Seltsam

Die Nebeneinkommen und Steuertricks der Besserverdiener

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Richter am Bundesfinanzhof verdienen sich scheinbar besonders gerne etwas hinzu. Das legt zumindest ein Bericht der „Welt am Sonntag“ nahe.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesrichter-29-772-euro-verdient-mit-nebentaetigkeiten/14930752.html

Ich erwähne das hier, weil ich darin ebenso wie der ehemalige Bundesminister Norbert Blüm in seinem Buch „Einspruch“ (erschienen: 9/2014), eine zweifelhafte Verknüpfung privater und gesellschaftlicher Interessen nicht auszuschließen kann.

Bekanntlich hatten  Norbert Blüm und Altkanzler Helmut Kohl zur CDU-Spendenaffäre unterschiedliche Ansichten. Blüm wurde nach seiner aktiven politischen Laufbahn Buchautor und Kabarettist. Kohl folgte dagegen dem Ruf seiner Freundes und Gründers der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) und übernahm Posten in der Finanz- und Versicherungsbranche.

Juristisch mag das okay sein. Doch wenn Bundesbürger durch ihr Vertrauen in dieses System Geld verlieren und andere sich bereichern, dann sollte es eigentlich einen Aufschrei und eine kontroverse Diskussion geben.

Kaum anders sieht es mit Fußballprofis aus, die sich scheinbar durch Steuertricks noch mehr bereichern. Das legt zumindest die Recherche eines Journalisten-Netzwerkes nahe.
Siehe: http://www.spiegel.de/sport/fussball/football-leaks-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-a-1123954.html

 

Leider suchen aber immer mehr Menschen den Grund für die Verschlechterung ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation in der Globalisierung und bei Einwanderern bzw. Flüchtlingen.

Seltsam! In was für einer Welt leben wir?

 

Herzliche Grüße
… und noch eine besinnliche Adventszeit

 

V. F. Alle

Riskantes Gruppendenken

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Mitglieder von Gruppen fühlen sich stark. Das führt oft auch dazu, dass sich Menschen Meinungsführern in einer Gruppe anschließen um ebenfalls zu dieser Gruppe zu gehören und von ihr anerkannt zu werden.

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Warum beschäftigt sich der V.-F.-Alle-Blog nun mit dem Thema Guppendenken bzw. Group Thinking?

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Ganz einfach: Im Zusammenhang mit einer möglichen neuen Immobilienblase, bin ich in den Kommentaren zu einem Spiegel-Beitrag auf den Begriff „Gruppendenken“ gestoßen. Das Prinzip funktioniert aber nicht nur auf den oberen Schichten einer Gesellschaft (bei den Finanz-Eliten), sondern auch auf anderen Ebenen. Damit meine ich die aktuelle Flüchtlingsdiskussion, aber auch Prozesse in Unternehmen und Vereinigungen.

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Aber zunächst zum Spiegel-Beitrag über die Finanzwirtschaft. Siehe:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-wie-mario-draghi-die-naechste-immobilienblase-aufpumpt-a-1080884.html
Ein Leser schrieb dort: „Neulich gab es doch von Fleischhauer die Kolumne über Merkel in der Groupthink Falle. Bei Draghi ist es ein ähnliches Problem. Die Notenbänker der ClubMed Länder drängen auf mehr Geld damit diese Länder nicht pleite gehen und Draghi überschwemmt die Eurozone weiter mit Liquidität die keiner braucht unter dem Vorwand der Gefahr einer Deflation. Risiken und Nebenwirkungen werden ausgeblendet.“

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Der Leser bezieht sich auf folgenden Beitrag: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-steckt-in-der-groupthink-falle-kolumne-a-1078791.html
Darin schreibt Jan Feischhauer zum Einstieg: „Anfang der Siebzigerjahre stieß der US-Psychologe Irving Janis bei seiner Forschung zum Verhalten von Menschen in Gruppen auf ein Phänomen, das er Groupthink nannte. Den Anlass für seine Untersuchungen boten eine Reihe von Entscheidungen der Regierung Kennedy, die sich im Nachhinein als verhängnisvoll erwiesen.“

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Bei meinem Finanzdienstleister sehe ich ähnliche Strukturen. Diese hängen stark mit dem Netzwerkmarketing zusammen, dass ich in diesem Blog bereits thematisiert habe.

Gruppendenken
Das bedenkliche an Gruppendenken ist, dass dabei eine scheinbar demokratische Meinungsfindung zustande kommt. Tatsächlich wird die Meinung der Gruppe von einem oder wenigen Meinungsführern geprägt. Der Rest fühlt sich dabei sicher, weil seine Wahl  von der Mehrheit in der Gruppe getragen wird.

Um das deutlich zu machen, habe ich hier einmal ein paar Definitionen für Gruppendenken / Groupthink herausgesucht.
Beim Wissenschaftsmagazin Spektrum.de heißt es z.B. im Lexikon der Psychologie (siehe http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/gruppendenken/6121):

„Gruppendenken wird … … als übermäßiges Streben nach Einmütigkeit definiert. Es entsteht bei Personen, deren Harmoniestreben in hochkohäsiven Gruppen die Motivation, andere Alternativen akkurat zu bewerten, überwiegt. Gruppendenken beschreibt also einen defizitären Gruppenentscheidungsprozeß, der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einer mangelhaften Entscheidung mit zum Teil katastrophalen Konsequenzen führt.“

Etwas weniger Wissenschaftlich und damit allgemeiner verständlich sind die Definitionen und Beispiele bei Wikipedia, die zum gleichen Ergebnis kommen:

„Gruppendenken im Sinne des Groupthink tritt gehäuft in Komitees oder großen Organisationen in Erscheinung, vor allem wenn die Entscheidung abgeschottet von äußeren Einflüssen getroffen wird. In seiner extremen Ausprägung ist Gruppendenken das völlige Unterwerfen des Einzelnen unter das Denken einer Gruppe, zu der die Einzelperson gehört oder gehören will. Dabei kann es sich um eine Religionsgemeinschaft, eine Partei oder auch nur ein beliebiges Entscheidungsgremium handeln. Kritisches, hinterfragendes Denken findet dann nicht mehr statt.“

Weiter heißt es bei Wikipedia:

„Die Gefahr des Gruppendenkens besteht in seiner ausgeprägten Starrheit und Irrationalität. Verfügt eine Gruppe nicht über funktionale Mechanismen zur Anpassung der gemeinsamen Denkvorstellungen, werden diese zum Dogma erhoben, das dennoch hohe Anziehungskraft entfalten kann. Die Orientierung an einem solch wirklichkeitsfernen Dogma kann im ungünstigsten Fall bis zum Untergang der Gruppe führen.“

Ein großes Harmoniestreben sehe ich auch in der Gruppe meines Finanzdienstleisters und auch auf politischer Ebene in Deutschland sowie in Teilen Europas.
Im Nachhinein habe ich erkannt, dass das der Grund war, warum mich der Finanzdienstleister und die Politik der CDU zuvor so angezogen hatten.
Inzwischen habe ich gelernt, wie in diesen Systemen mit Erkenntnissen umgegangen wird, die nicht in das Harmonieverständnis der Gruppe passen. Sie werden teils ignoriert, weil die Mehrheit ja anderer Meinung ist oder die Verantwortung dafür wird an andere weiterdelegiert.

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Ich frage mich: Wie lange kann das noch gut gehen?

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Der Appell an meine Leser lautet daher: Bildet Euch eine eigene Meinung – auch wenn es durch die aktuelle Informationsflut schwer fällt und manche Informationen schwer zu bekommen sind. Nur so sind wirklich demokratische Entscheidungen möglich.

 

Viele Grüße

V. F. Alle

Blumen für eine Vermögensberaterin

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Blumen-MauerAlte Mauern einzureißen, das scheint alleine fast unmöglich. Mit Wildblumen wirkt die Mauer für’s Erste nicht mehr so bedrohlich. Im nächsten Schritt finden sich dann vielleicht auch die richtigen Unterstützer.

 

 

„Ich habe bald zu spüren gekommen, wie die Firma vorgeht, wenn ihre Vermögensberater unproduktiv werden.“

So schreibt eine Vermögensberaterin in einem offenen Brief an die DVAG. Der Brief wurde kürzlich auf der Homepage der unabhängigen Interessenvertretung der Handelsvertreter der DVAG (IHD) veröffentlicht.

Nach einer schweren Erkrankung hatte die Vermögensberaterin demzufolge nach  Unterstützung und Menschlichkeit im System der DVAG gesucht. Stattdessen hatte sie nach eigener Aussage zusätzlichen Druck bekommen. Siehe: http://www.ihd-ev.org/#!blank/mdzuf

Wie auch ich, hat sie inzwischen scheinbar Zweifel an der Menschlichkeit auf höheren Ebenen im System der DVAG.

Bewundernswert ist für mich, dass sie sich zu der offenen Kritik an dem Unternehmen entschieden hat, obwohl sie wirtschaftlich von der DVAG abhängig ist – trotz formaler Selbständigkeit.

Ich wünsche ihr alles Gute.

 

Mir ist inzwischen klar, dass mir die „Familie“ DVAG gefiel und ich mich deshalb bei dem Unternehmen im Jahr 2002 besser aufgehoben fand als bei einer Bank. Fast jeder Mensch sehnt sich nach Gemeinschaft und Geborgenheit. Dschungelkönig Menderes ist dafür ein prominentes Beispiel. Als Kunde der DVAG habe ich in schwierigen Zeiten später allerdings erkennen müssen, dass das Unternehmen und ich offensichtlich unterschiedliche Familienbilder haben.

Nicht nachvollziehbar sind für mich z.B. die Einschätzungen des aktuellen DVAG-Vorstandsvorsitzenden Andreas Pohl (Sohn des DVAG-Gründers) aus einem Brief an einen DVAG-Direktionsleiter. Er hält die Gründung der Interessensvertretung für Vermögensberater für eine Störung des „Betriebsfriedens unserer beruflichen Familiengemeinschaft“. Das klingt für mich wie ein festhalten am Patriarchat und damit am Familienbild seines Vaters.

Statt auch die unangenehmen Eindrücke von Vermögensberatern und ihren Kunden als Seismographen für die künftige Ausrichtung der DVAG zu nutzen, versucht Andreas Pohl in dem Brief Probleme klein zu reden und den Direktionsleiter mit folgenden Schlussworten milde zu stimmen:  „Wir freuen uns darauf, sie alle gesund und munter in Malta wieder zu sehen“

Der Brief stammt vom 25. August 2014. Und „Malta“ steht für eine Tour der DVAG mit sechs Aida-Kreuzfahrtschiffen Ende September 2014 nach Valletta.
Vielleicht hätte er vorher einmal den Brief von der IHD (mit Datum vom 13. August 2014) an ihn und den Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Bohl durchlesen sollen. Dort heißt die erste Forderung nämlich Fett und deutlich: „STATT MILLIONENVERWENDUNG FÜR LUXUSREISEN – KONKRETE NEUREGELUNGEN VON PROVISIONEN UND GRUNDSICHERUNGEN DER VB“

 

Welche Folgen eine patriarchische Führungskultur und verängstigte Mitarbeiter für ein Unternehmen haben können, hat 2015 der Dieselskandal bei VW gezeigt.
Im Gegensatz zu den zumeist festangestellten und in der Metallgewerkschaft organisierten VW-Mitarbeitern, dürften sich Probleme bei der DVAG für die vielen tausend Vermögensberater jedoch wirtschaftlich deutlich dramatischer Auswirken. Dagegen erscheint die wirtschaftliche Position im DVAG-Vorstand bei einer Unternehmenskrise deutlich komfortabler als bei den Kollegen aus der Automobilindustrie.

 

Viele Grüße, V.F. Alle

 

P.S.:

Einen Teilerfolg können Vermögensberater gegen die DVAG inzwischen verbuchen. Der Bundesgerichtshof (BGH) beurteilte kürzlich einige Passagen aus den Beraterverträgen als rechtswidrig. Die Sache hat allerdings auch einen Haken: „Dieses Einlenken der DVAG wiederum schmälert die Chancen der Vermögensberater auf eine fristlose Kündigung – und damit die Hoffnung auf einen schnellen Neubeginn“, urteil dazu FondsProfessionell-Chefredakteur Bernd Mikosch. http://www.fondsprofessionell.de/news/professionell-kommentiert/nid/was-das-bgh-urteil-fuer-dvag-aussteiger-bedeutet/gid/1024868/ref/4/
Die DVAG wollte sich auf Anfrage der Redaktion nicht zu dem BGH-Urteil äußern. 

 

 

Meinem Berater geht es schlechter als mir – 2015

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Hier ist nun der versprochene dritte Teil meiner Zwischenbilanz.

Von meinem Berater habe ich lange nichts mehr gehört. Im Internet ist er zumindest noch zu finden. Allerdings wurde sein Portraitfoto neben seinen Kontaktdaten entfernt.

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In den vergangenen 15 Jahren ist mein Berater mit seinem Büro zudem mehrmals umgezogen. Das hat mich erst 2014 stutzig werden lassen, nachdem ich bei Anrufen bei einem „zentralen DVAG-Büroservice“ landete und nicht mehr in seinem Büro. Zuvor hatte ich in seinem Büro erst regelmäßig seine Frau, später einen männlichen Mitarbeiter und 2012 eine weibliche Assistentin erreicht. Die Damen vom DVAG-Büroservice vermittelten mir allerdings den Eindruck, dass sie meinen Berater gar nicht persönlich kennen.

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Ich habe die Adressen daher kurz aufgesucht, die mir von meinem Vermögensberater bekannt waren. Das stattliche Bürogebäude in dem mein Berater 2002 noch mit vielen DVAG-Kollegen arbeitete, ist inzwischen an mehrere andere Unternehmen vermietet. Nichts ist mehr zu erkennen, von dem einheitlichen DVAG-Aussehen, welches das Gebäude zuvor von außen sowie bei der Innenarchitektur geprägt hatten.

Aktuell teilt sich mein Berater (zumindest laut den Türschildern)  mit zwei Kollegen ein anderes Büro. Es liegt in einem Industriegebiet, in das ich keine Kunden einladen würde. Der Büronachbar konnte mir nicht sagen, wann die Herren in den Büroräumen arbeiten.

Das klingt für mich nicht gut.

Weil mich mein Berater immer zu Hause besuchte, war mir das damals nicht aufgefallen. Da hatte ich die Adressänderungen einfach hingenommen. Er hatte ja auch einen Kollegen eingestellt und brauchte scheinbar mehr Platz. Das klang für mich plausibel. Vielleicht hätte ich vorher stutzig werden sollen.

Ich will nicht nachtreten und werde meinen Vermögensberater auch in Ruhe lassen. Mir ist es nur wichtig, potenzielle Mitarbeiter von Strukturvertrieben auch auf solche Entwicklungen hinzuweisen. Nur deshalb schreibe ich noch einmal über meinen Vermögensberater.

Ich weiß ja inzwischen, welche Glitzerwelt neuen Mitarbeitern von den Vertriebsprofis präsentiert wird.

Mit freundlichen Grüßen,

V. F. Alle

Es ist schon seltsam . . . (3)

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Es ist schon seltsam, dass ich nun als Journalist einen kostenlosen Blog betreibe, obwohl mein Berufsstand davon lebt für eine solche Dienstleistung bezahlt zu werden. Im Gegensatz zu Internet-Konzernen wie Facebook, habe ich allerdings kein Geschäftsmodell, mit dem ich mich finanziell bereichern kann. Falls sich mit meinem Beruf langfristig kein Geld mehr verdienen lässt, kann ich nur hoffen meine Familie auf andere Weise ernähren zu können.

Es ist schon seltsam . . . (2)

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Es ist schon seltsam, dass Facebook sich einfach das Recht auf die Nutzung sämtlicher Kundendaten herausnehmen kann. Für die Kunden kostet der Dienst erst einmal „nur“ Daten und ist daher scheinbar kostenlos. Für den Anbieter des Dienstes ist das bares Geld. In Zeiten in denen Nutzerzahlen stagnieren, braucht es eben andere Wachstumsmodelle. Bei solchen Geschäftsmodellen verdient nicht zwangsweise derjenige das meiste Geld, der die besten Produkte herstellt, sondern derjenige, der den Kunden als erster ein Produkt für ihre aktuellen Bedürfnisse anbieten kann. Zudem geht bei kostenlosen Angeboten, das Gefühl für den Wert einer entsprechenden Dienstleistung/Leistung verloren.