise verfliegt in Ostdeutschland gerade der Bonus der CDU, der eng mit der Grenzöffnung der ehemaligen DDR und Altkanzler Helmut Kohl verbunden ist. Finanz- und Versicherungsunternehmen witterten bei der Wiedervereinigung das große Geld. Die Wettbewerber waren z.B. entsetzt als sich die Allianz 1990 den Kundenstamm der ehemaligen „Staatlichen Versicherung der DDR“ sicherte. Auch die DVAG erkennte das Geschäftspotenzial.
Und: Altkanzler Kohl, ein enger Freund von DVAG-Gründer und CDU-Parteispender Reinfried Pohl, wechselte nach seiner politischen Karriere in den Aufsichtsrat des Versicherers Generali.

Von enttäuschten Erwartungen berichtet längst auch der Protagonist im Film „Wenn der Vermögensberater klingelt“. (2. bis 3. Minute des Beitrags)

In dem Beitrag heißt es zu den Absatz-Strategien in Ostdeutschland (ab 10. Minute): „Die Leute hatten nichts. Also ein cleverer Wessi hat hier mit der Schubkarre Verträge verkauft. Der hat da im Monat 100.000 Euro verdient…    … Zehn Jahre später hatten SIe von allem alles im Überfluss – manche drei gleiche Versicherungen was sie nicht gemerkt haben.“

Mich wundert es nicht, das diese Menschen jetzt sauer sind.

Noch einmal: Die Flüchtlinge sind nicht das Problem. Das eigentliche Problem sind unsere Erwartungen, die von Verkäufern und Marketingspezialisten gezielt angesprochen werden.
Die Methoden dazu wurden in den vergangegen Jahren immer weiterentwickelt. Es geht darum psychologische Schwächen von Menschen gezielt zu nutzen. Dafür gibt es z.B. Studien sowie Weiterbildungen zum Neuromarketing. Dabei werden vor allem unbewußte Entscheidungsprozesse angesprochen.

Das sollten wir uns bewußt machen!

Viele Grüße,
V. F. Alle

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Ein Gedanke zu „Enttäuschte Erwartungen sind das Problem und nicht die Flüchtlinge

    K. sagte:
    11/09/2016 um 11:52 am

    Ein guter Artikel. Vollste Zustimmung. Chapeu.

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