CDU

Machtmenschen: Kohl, Pohl und andere Freunde

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Jetzt ist der Kanzler der Deutschen Einheit beerdigt. Doch sowohl für viele seiner politischen Wegbegleiter als auch Journalisten gibt es neben dem lobenswerten Einsatz für die deutsche Wiedervereinigung und ein vereintes Europa noch die bis heute unaufgeklärte Spendenaffäre. Altkanzler Kohl hat sie, wie einiges andere auch, einfach ausgesessen.

In meinem Blog gab es seit dem Tod von Helmut Kohl einige Aufrufe, die sich für den Streit zwischen Kohl und Norbert Blüm sowie die Verbindung zwischen dem Altkanzler und dem Gründer der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) Reinfried Pohl interessierten.  Deshalb möchte ich das noch einmal aufgreifen.

Wie Kohl ist Pohl eng mit der CDU-Spendenaffäre verknüpf.  Beide sind inzwischen verstorben und haben ihr Wissen mit ins Grab mitgenommen. Als Kohl wegen der Spendenaffäre nach seiner Amtszeit von Teilen der CDU kritisiert wurde, lies Pohl seine CDU-Parteimitgliedschaft ruhen. Fakt ist, dass Pohl über unterschiedliche Ableger der DVAG größere Summen an die CDU gespendet hat. Fakt ist auch, dass Kohl nach seiner Amtszeit eng mit dem Patriarchen aus dem Finanzvertrieb zusammengearbeitet hat.  Statt Ehrenvorsitzender der CDU wurde Kohl zum Ehrenvorsitzender im Beirat der DVAG. Siehe auch:  http://www.handelsvertreter-blog.de/2017/06/20/ehrenvorsitzender-des-beirates-der-dvag-verstorben/
Seine Regierungskollegen Theo Waigel (Ex-Bundesfinanzminister) und Friedrich Bohl  (Ex-Kanzleramtschef) wechselten in den DVAG-Vorstand. Heute hat die DVAG in Deutschland ein Monopol im Finanzvertrieb. Die guten Kontakte und vielleicht auch die Parteispenden haben sich für Reinfried Pohl also ausgezahlt.

Ausgezahlt haben sich die Kontakte scheinbar auch für den Journalisten und Ex-Bildzeitungs-Chefredakteur Kai Diekmann. Als Trauzeuge bei Kohls zweiter Ehe war Diekmann immer besonders nah bei Kohl dabei, bis über seinen Tod hinaus. Der kritische Bild-Blog spricht von „Trauzeugen-Journalismus“. Siehe:   http://www.bildblog.de/2959/trauzeugenjournalismus/

Das letzte Bild vom Altkanzler hat Ex-Bild-Chef Diekmann sogar selbst geschossen. Auch das wird von anderen Medienvertretern kritisch bewertet. Siehe:  http://meedia.de/2017/06/19/unvergessene-helmut-kohl-cover-von-der-umfaller-bis-zu-die-abrechnung/

Kohl-Bild-Hintergrund


Geschadet hat es Diekmann auf seinem Weg nicht. Es scheint sogar plausibel, dass er in Kohl einen guten Informanten hatte. Neben viel Lob für den Altkanzler war beispielsweise vom aktuellen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert anlässlich Kohls Todes auch folgendes zu vernehmen: „… und nicht selten verblüfte er seine Gesprächspartner mit Nachfragen oder Beschreibungen aus ihrem Verantwortungsbereich – zu Vorgängen, die sie noch gar nicht kannten, er aber wohl.“

Kohl-Lammert-Erinnerung

Quelle (Focus-Online): http://videos2.focus.de/wochit/2017/06/22/594b9c4de4b05a3f88b87439-1280x720_Jun_22_2017_11_11_55.MP4

Auch in der Familie scheinen die Machtkämpfe weiterzugehen. Öffentlich war zu sehen, wie der Sohn und die Enkel Kohls daran gehindert wurden, Abschied vom Vater und Opa zu nehmen. Kohls aktuelle Ehefrau hat sich hier gegen die leiblichen Verwandten durchgesetzt, auch was Details der Trauerfeier anging. Oft mit dabei war übrigens Ex-Bild-Chefredakteur Diekmann.

 

Obwohl  inzwischen zwei wichtige Akteure der CDU-Spendenaffäre verstoben sind, wäre es nun eine gute Gelegenheit die Fragen der Vergangenheit zu klären und Frieden zu finden. Ich bin mir sicher, dass es noch einige Wegbegleiter Kohls gibt, die hierzu etwas beitragen könnten.

Noch einmal: Kohls Verdienste für die Einheit Deutschlands und Europas sind für mich unbestritten. Gleichzeitig würde eine Aufklärung der Spendenaffäre dazu beitragen lang anhaltende und unwürdige Spekulationen über Verbindungen zwischen Kohl und seinen Parteispendern zu beenden.

 

Ich wünsche dem Altkanzler, dass er nun seinen Frieden findet und, dass seine Angehörigen lernen friedlich miteinander umzugehen. Machtkämpfe kosten nur Energie. Diese Energie können wir in einer Welt, die sich um Umbruch befindet, sicher besser einsetzen.

 

Liebe Grüße,

V. F. Alle

 

Hier sind noch Links zu Beiträgen von mir, die in den vergangenen Tagen zu dem Thema Freunde und Affären aufgerufen wurden:

https://vfalle.wordpress.com/2014/10/07/kohl-nennt-blum-verrater-die-spendenaffare/

https://vfalle.wordpress.com/2015/11/15/dicke-freunde-ich-konnte-mir-nicht-vorstellen/

Nobert Blüm wird 80: Der „Verräter“ schreibt über die Spendenaffäre

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Als im Oktober 2014 durch Tonbandaufnahmen eines WDR-Journalisten öffentlich gemacht wurde, dass Altkanzler Helmut Kohl seinen Parteifreund Norbert Blüm (Ex-Arbeitsminister) im Bezug auf die CDU-Spendenaffäre als „Verräter“ betrachtet, hielt sich Blüm noch zurück. Doch inzwischen wurden weitere Details veröffentlicht.
Auf Anfrage von Journalisten, hatte Blüm die Meinungsverschiedenheit damals zwar bestätigt, wollte sie aber nicht weiter kommentieren. In seinem Buch „Einspruch! Wider die Willkür an deutschen Gerichten“ wird er nun etwas konkreter.
Darin schreibt Blüm: „Ich habe sogar einst – es war im Jahr 2000 – gegen alle meine Gefühle der Gesetztestreue die Vorfahrt vor der Freundschaft eingeräumt.“ Und weiter: „Meine lange Freundschaft mit Helmut Kohl ging in die Brüche, weil ich ihm in der Parteispendenaffäre nicht recht gab, sondern der Achtung des Rechtes den Vorzug vor der Freundschaft gegen hatte.“
Das sei Blüm nicht leicht gefallen. Das Verhalten Kohls bewertet er jedoch als gesetzwidrig – trotz des Kohl-Ehrenwortes gegenüber den Spendern.

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Warum ich das hier schreibe? Mir sind bei meinen Recherchen zu meinem Finanzdienstleister DVAG die engen Verbindungen des DVAG-Gründers Reinfried Pohl zu Ex-Kanzler Kohl und weiteren hochrangigen Politikern aufgefallen. Inzwischen ist nachgewiesen, dass die Familie Pohl die CDU auf unterschiedlichen Wegen finanziell unterstützt hat. Dies erfolgte auf unterschiedliche Wege in aufgeteilten Spenden, die nicht unmittelbar veröffentlichungspflichtig waren. An der Spendenpraxis hat sich laut abgeordnetenwatch.de übrigens kaum etwas geändert. Siehe Beitrag über Spenden aus dem Pohl-Netzwerk im Jahr 2013 im Versicherungsboten von April 2015: http://www.versicherungsbote.de/id/4816355/Deutsche-Vermoegensberatung-DVAG-CDU-Parteispenden/

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Norbert Blüm ist übrigens gerade 80 geworden. Herzlichen Glückwunsch dazu. Gerne würde ich meine persönlichen Erfahrungen mit ihm austauschen.

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In seinem Buch sind die Gedanken über seine Freundschaft zu Helmut Kohl allerdings lediglich eine Randnotiz. Vielmehr geht es ihm darum, zu hinterfragen, ob die klassische Gewaltenteilung zwischen Executive (Bundesregierung, Polizei, Behörden), Legislative (Bundestag und Bundesrat) sowie Judikative (Bundesverfassungsgericht) noch funktioniert. Blüm gibt in seinem Buch Hinweise auf Verflechtungen, die er kritisch betrachtet.
Aber dazu möchte ich in einem anderen Beitrag berichten.

Viele Grüße,
V. F. Alle

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P.S. Gegen derartig einflussreiche Vernetzungen scheint mit der Versicherungsvertrieb Mehmet Göker, über den Spiegel Online gerade eine Doku ins Netzt gestellt hat (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/mehmet-goeker-doku-versicherungsvertreter-von-klaus-stern-a-1044299.html), eher ein kleiner Fisch im großen Teich zu sein.

Nachtrag vom 28.7.2015:
Vielleicht erledigt sich das mit den Parteispenden aber auch irgendwann von selbst. In den USA ist jetzt der mehrfache Millardär Donald Trump Präsidentschaftskandidat. Er braucht keine Millionen von Lobbyorganisationen. Nett kommentiert wird das in einem Beitrag in der Huffington Post: http://www.huffingtonpost.de/2015/07/28/donald-trump-republikaner_n_7884166.html

Journalismus: Wer das Geld hat, hat die Macht

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Ich danke dem Kommentator unisys für seinen Beitrag.

Die Einschätzung, dass Journalisten schon gerne berichten würden, deckt sich mit meinen Erfahrungen.
Auch ich habe von einem Verlagsgeschäftsführer (echte Verleger gibt es kaum noch) erfahren, dass er bedenken hat, verklagt zu werden.

Ebenso ist mir die wirtschaftliche Verknüpfung zwischen Verlagen/Privatsendern und Werbekunden bekannt.
Deshalb habe ich diese in vergangenen Beiträgen bereits thematisiert. In den nächsten Tagen werde ich dazu noch weitere Beispiele geben, wie journalistische Produkte vom Marketing beeinflusst werden.

Mir ist auch bewußt, dass meine persönlichen Probleme die DVAG nicht interessieren und die Verknüpfung zur Politik ist mir inzwischen ebenso bekannt.

Damit niemand sagen kann, nicht gewußt zu haben, dass da möglicherweise etwas falsch läuft, habe ich das Bundeskanzleramt, Hessens Ministerpräsident Bouffier und DVAG-Aufsichtsrat Theo Waigel (Ex-Finanzminister/CSU) mit meinem Fall konfrontiert und auch Rückmeldungen bekommen.

Ich hatte den Ex-Finanzminister und DVAG-Aufsichtsrat damit konfrontiert, der DVAG meine Erbschaft zur Tilgung meiner Darlehen anvertraut zu haben
Ich hatte den Ex-Finanzminister und DVAG-Aufsichtsrat damit konfrontiert, der DVAG meine Erbschaft zur Tilgung meiner Darlehen anvertraut zu haben

Weil ich nicht weiß, wieviele DVAG-Kunden und auch Mitarbeiter leichtgläubig Verträge zu ihrem Nachteil unterschrieben haben, kann ich nicht sagen, ob Herr Waigel recht hat oder ob ich auf der richtigen Spur bin.

Als Journalist ist es mir nur wichtig, das zu dokumentieren, wenn es die klassischen Medien schon nicht mehr können.

Ich weiß: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Deshalb hatte ich erst versucht die Verantwortlichen in den Unternehmen und der Politik zu Informieren, da etwas genauer hinzuschauen.

Schade, dass Werbekunden und große Unternehmen mit Klageandrohungen Verlage und Sender so beeindrucken können, dass interessante Informationen nicht verbreitet werden. Statt dessen gibt es immer mehr unverfängliche Informationen. Wer das Geld und die Juristen hat, kann also die Informationsverbreitung beeinflussen.

Auch wenn ich daran nichts verdiene und meine Freizeit dafür aufwende, halte ich diese Aufklärung für (m)eine journalistische Aufgabe. Im Gegensatz zu den klassischen Medienhäusern, habe ich einige Informationen schriftlich und bin nicht auf zweifelhafte Quellen angewiesen.

Ich bin entspannt und wünsche eine schöne Adventszeit

V. F. Alle

Nachtrag vom 6.5.2014:

Vor wenigen Tagen hat das Medien-Portal Meedia einen Bietrag mit dem Titel „Qualitätsjournalismus Fehlanzeige: Journalisten als Lobbyisten“ veröffentlicht.
http://meedia.de/2014/05/02/qualitaetsjournalismus-fehlanzeige-journalisten-als-lobbyisten/

Ich gehe davon aus, dass Journalisten von Natur aus Menschen sind und keine Lobbyisten.
Menschen bewerten Dinge und Situationen aus Ihrer Erfahrung. Was nicht in diesen Erfahrungsschatz passt, wird zunächst als fremd oder gar unglaubwürdig betrachtet.
Darin liegt das eigentliche Problem im Journalismus. Statt an der Stelle genau zu hinterfragen, bleibt dafür in der Informationsflut kaum Zeit. Im Gegenteil: Viele positive Meldungen zu einem Thema können einzelne negative Meldungen zum gleichen Thema, wie ein störendes Nebengeräusch erscheinen lassen.
Im übrigen sind dafür nicht nur Menschen anfällig, sondern auch Suchmaschinen. Da können wichtige Informationen schon einmal untergehen.
Nachdem ich hartnäckig geblieben bin, finden inzwischen immer mehr Menschen und auch Journalisten zu meinem Blog. Wann dazu etwas erscheint hängt nun davon ab, ob die Kollegen Redaktionen von der Bedeutung des Themas überzeugen können und die Medien (Chefredaktionen und Verleger) bereit sind, unangenehme Themen aufzugreifen.