Der Nächste bitte: Ex-Finanzminister wechselt in die Finanzbranche

Gepostet am Aktualisiert am

Wie kann ein ehemaliger Sozialdemokrat und Bankenkritiker wie Per Steinbrück direkt nach seinem Abschied vom Bundestag zu einer Bank wechseln? Und das gerade jetzt, wo viele Banken Personalentlassungen angekündigt haben – auch die ING-Bank?

 

Das fragen sich gerade viele Bundesbürger.

Steinbrück soll künftig Berater des Vorstands der der Direktbank ING-DiBa werden.

 

Politiker sind bei Finanzunternehmen sehr gefragt. Aus gutem Grund.

Als die CDU/CSU-Regierung unter Helmut Kohl 1998 abgewählt wurde, wechselten Ex- Finanzminister Theo Waigel sowie Kohls ehemaliger Kanzleramtschef Friedrich Bohl in den Aufsichtsrat des Finanzdienstleisters Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Ex-Kanzler Helmut Kohl war dagegen auf Empfehlung seines Freundes und DVAG-Gründers Reinfried Pohl 2002 in den Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Generali gegangen.

 

Heute – wenige Jahre nach der letzten globalen Finanzkrise – werden Banken von den Aufsichtsbehörden strenger überwacht. Finanzvertriebe wie die DVAG fallen dagegen seit 2013 nur noch unter die „Aufsicht“ der Industrie- und Handelskammern (IHK).

Zufall?

Fakt ist: Die DVAG hatte sich genau dafür in den Jahren zuvor stark gemacht. Dokumentiert ist das im Beitrag „Diffuse Zuständigkeit“ im DVAG-Unternehmensblog vom 11. März 2011.

 

Als ich DVAG-Kunde wurde, hielt ich die engen Verbindungen zwischen Politik und Finanzwirtschaft für nicht so schlimm – sah sie sogar als möglichen Kundenvorteil. Nun, da ich mit von der DVAG vermittelten Produkten Probleme habe, sehe ich das anders. Insbesondere nachdem ich vor wenigen Jahren Herrn Waigel darüber informiert habe, dass der Fonds SEB Immoinvest nicht hält, was mir vom netten DVAG-Berater versprochen wurde.

Laut Antwort Waigels sahen aber weder die DVAG noch Aufsichtsratschef Bohl dazu weiteren Handlungsbedarf. Ich wurde behandelt wie ein Einzelfall. Nach meinen eigenen Informationen/Recherchen bin ich das allerdings nicht.

 

Politiker, wie jetzt Per Steinbrück, sollten sich dringend vor Augen führen, dass es bei solchen Wechseln in die Wirtschaft nicht um die Pflege alter Freundschaften geht. Es geht für die Unternehmen um wirtschaftliche Interessen.

Um Vorteile für das Unternehmen zu erlangen werden dazu gerne zwischenmenschliche Beziehungen genutzt. Der Fachbegriff dafür ist: Social Engineering.

Wenn das geschickt umgesetzt wird, bekommt der Betroffene nicht einmal mit, wie sein Wissen und seine Kontakte ausgenutzt werden. Er fühlt sich weiter, wie unter guten Freunden.

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